International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa05427102 People gather in front of the memorial set on the 'Promenade des Anglais' where the truck crashed into the crowd during the Bastille Day celebrations, in Nice, France, 15 July 2016. According to reports, at least 84 people died and many were wounded after a truck drove into the crowd on the famous Promenade des Anglais during celebrations of Bastille Day in Nice, late 14 July.  EPA/IAN LANGSDON

Trauer um die Terroropfer von Nizza.
Bild: IAN LANGSDON/EPA/KEYSTONE

Nicht schon wieder!!! Warum wir lernen müssen (und werden), mit der Angst zu leben

Der Terrorismus hat eine neue, schockierende Dimension erhalten. Im Eiltempo radikalisierte Einzeltäter können jederzeit, überall und wahllos zuschlagen. Viele Menschen fühlen sich nicht mehr sicher. Dabei war das Leben nie sicher.



Wer hatte diesen Gedanken nicht, irgendwann in den letzten Tagen? «Nicht schon wieder!», zuckte es reflexartig im Gehirn, als beim Blick aufs Handydisplay einmal mehr eine Meldung des Schreckens angezeigt wurde. Lastwagenterror in Nizza am 14. Juli, Putschversuch in der Türkei einen Tag später, Zugterror in Würzburg am Montag, immer am Abend, kurz vor der Nachtruhe.

Die Ereignisse der letzten Tage haben manche um den Schlaf gebracht. Viele Menschen fühlen sich überfordert, sie denken, die Welt sei aus den Fugen geraten. Die Tatsache, dass fanatisierte Gewalttäter überall, jederzeit und wahllos zuschlagen können, lässt das Sicherheitsgefühl den Bach hinab gehen. Die Folge sind paranoide bis hysterische Reaktionen.

Aber ist die Welt wirklich so viel schlechter geworden?

Nizza am Tag danach

Unsere Vorfahren würden sich über solche Fragen wundern. Im Vergleich mit ihnen geht es uns prächtig. Wer nicht zur schmalen Schicht der Privilegierten gehörte, für den war das Leben ein einziger Überlebenskampf. Wer 40 Jahre alt wurde, galt schon als Greis. Und noch immer leben viele Menschen unter uns, die die Katastrophen des Zweiten Weltkriegs am eigenen Leib erfahren haben. Damals war die Welt wirklich aus den Fugen geraten.

Wie ein Brandbeschleuniger

Solche Vergleiche haben jedoch eine Kehrseite. Gerade weil unsere Welt vergleichsweise sicher und stabil ist, nehmen wir Verwerfungen besonders intensiv wahr. Online-Medien und Social Media wirken dabei wie ein Brandbeschleuniger. Den Putschversuch in der Türkei konnten wir faktisch in Echtzeit verfolgen. «In Tat und Wahrheit ist es nicht die Welt, sondern die Wahrnehmung von ihr, die aus den Fugen geraten ist», schrieb der Politologe Michael Hermann im «Tages-Anzeiger».

Hinzu kommt ein unheimliches Phänomen, das man als Instant-Radikalisierung bezeichnen könnte. Sowohl der Attentäter von Nizza wie jener von Würzburg waren nie als übertrieben religiös aufgefallen. Erst unmittelbar vor der Tat scheinen sie sich in einer Art Schnellbleiche mit extremistischem Gedankengut imprägniert zu haben. Ähnliches gilt für den Anschlag in Orlando. Der Täter war zwar im Visier des FBI, aber nichts deutete auf Terrorpläne hin.

Solche Menschen können selbst in einem Polizeistaat kaum aufgespürt und nur mit enormem Aufwand gestoppt werden. Das macht Angst und erzeugt dieses nagende Gefühl der Hilflosigkeit. Was wiederum zu Schnellschuss-Forderungen à la Donald Trump verleitet, Muslimen die Einreise zu verbieten. Wie er die Muslime identifizieren will, hat Trump nie erklärt.

