DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Türkische Lira sinkt auf Rekordtief – und jetzt treten die US-Sanktionen erst in Kraft

13.08.2018, 04:0813.08.2018, 09:05

Die türkische Lira kriselt: Am Freitag hat sie das Rekordtief von 7.24 zum Dollar erreicht, heute wurde sie im fernöstlichen Devisenhandel mit 6.9850 zum Dollar gehandelt.

Nun will die türkische Regierung die Finanzmärkte mit einem Aktionsplan beruhigen. «Von Montagmorgen an werden unsere Institutionen die notwendigen Schritte unternehmen und dies den Märkten mitteilen», sagte Finanzminister Berat Albayrak in einem Interview mit der Zeitung «Hürriyet».

Finanzminister – und Schwiegersohn von Erdogan: Berat Albayrak
Finanzminister – und Schwiegersohn von Erdogan: Berat AlbayrakBild: AP/AP

Die Bankenaufsicht teilte zudem in der Nacht zu Montag mit, die Swapgeschäfte der Banken mit ausländischen Investoren würden auf 50 Prozent ihres Eigenkapitals begrenzt. Das gelte auch für das Spot- und Termingeschäft. 

Finanzminister Albayrak, der Schwiegersohn von Präsident Recep Tayyip Erdogan, sagte der «Hürriyet», der Aktionsplan für Banken und Realwirtschaft sowie die einzelnen Massnahmen seien vorbereitet und fertig. Sie richteten sich auch an kleine und mittlere Unternehmen, die von Währungsschwankungen am stärksten betroffen seien. Zu Details des Plans sagte Albayrak nichts. Die Schwäche der Lira nannte er aber einen Angriff.

Präsident sieht Verschwörung

Ähnlich hatte sich bereits Erdogan zuvor geäussert. Am Wochenende bezeichnete er den Kursverfall der Lira als «Raketen» in einem Wirtschaftskrieg gegen sein Land. Der Weg aus der «Währungsverschwörung» bestehe darin, die Produktion zu steigern und die Zinsen zu senken. Erdogan hat sich selbst wiederholt als «Gegner der Zinsen» bezeichnet und angekündigt, eine grössere Kontrolle über die Geldpolitik auszuüben.

«Was ist der Grund für diesen Sturm im Wasserglas? Es gibt keinen wirtschaftlichen Grund dafür»
Recep Tayyip Erdogan

Er will, dass die Banken billige Kredite vergeben und so das Wirtschaftswachstum ankurbeln. Anleger befürchten jedoch, dass es zu einer Überhitzung kommen könnte. Der Präsident hat auch mehrfach seine Landsleute aufgerufen, ihre Dollar- und Euro-Guthaben in die heimische Währung umzutauschen.

Erdogan bei einer Rede am Samstag in Ordu.
Erdogan bei einer Rede am Samstag in Ordu.Bild: AP/Pool Presidential Press Service

Am Sonntag bestritt Erdogan in einer Rede vor Anhängern in Trabzon am Schwarzen Meer, dass die Türkei in einer Finanzkrise wie der in Asien von zwei Jahrzehnten stecke. Der Verfall der Lira sei das Ergebnis eines Komplotts und spiegele nicht die wirtschaftlichen Fundamentaldaten des Landes wider. «Was ist der Grund für diesen Sturm im Wasserglas? Es gibt keinen wirtschaftlichen Grund dafür», sagte Erdogan. «Das ist das, was man eine Operation gegen die Türkei nennt.»

Die Lira hat seit Jahresbeginn mehr als 45 Prozent ihres Wertes verloren. Allein am Freitag hatte sie 18 Prozent eingebüsst und war auf ein Rekordtief von 7.24 zum Dollar gefallen. Es war der grösste Verlust an einem einzigen Tag seit dem Jahr 2001.

Ein wesentlicher Grund dafür sind Befürchtungen, Erdogan, der seit einer Verfassungsänderung mit grosser Machtfülle ausgestattet ist, könnte sich massiv in die Wirtschaft und die Währungspolitik einmischen. So wächst die Besorgnis, dass die Notenbank ihre Unabhängigkeit verliert. Zudem liegt Erdogan mit dem Nato-Partner USA bei mehreren Themen über Kreuz, darunter die unterschiedlichen Interessen im Syrien-Konflikt.

Verdopplung von Zöllen

Hinzugekommen ist der Streit wegen des in der Türkei festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson. Türkische Ermittler werfen ihm Verbindungen zu dem in den USA lebenden Geistlichen Fethullah Gülen vor, der nach Darstellung der Regierung in Ankara hinter dem Putschversuch vor zwei Jahren steckt.

Am Freitag hatte US-Präsident Donald Trump eine Verdoppelung der Sonderzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei angeordnet. Erdogan drohte daraufhin mit einer wirtschaftlichen und politischen Abkehr vom Westen und kündigt eine stärkere Hinwendung zu Russland, China und der Ukraine an.

Die Türkei habe Alternativen, schrieb Erdogan in einem Meinungsartikel in der «New York Times» vom Wochenende. Wenn die USA die Souveränität der Türkei nicht respektierten, könne die Partnerschaft in Gefahr geraten. Dann könne es für die Türkei nötig werden, sich «nach neuen Freunden und Verbündeten umzuschauen». (sda/reu)

Der türkische Präsident wollte eigentlich Fussballer werden

Video: srf
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

38 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Stanley Ipkiss
13.08.2018 06:39registriert November 2017
Natürlich ist eine Verschwörung aus dem Ausland schuld und Allah wird Ihnen aus der Krise helfen... Türkei wach bitte auf!
40128
Melden
Zum Kommentar
avatar
Nelson Muntz
13.08.2018 08:43registriert Juli 2017
Erdogan fährt die Türkei ungebremst an die Wand und seine Lemminge jubeln ihm dabei zu 🤦🏻‍♂️
2566
Melden
Zum Kommentar
avatar
Eine_win_ig
13.08.2018 07:20registriert Dezember 2016
Erdi versteht die Wirtschaft nicht. Aber Hauptsache, sein Schwiegersohn hat einen Ministerposten, Erdi die ganze Macht... aber hey, Allah wirds schon richten...
2109
Melden
Zum Kommentar
38
Australiens neuer Premier Anthony Albanese vereidigt

Der australische Wahlsieger Anthony Albanese ist als 31. Premierminister des Landes vereidigt worden. Nur zwei Tage nach der Abstimmung legte der 59 Jahre alte Labor-Chef am Montag vor Generalgouverneur David Hurley seinen Amtseid ab. Mit ihm wurden in Canberra mehrere Minister des neuen Kabinetts vereidigt, darunter die neue Aussenministerin Penny Wong. Allerdings ist die Auszählung der Stimmen noch immer nicht beendet, und es ist weiter offen, ob Albanese mit absoluter Mehrheit regieren kann oder auf die Stimmen anderer Parteien angewiesen sein wird.

Zur Story