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Putin wirft weiter Bomben auf die Süd-Ukraine – Selenskyj reagiert mit deutlichen Worten

Am Freitag schlossen die Ukraine und Russland ein Abkommen über Getreide-Ausfuhren. Die Bombardements auf den Süden des Landes gingen aber auch am Dienstag weiter.
26.07.2022, 19:3326.07.2022, 22:22

Am Freitagabend unterzeichneten Russland und die Ukraine ein Abkommen, das die sichere Ausfuhr von Getreide aus den ukrainischen Häfen ermöglichen soll. Für kurze Zeit kam etwas Zuversicht auf. Uno-Generalsekretär Antonio Guterres sprach von einem «Hoffnungsschimmer», der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sagte, die Vereinbarung werde «hoffentlich den Weg zum Frieden wiederbeleben».

Doch die Tinte unter dem Getreide-Abkommen war noch nicht einmal trocken, da feuerte Russland bereits die nächsten Bomben auf die Süd-Ukraine ab. Schnell wich die Zuversicht der Besorgnis.

Denn die Russen attackierten mit Odessa einer der drei Orte, von denen die Schiffe bald losfahren sollen. Die anderen beiden Häfen befinden sich in den nahegelegenen Ortschaften Tschornomorsk und Juschny. Sie alle dürfen gemäss Abkommen nicht beschossen werden.

Zunächst wies Russland die Verantwortung für den Raketenangriff von sich. Erst am Sonntag räumte Moskau den Beschuss des Hafens von Odessa ein. Die Raketen seien auf ein Schiffsreparaturwerk abgefeuert worden, teilte das russische Verteidigungsministerium mit. Man habe ein ukrainisches Kriegsschiff mit Harpoon-Raketen zerstört, die von den USA geliefert worden seien.

Ukrainische Feuerwehrleute löschen ein Feuer im Hafen von Odessa, nachdem dieser von Russland beschossen wurde.
Ukrainische Feuerwehrleute löschen ein Feuer im Hafen von Odessa, nachdem dieser von Russland beschossen wurde.Bild: keystone

Werden die Schiffe trotzdem ablegen können?

Seither stellt sich die Frage, ob die Schiffe mit dem Getreide wirklich bald die ukrainischen Häfen verlassen können. Ein Sprecher der Uno sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass es trotz der Raketen-Angriffe bald losgehen könne. «Wir erwarten, dass sich das erste Schiff innerhalb der kommenden Tage bewegen kann.»

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj machte derweil deutlich, dass er den Verträgen mit Russland nicht zu viel Bedeutung beimisst. Nach den Angriffen auf Odessa meinte er: «Wenn irgendjemand auf der Welt früher gesagt hat, dass es notwendig ist, mit Russland in Dialog zu treten, Vereinbarungen zu treffen über eine Waffenruhe, ohne unser Gebiet von den Besatzern zu befreien, dann haben die heutigen Raketen die Möglichkeit solcher Aussagen zerstört.»

Anders klingt es von russischer Seite. Laut offizieller Verlautbarungen ist man weiterhin gewillt, die Getreideausfuhren in die Praxis umzusetzen. Dafür werde eine russische Delegation am Dienstag in Istanbul eintreffen, so das russische Verteidigungsministerium. In einem Kontrollzentrum sollen Russen, Türken, Ukrainer und Vertreter der Vereinten Nationen für die Sicherheit der Schiffe sorgen.

Sergej Laworow in der Republik Kongo: Der russische Aussenminister will weiter Raketenangriffe auf den Süden der Ukraine durchführen.
Sergej Laworow in der Republik Kongo: Der russische Aussenminister will weiter Raketenangriffe auf den Süden der Ukraine durchführen.Bild: keystone

Aussenminister Sergej Lawrow sagte am Montag während seiner Afrikatour in der Republik Kongo, dass von russischer Seite der Erfüllung der Vereinbarung nichts im Wege stehe. Die Raketen in Odessa seien im militärischen Teil des Hafens eingeschlagen, diese würden sich in «bedeutender Entfernung» der Getreidesilos befinden.

Glechzeitig machte Lawrow deutlich, dass trotz des Abkommens weitere Raketenschläge folgen könnten. Man sei in Istanbul keinerlei Verpflichtungen eingegangen, «die es uns verbieten würden, die militärische Spezialoperation fortzusetzen und die militärische Infrastruktur und andere militärische Ziele zu zerstören». Russland nennt den Angriffskrieg gegen die Ukraine nur «militärische Spezialoperation».

Weitere Bombardements auf den Süden

Dass Russland trotz des Abkommens nicht von weiteren Raketenschlägen zurückschreckt, zeigte sich auch am Dienstag. Das ukrainische Kommando Süd liess verlauten, dass die Russen einen «massiven Raketenangriff» auf die Süd-Ukraine gestartet habe. Gemäss ukrainischen Angaben wurden 18 Raketen auf die Region Mykolajiw abgefeuert, auf die Region Odessa deren 13. Unabhängig überprüfen liessen sich diese Angaben zunächst nicht.

Selenskyj veröffentlichte am Dienstag ein Video, das die Ortschaft Zatoka nach einem Raketenangriff der Russen zeigen soll. Zatoka gilt als eine der beliebtesten Feriendestinationen für Ukrainer am Schwarzen Meer. Sie liegt nur etwa 30 Kilometer vom Hafen in Tschornomorsk entfernt, von wo bald Schiffe mit Getreide loslegen sollen. Im Video sind brennende Ruinen und zerstörte Häuser zu sehen.

Feriendestination Zatoka von russischen Raketen zerstört:

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In Zatoka hätten sich keine Militärbasen und keine Truppen befunden, schrieb Selenskyj dazu. Nur Menschen, die sich dort ausgeruht hätten. Nur die russischen «Terroristen» hätten schiessen wollen, so der ukrainische Präsident. Er versicherte: «Sie werden für alles bestraft werden. Jeder von ihnen.»

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36 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Majoras Maske
26.07.2022 20:02registriert Dezember 2016
Liebe Russen, je unglaubwürdiger und kaltblütiger ihr seid, desto härter werden vielleicht die Friedensbedingungen im Falle einer Niederlage. Vielleicht in Form von Pufferstaaten, damit euer unheilvoller Einfluss vom Schwarzen Meer / der Ostsee beendet ist.
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Steibocktschingg
26.07.2022 21:57registriert Januar 2018
Und wieder einmal mehr: Verträge mit Russland sind nicht mal das Papier und die Tinte wert, die für sie verschwendet werden.

Ist das nicht langsam jedem klar?
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Die Realität01
26.07.2022 22:20registriert März 2022
Nur absolute isolation von Russland wird helfen, kein Handel, keine Gespräche, keine Visas, absolut nichts... wir machen uns nur lächerlich.. und sehen peinlich schwach aus... wenn wir weiter so unglaublich naiv versuchen , irgendwie etwas zu verhandeln.. wenn die Russen klar zeigen was sie von uns und unseren Werten halten.. nicht vergessen, die Russen sind verantwortlich für 50.000 tote..
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