Militärputsch in der Türkei

Die Turbulenzen der letzten Tage führen uns auch schmerzhaft vor Augen, dass unsere Werte, basierend auf Aufklärung und Liberalismus, keineswegs universell sind. Sie haben, wenn überhaupt, nur in Europa, Nordamerika sowie Australien und Neuseeland Wurzeln geschlagen. In Lateinamerika ist dies bereits viel weniger der Fall, von anderen Weltregionen ganz zu schweigen.

Backlash gegen Säkularisierung

Versuche, archaische Gesellschaften durch Reformen von oben zu «modernisieren», hatten wenig Erfolg. Beispielhaft dafür ist die Türkei. Kemal Atatürk hatte ihr nach dem Ersten Weltkrieg die Säkularisierung verordnet, unter anderem durch die Übernahme des Schweizerischen Zivilgesetzbuches. Die ländliche Bevölkerung Anatoliens wurde davon kaum berührt, die kemalistische Elite blickte vielmehr mit Verachtung auf die ungebildeten «Bauern» hinab.

Heute ist der Backlash im Gang, in Gestalt von Recep Tayyip Erdogan. Er stammt aus diesem Milieu und hat es bis nach ganz oben geschafft. Gleichzeitig verhalf er den Menschen in der Provinz mit seinen Wirtschaftsreformen erstmals zu einem gewissen Wohlstand. Wen wundert es da, dass sie Erdogan wie einen Gott verehren?

Die Folgen erlebt man nach dem gescheiterten Putschversuch, der nahtlos in einen Staatsstreich der AKP überzugehen scheint. Mit einem Furor ohnegleichen werden alle Bereiche des Staates von Gegnern und Kritikern der islamistischen Regierung «gesäubert». Die Verschwörungstheorie, wonach der Putsch von Erdogan inszeniert war, ist dennoch Unsinn. Es war wohl ein verzweifelter Versuch der Kemalisten, das Rad der Zeit zurückzudrehen. Bewirkt hat er das Gegenteil.

abspielen

Der Dokumentarfilm «100 Jahre Krieg in Nahost» zeigt die Folgen der westlichen Interventionen. YouTube/1000Dokus

Weitere Beispiele für einen Backlash gegen die Zwangssäkularisierung gibt es zur Genüge. Der Schah wollte den Iran modernisieren. Das Resultat waren Ajatollah Khomeini und die islamische Revolution. Der Sturz des säkularen Diktators Saddam Hussein im Irak durch die USA brachte nicht die von den Neokonservativen herbeifantasierte prowestliche Musterdemokratie hervor, sondern ein proiranisches Regime, das das Zweistromland tief gespalten hat.

Der Einfluss des Westens

Die Interventionen des Westens im Nahen Osten sind ohnehin ein trübes Kapitel. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag zum Aufkommen des islamischen Extremismus, wie eine diese Woche ausgestrahlte ARD-Dokumentation eindrücklich aufzeigt. Und sie lieferten die Grundlage für die antiwestliche Stossrichtung des islamistischen Terrors. Wer ihn auf die gewalttätigen Passagen im Koran reduziert, hat nichts aus der Geschichte gelernt.

Das führt aber auch zur Erkenntnis, dass die Gewalt nicht so schnell aus unserem Leben verschwinden wird. Wir können mit Repression gegen Muslime reagieren, doch damit würden wir genau das machen, was sich Al Kaida, IS und Konsorten erhoffen. Oder wir lernen, mit der Bedrohung umzugehen. Risiken sind Teil unseres Lebens, wir haben diese Tatsache mehr oder weniger bewusst akzeptiert. Wer das nicht kann, sollte seine Tage im Bett verbringen.

