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Anti-Narcotics police keep guard of a coca field as a plane fumigates the crops in Tumaco, some 360 miles southwest of Bogota, Colombia in this Sept. 12, 2000, photo.  A linchpin of the war on drugs is failing, according to key members of Congress. Despite record aerial spraying, coca cultivation in Colombia rose 26 percent last year. Even accounting for improved data gathering, the U.S.-backed Plan Colombia is far from meeting its original goal of halving coca production. From the halls of Congress to the editorial page of Bogota's main daily, pressure is mounting for the U.S. to change course (KEYSTONE/AP Photo/Scott Dalton)

Der Krieg gegen die Drogen hat sich als gigantische Fehlstrategie erwiesen, jetzt sollen Alternativen her – Narcs, Anti-Drogen-Polizisten, auf einer Coca-Plantage in Tumaco, Kolumbien.  Bild: AP

Die Bilanz von 40 Jahren «War on Drugs»: Zehntausende Tote, Millionen Süchtige, Milliarden-Gewinne für die Mafia

Der «Krieg gegen die Drogen» der vergangenen Jahre hat sich als teuer und ineffizient herausgestellt. Nun berät die Weltgemeinschaft über eine neue Linie in der Drogenpolitik.



Bei der Sondervollversammlung der Vereinten Nationen (UNGASS) vom 19. bis 21. April in New York könnte es zu einem radikalen Kurswechsel in der internationalen Drogenpolitik kommen. Vor allem die von der organisierten Kriminalität besonders betroffenen Länder Lateinamerikas dringen auf eine neue Strategie.

Seit den 1970er Jahren versucht die Weltgemeinschaft, dem Problem der Drogenkriminalität mit einer militärisch-repressiven Strategie Herr zu werden. Vor allem die USA haben Milliarden Dollar in den Kampf investiert – mit kaum messbarem Erfolg.

Korruption, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen

In Mexiko befeuert das schmutzige Drogengeld einen Krieg zwischen den Verbrechersyndikaten und staatlichen Sicherheitskräften mit bislang mehr als 100'000 Toten, in Afghanistan finanzieren sich die radikal-islamischen Taliban mit Opiumhandel und in Kolumbien halten die Kokain-Gewinne einen Konflikt am Leben, der ideologisch eigentlich längst erledigt ist.

«Wir brauchen ein neues Paradigma, das den Fluss von Ressourcen ins organisierte Verbrechen stoppt.»

Die mittelamerikanischen Jugendbanden – so genannte Maras – haben Guatemala, El Salvador und Honduras in wahre Schlachtfelder verwandelt. «Massive Korruption, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen sind die Konsequenzen eines zu häufig militarisierten Ansatzes», schreiben die Analysten des Forschungsinstituts Crisis Group.

Drei Jahre früher als vorgesehen haben Mexiko, Kolumbien und Guatemala die Sondersitzung beantragt. «Die Überprüfung des bisherigen Ansatzes kann nicht weiter aufgeschoben werden», erklärten die drei Länder. «Wir brauchen ein neues Paradigma, das den Fluss von Ressourcen ins organisierte Verbrechen stoppt.»

TO GO WITH STORY TITLED SELLING THE DRUG WAR-- A Jamaican worker watches as marijuana burns during a crop eradication in Hanson, 70 miles outside of Kingston, Jamaica, Nov. 1, 2000. The eradication was part

Kontrollierte Cannabis-Zerstörung in Jamaica.
Bild: AP

Prohibition nicht zielführend

Lange galt: Die Produktion von Drogen muss in den Anbauländern gestoppt werden, Drogenhändler sind zu jagen und Konsumenten sind Kriminelle. Die Erfahrung allerdings zeigt, dass der repressive Ansatz nicht funktioniert.

«Wir müssen Alternativen zu Freiheitsstrafen für geringfügige Vergehen wie Drogenbesitz suchen und den Zugang zu Drogen für medizinische Zwecke sicherstellen»

Die Drogenprohibition treibt die Preise für Drogen und damit die Gewinne der Verbrechersyndikate in die Höhe. Wird ein Kartellboss geschnappt, rückt sofort ein Nachfolger an seine Stelle. Und in den USA beispielsweise hat die harte Linie dazu geführt, dass die Gefängnisse voll mit Leuten sind, die nur wegen Drogenbesitzes einsitzen.

«Wir müssen Alternativen zu Freiheitsstrafen für geringfügige Vergehen wie Drogenbesitz suchen und den Zugang zu Drogen für medizinische Zwecke sicherstellen», sagt der Chef des UNO-Büros für Drogen- und Kriminalitätsbekämpfung, Juri Fedotow. «Wir müssen die Menschen in den Fokus rücken.»

Unterschiedliche Politiken

People participate in the so-called

Uruguayer feiern die «last demonstration with illegal marihuana» im Jahr 2013 – mittlerweile ist der Eigenkonsum in dem lateinamerikanischen Land nicht mehr verboten. Bild: ANDRES STAPFF/REUTERS

Zudem hat sich die Drogenpolitik weltweit extrem auseinander bewegt. Während in Uruguay Marihuana mittlerweile unter staatlicher Aufsicht angebaut und vertrieben wird, immer mehr US-Bundesstaaten Cannabis legalisieren und zahlreiche europäische Länder zumindest bei weichen Drogen einen eher liberalen Ansatz verfolgen, werden in Südostasien und im arabischen Raum immer noch Drogenschmuggler hingerichtet.

Experten hoffen nun, dass sich die Weltgemeinschaft bei der Sondersitzung in New York auf eine gemeinsame Linie verständigt.

Die USA – lange der Hardliner im Anti-Drogenkampf – haben zumindest ihre Mitverantwortung für die brutalen Verteilungskämpfe in Lateinamerika anerkannt. An der Grenze zu Mexiko läuft Tag für Tag ein perverses Tauschgeschäft: Drogen werden nach Norden geschmuggelt und Waffen nach Süden.

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Ziele realistisch formulieren

Selbst Optimisten glauben nicht mehr daran, dass eine liberalere Drogenpolitik der Mafia das Genick brechen kann. In Lateinamerika etwa haben die grossen Verbrechersyndikate ihr Geschäfts-Portfolio längst diversifiziert. Die Kartelle sind auch in illegalen Bergbau, Menschen- und Waffenhandel bis hin zu Produktpiraterie verwickelt. Wegen der grossen Gewinnspanne ist der Drogenhandel aber noch immer ein wichtiger Pfeiler der kriminellen Imperien.

This image released by Netflix shows Wagner Moura as Pablo Escobar in the Netflix Original Series

Wagner Moura als Pablo Escobar in der Netflix-Serie Narcos. Escobar war in den 70er und 80er-Jahren der wohl mächtigste und brutalste Drogenhändler in Kolumbien. Bild: AP/Netflix

«Unrealistische Ziele, wie den Drogenmissbrauch zu beenden oder das organisierte Verbrechen zu besiegen, sollten aufgegeben werden», sagt deshalb Vanda Felbab-Brown vom Forschungsinstitut Brookings Institution. «Die Ziele realistischer zu formulieren, ist ein entscheidender Schritt bei der Entwicklung und Umsetzung einer effizienteren Politik.» (wst/sda/dpa)

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