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Raffaela Raab: Das ist die militante Veganerin auf TikTok

Video: instagram/die militante veganerin

Das ist die militante Veganerin, die auf Social Media gerade für Aufregung sorgt

Eine Aktivistin trendet in den sozialen Medien mit ihren provokanten Aussagen. Millionenfach werden die Videos von Raffaela Raab angeschaut. Doch wer ist diese junge Frau, die unter dem Namen «die militante Veganerin» allen Konsumenten von Tierprodukten den Kampf angesagt hat?
02.11.2022, 10:5113.12.2022, 07:48
Kilian Marti
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Die einen verehren sie als «mutige Kämpferin der Tierrechte». Andere nennen sie «die nervigste Veganerin der Welt». Die Rede ist von Raffaela Raab, die in den sozialen Medien unter dem Namen «die militante Veganerin» für Furore sorgt.

Die 26-jährige Österreicherin fällt seit einiger Zeit durch ihre Videos über Tierrechte auf. Über 100 Millionen Aufrufe verzeichnet sie allein auf ihrem TikTok-Profil «die militante Veganerin 3». Ihr Username ist Programm: Raabs grosses Anliegen – Veganismus – propagiert sie in ihren Videos kompromisslos. Egal, ob bei Passanten an öffentlichen Orten oder direkt bei den Nutzern vor dem Smartphone: Sie spricht an, was sie denkt.

«Solange du nicht vegan lebst, bist du eine Tierschänderin», meinte sie etwa zu einer jungen Frau auf offener Strasse. «Wer Fleisch isst, ist ein Mörder», stellte sie in einem anderen Video klar. Und: «Veganer sind die besseren Menschen.»

Aktivistin für die Tiere: Die militante Veganerin, Raffaela Raab, aus Österreich.
Demonstration gegen Speziesismus: die militante Veganerin in Aktion.Bild: zVg/screenshot instagram

Einmal benutzte sie sogar ein Megafon, um einem kleinen Kind zu sagen: «Du isst gerade ein Tier, das wegen deinen Eltern getötet wurde, die dafür bezahlt haben. Sie werden dir beibringen, dass es in Ordnung ist, Tiere zu ermorden, damit wir ihre Leichenteile essen können.»

So provoziert die militante Veganerin auf Social Media:

Video: instagram/die militante veganerin

«Kuh wird vergewaltigt»

Vor solchen Aktionen scheut sich die Aktivistin nicht. Sie kritisiert alle, die nicht ihre Ansicht teilen. Sogar Vegetarier, die sich als tierlieb bezeichnen, seien Tierschänder und Heuchler, wie sie in ihren Videos oft klarstellt. Im Gespräch mit watson erklärt sie, warum: «Eine Kuh, die Milch produziert, macht das für ihr Kalb. Die Kuh wird durch Menschenhand vergewaltigt und penetriert, damit sie schwanger wird. Dann nimmt man ihr das Kalb weg, um die Milch selbst zu trinken.»

Raabs Aktivismus richtet sich vor allem gegen den Speziesismus, welchen sie bekämpfen will. Ein Speziesist ist jemand, der die Menschen gegenüber anderen Arten als überlegen empfindet und sich berechtigt fühlt, diese nach dem eigenen Gutdünken zu behandeln.

«Es geht um die Grundrechte von fühlenden Personen, um unabhängig von der Spezies nicht versklavt zu werden», erklärt Raffaela Raab ihren Aktivismus. Für sie liege dem Speziesismus das gleiche Gedankengut zugrunde wie dem Rassismus.

Ihre Wortwahl stösst dabei immer wieder auf Unverständnis bei den TikTok-Usern. Nicht selten nutzt Raab sogar Nazi-Vergleiche und nennt die Massentierhaltung etwa Konzentrationslager. Ihre Art bleibt auch bei Instagram und TikTok nicht unbemerkt. Wegen Verstössen gegen die Richtlinien wurden ihre TikTok-Profile bereits zweimal von der Videoplattform gelöscht, ihr Instagram-Konto einmal.

Doch so schnell gibt sich Raffaela Raab nicht geschlagen. «Wenn ein Profil weg ist, erstelle ich einfach ein Neues», sagt die Aktivistin. Über 200'000 Menschen folgen der «militanten Veganerin 3» auf TikTok. Ihre erfolgreichsten Videos wurden über 8 Millionen Mal angeschaut. Diese riesige Reichweite ist erstaunlich, da Raab bis vor einem Jahr noch praktisch unbekannt war.