Positive Beispiele fördern

Natürlich wirken Appelle dieser Art oft etwas billig und hilflos. Mit dem Terror leben bedeutet aber nicht, dass wir den Terror akzeptieren müssen. Die Radikalisierung ist keine Einbahnstrasse, es gibt auch eine Gegenbewegung in Gestalt von Aussteigern. Ein Beispiel ist der Deutsche Dominic Musa Schmitz, der als Teenager konvertierte und zum Salafisten mit eigenem YouTube-Kanal wurde. Der Terror löste bei ihm ein Umdenken aus. In einem Buch hat Schmitz mit seiner Vergangenheit abgerechnet. Heute besucht er Schulen und warnt vor dem Salafismus.

Bild

Das Buch des Aussteigers Dominic Schmitz.

Solche Beispiele gilt es zu fördern und andere zur Nachahmung zu ermutigen. Als mögliches Mittel gegen «Instant-Terroristen» schlägt die deutsche Autorin Tanja Dückers in der NZZ vor, «erfolgreich integrierte ehemalige Flüchtlinge als Bindeglied zwischen den Kulturen einzusetzen». Ein Allheilmittel ist das nicht, dennoch ist es der richtige Weg, denn Anreize wirken allemal besser als Verbote oder eine falsch verstandene Toleranz gegenüber konservativen Strömungen im Islam.

Unsere westlichen Werte üben trotz aller Rückschläge der letzten Zeit eine grosse Anziehungskraft auf Menschen aus anderen Kulturen aus. Es wäre verheerend, wenn wir sie verraten und jenen rechtspopulistischen Kräften Auftrieb verleihen würden, denen die mühsam erkämpften Freiheitsrechte selbst zuwider sind.

Deshalb müssen wir lernen, mit den Horrormeldungen auf unseren Displays zu leben. Dann werden wir auf lange Sicht die Oberhand behalten.

Vergiss die Bad News und freue dich an neuen Bildern aus aller Welt

Terror des «Islamischen Staates»

Gute Frage: Weshalb werden französisch sprechende Muslime öfter radikal als alle anderen?

Link zum Artikel

Intelligent, homophob, autoritätsgläubig: Warum Ingenieure die besten Dschihadisten sind

Link zum Artikel

Nein, Herr Trump, Obama ist NICHT der Gründer des «IS» – aber ganz unschuldig ist er auch nicht

Link zum Artikel

Kein Mensch versteht Syrien, weil alle von Syrien sprechen, aber etwas anderes meinen

Link zum Artikel

Perfide Propaganda: Wie der «IS» mit «JiHotties» und Social Media westliche Frauen fängt

Link zum Artikel

Studie zeigt: So denken Muslime weltweit über den «Islamischen Staat»

Link zum Artikel

Wir sollten uns an den Terror gewöhnen, aber das können wir nicht

Link zum Artikel

Bilal reist in den Dschihad und rechnet dann mit dem «IS» ab – Kurz darauf ist der Deutsche tot

Link zum Artikel

Die vergessenen Jahre des Terrors: In den 70ern und 80ern zogen Terroristen eine Blutspur durch Europa

Link zum Artikel

Ulrich Tilgner: «Saudi-Arabien ist weltweit einer der Hauptunterstützer radikal-islamischer Strömungen»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

68
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
68Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Beobachter24 22.07.2016 23:14
    Highlight Highlight @Peter Blunschi

    Ich finde es gut, dass sie auf die Geschichte zurückblicken mit der Intention die Gegenwart zu verstehen.
    Leider bleiben Sie auf der Oberfläche.

    z.B. Iran:
    Um dessen Geschichte zu verstehen darf man nicht unterschlagen, dass der Schah von der CIA eingesetzt wurde, die den vorher demokratisch gewählten Mossadegh gestürzt hatte. Der dekadente, säkulare Diktator Reza Pahlavi und dessen Unterdrückung der islamischen Traditionen war der Nährboden für die Islamische Revolution.
    Radikaler Islamismus ist oft die Folge verfehlter westlicher Politik und Ressourcen-Raubzüge.

