Es gibt ein «heikles Thema» – das kam beim Gespräch zwischen Trump und Selenskyj raus
Der amerikanische Präsident hat sich am Sonntag zuversichtlich gezeigt, dass der Krieg in der Ukraine bald beendet werden könne. Beide Konfliktparteien hätten ein Interesse daran, die Kampftätigkeiten einzustellen, sagte Donald Trump in Palm Beach (Florida) nach einem stundenlangen Gespräch mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in seiner privaten Residenz Mar-a-Lago. «Wir kommen der Sache immer näher», sagte der amerikanische Präsident über ein Ende des Krieges, der seit fast vier Jahren tobt.
Die Unterredung mit Selenskyj, die den ganzen Nachmittag über gedauert hatte, sei «exzellent» und «hervorragend» gewesen, sagte Trump an einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seinem ukrainischen Amtskollegen. Selenskyj äusserte sich ähnlich zufrieden über die gemachten Fortschritte. Er sagte, dass die beiden Delegationen «sämtliche Aspekte» des Ukraine-Friedensplans diskutiert hätten, der nun 20 Punkte umfassen soll.
Fast alle militärischen Knackpunkte seien gelöst, sagte der Ukrainer sinngemäss; so seien sich die Ukraine und die USA einig über die Sicherheitsgarantien für das osteuropäische Land geworden. Verhandelt werden müsse nun noch über die Rolle, die Europa künftig spielen solle.
Russland will keine temporäre Waffenruhe
Einige offene Fragen scheint es auch noch über die territorialen Konzessionen Kiews zu geben. «Das Land» sei ein «heikles Thema», sagte Trump, als er über die Zukunft des Donbass gefragt wurde. Selenskyj wiederum sagte, dass der Positionsbezug der Ukraine bekannt sei und er nicht selbständig über Gebietsabtretungen entscheiden könne.
In den Augen des Kremls sind allfällige territoriale Konzessionen der Ukraine die Achillesferse des Friedensplans. Wladimir Putin sprach sich deshalb am Sonntag, in einem Telefongespräch mit Trump, für eine «unverzügliche» Entscheidung der Ukraine in Bezug auf den Donbas aus, wie sein Berater Juri Uschakow später rapportierte.
Und weiter sagte Uschakow: Eine temporäre Waffenruhe, während der die Ukraine ein Referendum über die Zukunft des Donbas organisieren könnte, sei nicht im Interesse von Putin. Trump stimmte ihm in diesem Punkt zu: Er teile die Angst Putins, dass die Kämpfe wieder aufflammen könnten. Dies müsse aber nicht das Ende der Hoffnungen auf einen Frieden bedeuten, sagte der Amerikaner auch. Vielleicht gebe es einen Weg, die Bedenken Putins zu umgehen.
Für einmal scheint es dem russischen Präsidenten also nicht gelungen zu sein, Trump vor einem wichtigen Gespräch mit Selenskyj vollständig von den russischen Positionsbezügen zu überzeugen. Aber dennoch überschüttete der amerikanische Präsident den russischen Herrscher erneut mit Lob. So sagte er über Putin, der seit fast vier Jahre Krieg gegen die Ukraine führt: «Russland möchte, dass die Ukraine erfolgreich ist.» Trump räumte immerhin ein, dass dies etwas seltsam klingen möge.
Auch behauptete Trump, dass Putin sich in seiner Haltung gegenüber dem Erfolg der Ukraine «sehr grosszügig» gezeigt habe und unter anderem die Lieferung von Strom zu tiefen Preisen zugesichert habe. Selenskyj quittierte diese Aussagen, in dem er vor den Medienschaffenden das Gesicht verzog.
Trump plante am Sonntagabend eine weitere Telefonunterhaltung mit Putin. Die erste soll gemäss Trump zweieinhalb Stunden gedauert haben. Der Kreml sprach von 75 Minuten.
Europäische Verbündete im Januar wieder in Washington
Die EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die zusammen mit einer Reihe von westlichen Staats- und Regierungschefs von Trump und Selenskyjüber die Gespräche informiert worden war, zeigte sich am Sonntag in einer Stellungnahme zufrieden über die gemachten Fortschritte. «Von entscheidender Bedeutung» sei es nun, dass die Ukraine vom ersten Tag an «unerschütterliche Sicherheitsgarantien» habe, sagte sie in einer Stellungnahme.
Selenskyj hatte zuvor angekündigt, die europäischen Verbündeten der Ukraine würden wohl im Januar in Washington erneut mit Trump zusammentreffen, um den Friedensplan zu finalisieren. Trump verteilte Komplimente an die europäischen Staats- und Regierungschefs. «Wir wollen mit Europa zusammenarbeiten», und Europa werde den grössten Teil der anstehenden Arbeit übernehmen, sagte der amerikanische Präsident. (aargauerzeitung.ch)