Von der Teilzeit-Veganerin zur militanten Veganerin

Ihr einziger öffentlicher Auftritt, bevor sie die militante Veganerin wurde, war Anfang 2020 in der österreichischen TV-Show «2 Minuten 2 Millionen». In der Sendung erhalten Jungunternehmer die Chance, in zwei Minuten ihre Geschäftsidee vorzustellen. Danach geht es in die Fragerunde. Wer dabei brilliert, dem winkt eine Investition durch ein Jury-Mitglied.

Die militante Veganerin im TV

Für Raffaela Raabs Präsentation ihres Produkts «Koalaa», einer Wärmflasche zum Umbinden, erhielt sie 50'000 Euro von der Investorin Katharina Schneider. Im 15-minütigen TV-Auftritt ist aber noch keine Spur einer militanten Veganerin zu erkennen. Raab gibt sich im Fernsehen ruhig, professionell und sachlich. Wann kam also der Wandel, dass aus der vermeintlich angehenden Unternehmerin eine knallharte Aktivistin entstanden ist?

Erst ab ihrem 19. Lebensjahr dachte Raab darüber nach, vegan zu leben. «Ich war ein typisches Mädchen, das von den sozialen Medien geprägt wurde und schlank und hübsch sein wollte», erinnert sie sich zurück. Als angehende Medizinstudentin habe sie realisiert, dass eine vegane Ernährung viele Vorteile bringe, um ihre optischen Ziele zu erreichen.

«Von da an nannte ich mich bereits Veganerin, obwohl ich mich nur zu 90 Prozent so ernährte», gesteht die Aktivistin. Ausnahmen habe sie immer dann gemacht, sobald sie bei Freunden eingeladen war oder gerade Lust auf ein Tierprodukt hatte. Von einer militanten Veganerin war sie damals noch meilenweit entfernt. Doch von einem Moment auf den nächsten sollte sich dies für die Österreicherin ändern.

Aktivistin für die Tiere: Die militante Veganerin, Raffaela Raab, aus Österreich.
Fast täglich auf der Strasse für ihre Sache: Aktivistin Raffaela Raab.Bild: zVg/screenshot instagram

Sektenführerin für die eigene Mutter

«Ich wurde über Nacht zur Aktivistin», erzählt Raab. Alles habe am Abend nach ihrem letzten Staatsexamen als Ärztin begonnen – kurz vor ihrem 25. Geburtstag. Sie erinnert sich: «Wir spielten in versammelter Runde ein Spiel. Die Aufgabe lautete: Wenn du ein Politiker wärst, welche eine Sache würdest du verbieten?»

Ihre Antwort, Tierprodukte, stiess in der Gruppe auf viel Widerstand und Ablehnung. Sie wolle anderen vorschreiben, wie sie zu leben hätten, lautete der Tenor. Und dies, obwohl sie selbst nicht zu 100 Prozent vegan lebe.

«Ich fühlte mich wie eine Heuchlerin», erzählt Raab. In diesem Moment habe es bei ihr «Klick gemacht». Wenige Tage später stand sie bereits zum ersten Mal für Tierrechte auf der Strasse, um Passanten aufzuklären – die Geburtsstunde der militanten Veganerin. Das war im Dezember 2020.

Von da an wurde der Aktivismus in Raabs Leben stetig zentraler und radikaler. Sogar ihr Umfeld veränderte sich. «Alle meine Freunde sind Aktivisten. Ich kann mit Menschen nichts anfangen, die dieser Thematik nicht ihr Herzblut widmen», sagt die militante Veganerin konsequent.

Verständnis für ihren Aktivismus würden die wenigsten aufbringen können, mit denen sie früher ihre Zeit verbracht hätte. Sogar die eigene Familie: «Für meine Mutter bin ich eine Extremistin und Sektenführerin», sagt Raab etwas bedrückt. Sie habe jedoch ihre selbst gewählte Aktivistenfamilie, auf deren Unterstützung sie zählen könne.

Aktivistin für die Tiere: Die militante Veganerin, Raffaela Raab, aus Österreich.
Will sich in Zukunft noch mehr dem Aktivismus widmen: Aktivistin Raffaela Raab.Bild: zVg/screenshot instagram

Vordergründig ist die militante Veganerin aber eine One-Woman-Show. Diesen Umstand haben sich in der Vergangenheit schon ein paar Halbstarke zunutze gemacht, die sich von Raabs Aussagen getriggert fühlten. So wird die Aktivistin regelmässig auf offener Strasse übelst beleidigt. Auch Schläge kassierte sie schon. Nicht zuletzt werfen Leute Eier nach ihr oder stehlen ihre Kamera.