    (t.b.c.)
  • shubeedoo 22.07.2016 19:25
    Highlight Highlight Danke für diesen Artikel! Angst zu haben bei solchen Ereignissen ist eine sehr typische Reaktion, würde niemanden dafür abstrafen. Aber wie man mit dieser Angst umgeht ist umso wichtiger.
  • bangawow 22.07.2016 19:07
    Highlight Highlight Instantradikalisierung? Viele Gewalttaten haben mit Instant zu tun, ist ja nix neues eigentlich.
    • Jol Bear 22.07.2016 20:31
      Highlight Highlight Instantradikalisierung gibt es nicht, das ist höchstens eine bequeme Art, einer gründlichen Analyse der Tatmotive aus dem Weg zu gehen.
    • Peter 22.07.2016 22:47
      Highlight Highlight Diese Analyse überlasse ich jenen, die dafür qualifiziert sind, sprich über die nötigen Informationen verfügen.
  • Mulder 22.07.2016 18:48
    Highlight Highlight Vielen Dank Peter für diesen interessanten Artikel! Tut gut in der momentanen Panikstimmung ein paar intelligente, treffende und irgendwie auch optimistische Worte zu lesen.
    Dank dir habe ich wieder ein paar gute Argumente mehr, mit denen ich diesem unüberlegten Anti-Moslem-Geschrei entgegehalten kann.
    • Peter 22.07.2016 22:46
      Highlight Highlight Solche Komplimente freuen mich besonders, vielen Dank.
  • Ignorans 22.07.2016 17:00
    Highlight Highlight Wer Angst vor so etwas hat, kann das Haus nicht mehr verlassen. Die Anzahl von Gefahren, die wahrscheinlicher sind, ist extrem groß.
  • SolidSnake 22.07.2016 16:25
    Highlight Highlight Vielleicht wurde der iranische Schah auch blos gestürzt, weil er eine amerikanische Marionette war...
  • Gantii 22.07.2016 14:07
    Highlight Highlight mein beileid euch allen die jetzt angst haben.

    kann ich beim besten willen nicht verstehen.

    1. ist die gefahr verschwindend klein von solch einem angriff getroffen zu werden
    2. stirbt man so oder so - auch wenn man im westen lebt!
  • Maett 22.07.2016 13:39
    Highlight Highlight "Uns geht es besser, als unseren Vorfahren." Wirklich? War Europa zur Zeit der EG, der unabhängigen Nationalstaaten und der tiefen Migrationsquote nicht freier, friedlicher und prosperierender?

    Ich kann nichts Gutes daran erkennen, Konflikte anderer Kulturen in unser Land zu holen, um dann hilflos dazusitzen und eben solche Artikel wie diesen zu fabrizieren oder zu lesen.

    Das Mantra der angeblichen Anziehungskraft der westlichen Werte wird uns eben diese Werte kosten; da die Anziehungskraft primär vom Wohlstand ausgeht.

    Leider erfolgt diese Erkenntnis extrem reaktionär. Das macht traurig.
    • DerGrund 22.07.2016 15:26
      Highlight Highlight "Das Mantra der angeblichen Anziehungskraft der westlichen Werte wird uns eben diese Werte kosten; da die Anziehungskraft primär vom Wohlstand ausgeht."

      Das ist die absolute Kernerkenntnis!
    • _kokolorix 22.07.2016 15:30
      Highlight Highlight Hast du ernsthaft das Gefühl wir können zurück in die goldenen 50er Jahre?
      Und ausserdem habe ich den Eindruck das du etwas verklärt in die Vergangenheit schaust. Just in diese Epoche wurde der Begriff 'Terrorismus' doch erst geprägt.
    • Fabio74 22.07.2016 16:33
      Highlight Highlight Die goldenen 50er waren grau,miefig und voller gesellschaftlicher Restriktionen. Wir sind heute freier was wir tun wolen und können. Grössere Auswahl an Möglichkeiten. Wir können uns mehr leisten als je zuvor.
      Das Problem ist für einige, zu viel zu wollen
    Weitere Antworten anzeigen
  • reamiado 22.07.2016 12:57
    Highlight Highlight "Die Verschwörungstheorie, wonach der Putsch von Erdogan inszeniert war, ist dennoch Unsinn."
    Diese unbegründete Aussage schwächt den Artikel, der ansonsten gut geschrieben ist, wobei leider die Rolle der Medien bei der Verbreitung von Angst ausser Acht gelassen wird.
  • Angelo C. 22.07.2016 12:43
    Highlight Highlight Der Artikel hat mir mehrheitlich gefallen, wenngleich nicht in Allem - dulden und tapfer sein, ist mir klar zu wenig...

    Trefflich finde ich die Vergleiche zwischen der Türkei (Atatürk -> Erdogan) und dem Iran (Schah Pahlevi -> Ayatollah Khomeini) : das Rad der Zeit dreht sich im Islam zurück, statt sich zukunftsorientierte Reformen zuzuwenden.

    Der gestern auch in Deutschland geäusserte Vorschlag, künftig gut integrierte ehemalige Flüchtlinge in die Integrationsarbeit einzubeziehen, ist goldrichtig! Sie sprechen dieselbe Sprache, kennen die Mentalität und kulturellen Hintergründe bestens!
  • Colourreader 22.07.2016 12:22
    Highlight Highlight Vielen Dank. Dieser Text tut gut. Eine saubere Analyse, die Zuversicht schafft. Sofern wir als Gesellschaft diesen Weg auch wirklich zu gehen vermögen, und nicht der Angst anheim fallen.
  • Frausowieso 22.07.2016 12:14
    Highlight Highlight Es macht mich traurig, wie sehr mich die aktuelle Situation verändert hat. Ich bin öinks und hatte nie Probleme mit religiösen Menschen. Doch mitlerweile verspüre ich eine tiefe Anlehnung und einen Widerwillen mit konservativen Muslimen zusammen zu leben. Ich meide muslimische Feriendestinationen, grosse Städte und Grossanlässe. Es ist genau das, was die Terroristen wollen. Trotzdem ist die Angst einfach grösser, als der Trotz.
    • phreko 22.07.2016 12:41
      Highlight Highlight Ist sie mathematisch rational? Hast du auch Angst vor Fussgängerstreifen?
    • TheBean 22.07.2016 13:49
      Highlight Highlight Dann solltest du nie mehr in die USA gehen. Dort sterben rund 35'000 Menschen jährlich durch Schusswaffen. Und weltweit sterben rund 30'000 Menschen durch Terrorismus.

      Oh, und aufs Auto solltest du auch verzichten. Die Chance, bei einem Autounfall zu sterben, ist höher, als bei einem Terroranschlag.