«Diese Angriffe werden zunehmen», ist die militante Veganerin überzeugt. Für sie sei das aber auch ein Zeichen des Erfolgs. «Wenn ich mit meinem Aktivismus keine Emotionen heraufbeschwöre, macht alles keinen Sinn», sagt Raab.

Und sie sei überzeugt, dass alle Vorreiter von vergangenen Gerechtigkeitsbewegungen sozialen oder polizeilichen Repressionen ausgesetzt waren. Ob Geldstrafen, Hängungen, Köpfungen oder «wenn man ans Kreuz genagelt wird», sagt die Aktivistin. Dass sie sich damit mit Jesus vergleicht, ist der militanten Veganerin vermutlich nicht bewusst.

Gesetze für die Tiere

Die Ärztin und Tierrechtsaktivistin lebt extrem. Um ihre «Herzenssache» zu betreiben, hat sie sich ein Jahr freigenommen, und von ihrem Ersparten gelebt. Seit drei Monaten arbeitet Raab nun wieder Vollzeit als Pathologin in einem Spital in Oberösterreich. Bald möchte sie ihr Pensum zurückschrauben, um sich noch mehr dem Aktivismus zu widmen.

Militante Veganerin Raffaela Raab
«Weder Frauen noch Tiere sind Objekte»: Aktivistin Raffaela Raab.Bild: zVg/screenshot instagram

Militant will sie dabei aber nicht vorgehen. «Der User-Name war immer ein Scherz, da sowieso alle Veganer als militant, radikal oder extremistisch bezeichnet werden», sagt Raab lachend. Umso mehr treffe sie aktuell eine Strafanzeige, die ihr genau dieses Verhalten vorwerfe. «Ich soll 5000 Euro bezahlen, weil ich angeblich die Scheibe einer Metzgerei eingeschlagen haben soll», erklärt die Aktivistin. Im Dezember sei die Verhandlung dazu und Raab rechnet sich gute Chancen aus.

«Ich bewege mich immer im legalen Bereich», sagt die militante Veganerin. Auf diese Weise möchte sie mit ihren Videos in den sozialen Medien weiterhin Aktivismus betreiben. Ihr Traum sei es, eine Generation dazu zu bringen, die Behandlung von Tieren zu überdenken und die Diskriminierung abzulegen.

«Ich hoffe, bis in fünf oder zehn Jahren gibt es die ersten Gesetze, was die Aufhebung des Objektstatus von Tieren betrifft», sagt sie. Solange dies noch nicht passiert sei, werde sie weiterhin die militante Veganerin bleiben und Leute auf offener Strasse ansprechen mit: «Lebst du schon vegan oder noch brutal?»

Aktivistin für die Tiere: Die militante Veganerin, Raffaela Raab, aus Österreich.
Bleibt vorerst die militante Veganerin: Raffaela Raab.Bild: zVg/anton.lichtenberger
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Einmaliger Gebrauch: Militante Veganerin

Video: instagram

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629 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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SUV-Fahrer
02.11.2022 11:18registriert Januar 2020
Finde das jetzt nicht ganz abwägig - ich esse Fleisch mit Genuss - werde aber je länger desto mehr nachdenklich. Dass die Massentierhaltungsinitiative abgelehnt wurde bedauere ich zu tiefst. Ich denke tierische Eiweisse gehören zu unsere Nahrung. Aber man kann und muss den Tieren ein würdiges Leben bereiten. Vorallem was bei den Schweinen abgeht - auch in der Schweiz - ist eine Katastrophe. Wenn immer möglich kaufe ich Bio. Gibt es dieses nicht, kaufe ich kein Fleisch. Leider ist aber das Bio Label auch kein Garant für das Tierwohl. Hoffe sehr, dass dieser Missstand beseitigt wird.
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Grischa Buab
02.11.2022 11:27registriert April 2015
Einmal mehr. Extrem ist nie gut. Egal in welche Richtung.
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A6524
02.11.2022 11:20registriert Mai 2021
Die Ernährungsweise hat rein gar nicht mit Gesinnung zu tun. Ein Veganer kann SP wählen, eine Veganerin kann Rassistin sein. Ein Veganer kann Antisemit sein. Eine Veganerin kann sogar Deine unauffällige Nachbarin sein.
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