      Denk drüber nach. Oder verkriech dich im Bett. Dort ist es auch sicher.
    • ostpol76 22.07.2016 14:00
      Highlight Highlight @pherko
      Ist der Mensch ein rationales Lebewesen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Bobo B. 22.07.2016 12:04
    Highlight Highlight "Unsere westlichen Werte üben trotz aller Rückschläge der letzten Zeit eine grosse Anziehungskraft auf Menschen aus anderen Kulturen aus." Nein lieber Pesche. Es sind mehrheitlich nicht die Werte, sondern die Früchte die aus den Werten entstanden sind, auf die alle scharf sind.
    • Peter 22.07.2016 13:39
      Highlight Highlight Das ist nicht falsch und doch zu simpel. Es wird oft geklagt, dass die stinkreichen Ölscheichs kaum syrische Flüchtlinge aufnehmen. Tatsache ist, dass viele Syrer lieber nach Europa wollen, weil ihnen das freiheitliche Klima besser zusagt als die erstickende Konservativismus am Golf. Umgekehrt müssen wir den Respekt vor unseren Werten auch einfordern, denn viele haben falsche Vorstellungen vom Leben in Europa.
    • Der Zahnarzt 22.07.2016 13:50
      Highlight Highlight @Bobo: Ihre Aussage ist nicht ganz korrekt. Man kann den Wohlstand auch ohne die westlichen Werte der Aufklärung haben. - Siehe China, siehe Singapur. - Es ist eine Illusion zu glauben, der Wohlstand sei einfach eine Folge der Demokratie, Freiheit etc. - Wie Herr Blunschi richtig sagt, ist es die Mischung, die den Westen attraktiv macht. Es wird eine grosse Herausforderung sein, diesen historisch einmaligen Mix zu erhalten.
  • Der Zahnarzt 22.07.2016 11:57
    Highlight Highlight In einem Punkt bin ich nicht ganz überzeugt: Sie schreiben, die westlichen Werte besitzen grosse Anziehungskraft für Menschen aus anderen Kulturen. - Ich glaube,es ist der westliche Wohlstand / Luxus / Überfluss, der ebenfalls grosse Anziehungskraft besitzt, vielleicht sogar die grössere. - M. E. ist auch an der Zeit, dass wir im Westen eine Diskussion darüber führen, was wir eigentlich meinen, wenn wir von Freiheitsrechten etc. sprechen und welche Werte wir als verbindlich für alle betrachten wollen.
    • Peter 22.07.2016 13:29
      Highlight Highlight Ein guter Einwand. Diese Diskussion sollte in der Tat geführt werden. Wer am Wohlstand teilhaben will, muss im Gegenzug zur Beachtung unseres Wertesystems verpflichtet werden. Wobei ich auch hier der Meinung bin, dass Anreize mehr bringen als Kopftuch-, Burka- und sonstige Verbote.
    • Spooky 22.07.2016 16:15
      Highlight Highlight @Peter
      "...muss im Gegenzug zur Beachtung unseres Wertesystems verpflichtet werden." Das ist ein frommer Wunsch! Was in der Realität passiert ist, dass die Muslime dabei sind, uns im Westen zur Beachtung ihres eigenen Wertesystems zu verpflichten. Und zwar radikal. Oder wagt es noch jemand, im Beisein von Muslimen etwas Lustiges über ihren Propheten zu sagen? Oder gar einen derben Witz?
    • Peter 22.07.2016 16:27
      Highlight Highlight @Spooky Nein, kein frommer Wunsch, sondern ein klares Rezept gegen solche defätistischen Ansichten. Wir müssen dafür jene Muslime einspannen, die sich unseren Werten verpflichtet fühlen. Die gibt es sehr wohl. Rund 80 Prozent der Schweizer Muslime gehen selten oder gar nie in die Moschee.
    Weitere Antworten anzeigen
  • ostpol76 22.07.2016 11:53
    Highlight Highlight "Unsere westlichen Werte üben trotz aller Rückschläge der letzten Zeit eine grosse Anziehungskraft auf Menschen aus anderen Kulturen aus."

    Da muss man aber ganz klar dagegenhalten, je mehr Menschen aus anderen Kulturen zu uns kommen, desto mehr verändern sich die westlichen Werte. Und dies nicht unbedingt in eine positive Richtung.

    Die westlichen Werte bleiben nur so lange gut, wenn man diese westliche Kultur auch annimmt und sich anpasst und integriert.
    • Tsunami90 22.07.2016 13:21
      Highlight Highlight Meine Werte nimmt mir kein Migrant weg. Ich sehe das Problem nicht.
    • Anam.Cara 22.07.2016 14:32
      Highlight Highlight @ostpol76: Leben ist Veränderung.
      Schon nur in der kurzen Zeitspanne, die ich aus eigener Erfahrung überblicken kann, habe ich in der Schweiz eine ziemlich starke Veränderung der gesellschaftlichen Werte und Normen erlebt. Mit wenig Einfluss von ausserhalb.

      Wir können die Veränderung mögen oder hassen. Aufhalten können wir sie nicht.


      Wie weiter oben bereits erwähnt, liegt es an uns diese Werte-Diskussion zu führen und festzulegen, welche Werte tatsächlich wichtig und damit unverhandelbar sind.
    • Fabio74 22.07.2016 16:39
      Highlight Highlight Wir müssen für uns unsere Werte diskutieren und behaupten. Aber in den letzten Jahrzehnten ist zu viel Egoismus und Geld in diesen Werten anstatt menschliche Werte.
      Zudem hat jeder individuelle Werte.Und meine sehe ich nicht in Gefahr momentan in der Schweiz.
      Bzw das Erstarken von Faschisten quer durch Europa macht mir ebenso Sorgenfalten wie was im Nahen Osten passiert.
      Europa hat eine Chance jetzt einem gemeinsamen Weg zu gehen,würde der Nationalismus und die Eigeninteressen nicht zu stark sein
    Weitere Antworten anzeigen
  • Sanchez 22.07.2016 11:53
    Highlight Highlight Klar nehmen wir alles viel schneller war in dieser digitalen Welt, umgeben von pushnews und Internet. Klar ist aber auch, dass wir (der Westen) uns diese Probleme selbst ins Haus holen, in dem wir Tür und Tor unkontrolliert offen lassen. Ich muss mich nicht daran gewöhnen, dass sich einer neben mir in der Fussgängerzone in Aarau in die Luft sprengt. Dieser Fanatismus hat hier nichts zu suchen. Und dass es damals Kreuzzüge gab, dafür kann ich auch nichts. Ich bin nicht bereit, diese Zustände zu akzeptieren und lehne es daher auch ab, Angst zuzulassen.
  • Randy Orton 22.07.2016 11:19
    Highlight Highlight Danke, endlich wieder einmal ein tiefgründiger Bericht, der nicht nur an der Oberfläche kratzt und die Probleme präsentiert, sondern auch zum denken anregt und Tatsachen in die richtigen Dimensionen stellt.
  • Luca Brasi 22.07.2016 11:09
    Highlight Highlight Früher war -wie der Autor schreibt- wirklich nicht alles besser. Man hatte Terrorgruppen wie die IRA, RAF, etc., die auch jederzeit zuschlagen konnten. Heute ist die Gesellschaft vernetzter. Das führt dazu, daß Radikale schnell Gleichgesinnte im Netz finden und uns News schneller erreichen.

    Interessant bei Erdogan ist jedoch, daß er nie offenkundig Atatürk ablehnt.

    Die Einschätzung gegenüber Lateinamerika finde ich etwas hart, da es erstens Länder gibt wie Costa Rica, etc., die diese Werte teilen und zweitens auch in europäischen Staaten Werte auf dem Prüfstand stehen (Polen, Ungarn, etc.).
    • Melisa 22.07.2016 11:34
      Highlight Highlight Das Erdogan sich nicht gegen Atatürk äussert stimmt nicht ganz. Er sass sogar wegen einem Gedicht gegen Atatürk im Gefängnis.
    • Luca Brasi 22.07.2016 12:57
      Highlight Highlight Ok, wusst ich nicht. Vielen Dank. Aber er dürfte es schwer haben beispielsweise Statuen oder Bilder von Atatürk zu entfernen, da Atatürk trotz allem noch immer eine äusserst grosse Popularität in der Türkei geniesst.
  • Wilhelm Dingo 22.07.2016 11:08
    Highlight Highlight Warum sollen wir den Terror akzeptieren und damit leben? Wir sollten massiv etwas dagegen tun wie wir auch etwas gegen die Gefahren des Strassenverkehrs tun. Alles andere wäre dumm. Mit ewas tun meine ich aber nicht die dumben rechten Vorschläge.
    • Peter 22.07.2016 11:26
      Highlight Highlight Kleine Korrektur: Ich schreibe ausdrücklich, dass wir den Terror nicht akzeptieren müssen. Das wäre eine Kapitulation. Einige Ansätze, was dagegen zu tun wäre, habe ich geschildert. Im Grundsatz aber sind wir uns einig: Die "Vorschläge" von rechts taugen nichts.
    • Gantii 22.07.2016 14:15
      Highlight Highlight tempolimite und blitzkasten für terroristen?
      oder wie soll das gehen à la strassenverkehr?
    • Wilhelm Dingo 22.07.2016 16:04
      Highlight Highlight @Peter: Das habe ich schon gelesen. Mich stört aber die Stossrichtung und auch der Titel . Wir können viel mehr beeinflussen, dass solches nicht passiert als wir glauben: Integration fördern und verlangen, Chancen und Perspektiven bieten für alle im Land, angemessene Religionsausübung ermöglichen etc. Daneben braucht es natürlich auch angemessene Polizeiliche Massnahmen.
      @Gantii: Es war als Analogie gemeint....
    Weitere Antworten anzeigen
  • Samon B. 22.07.2016 11:00
    Highlight Highlight Toller Text, Merci.
  • walsi 22.07.2016 10:53
    Highlight Highlight Wir Menschen sind schon sonderbar. Wenn es um Terror geht sind wir bereit unsere Freiheit extremst einzuschränken um den Terror zu verhindern und unser Leben zu schützen. An den Orten wo unser Leben viel stärker gefährdet ist als durch den Terror sind wir jedoch nicht bereit Einschränkungen in diesem Ausmass zu akzeptieren. Z.B. der Strassenverkehr. Jedes Jahr sterben mehrere hundert Menschen auf der Strasse. Wenn man aber die Geschwindigkeit stärker beschränken will geht ein Aufschrei durch die Bevölkerung. Dabei würde das erwiesnermassen Menschenleben retten. Mehr als die Terrorbekämpfung.
    • Louie König 22.07.2016 12:17
      Highlight Highlight Das ist leider so. Und der Grund ist relativ einfach. Diese Regeln bekommen eine Grosszahl Menschen direkt zu spüren (also sie müssen ihr Verhalten ändern), darum sind sie gegen Verschärfungen von Verkehrsregeln. Bei der Überwachung ist es abstrakter, die wenigsten können sich etwas Klares darunter vorstellen, hören aber, dass es so mehr Sicherheit gibt.. Leider merken viele erst, dass sie ihr Freiheit aufgegeben haben, wenns zu spät ist.
    • Sir Jonathan Ive 22.07.2016 12:39
      Highlight Highlight Das ist halt so, wenn jeder Terroranschlag wochenlang in allen Medien diskutiert wird, während das selbe bei Autounfällen nur bei Berühmtheiten passiert.

      Wo du aber einen Unterschied anerkennen musst ist, dass Autounfälle Unfälle sind, während Terrorattentate Attentate sind.

      Ich denke aber trotz diesem wesentlichen unterschied, dass in ein paar Jahren sollte es dann zur "Normalität" gehören auch nicht mehr immer berichtet wird, sondern nur wenn ein Promi erwischt wurde.
      Man wird abwarten müssen und sehen was die Zukunft bringt. Währenddessen alles tun um sie friedlicher zu gestalten.

Interview

«96 Prozent der Frauen in unseren Zentren auf Lesbos sind Opfer sexueller Gewalt»

Raquel Herzog ist Gründerin einer NGO, die auf Lesbos und in Athen ein Tageszentrum für Frauen auf der Flucht betreibt. Im Interview erklärt sie, wieso Frauen, die im Lager Moria lebten, besonders auf Unterstützung angewiesen sind und wie es um die aktuelle Lage auf Lesbos steht.

Frau Herzog, vor ein paar Wochen erreichten uns Bilder vom brennenden Camp Moria. Wie ist die Situation auf Lesbos jetzt? Raquel Herzog: Im neu aufgebauten Lager sind bereits 9000 Menschen untergebracht. Währenddessen ist die schweizerische humanitäre Hilfe vor Ort. Sie sorgt sich um die Trinkwasserversorgung.

Wie sind die Bedingungen in den neuen Lagern? Es gibt 37 Toiletten. Ich bezweifle, dass es im neuen Lager ein Abfallkonzept gibt. Zudem …

Artikel lesen
Link zum Artikel