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Meghan Florich, widow of Army Staff Sgt. Thomas Florich III, holds their baby as she places a rose on his casket during a burial service at Arlington National Cemetery in Arlington, Va., Tuesday, Sept. 8, 2015, as Army Secretary John McHugh stands in the background, third from left. Florich. a member of the Louisiana Army National Guard, was among four guardsmen and seven Marines killed when their Black Hawk helicopter crashed on March 10, 2015, off the coast of Florida. The Army said that because Florich was on active duty for training only, he did not meet the requirements for burial at Arlington, McHugh approved an exception to policy to allow Florich to be buried at Arlington. (AP Photo/Carolyn Kaster)

«Gold Star Families», die Familien Gefallener, sind in den USA nahezu sakrosankt. Bild: AP/AP

Trump legt sich mit den Familien gefallener Soldaten an – das sollte er lieber lassen



Es begann als klassischer Trump. Eine spontane Pressekonferenz im Rosengarten des Weissen Hauses. In wärmender Herbstsonne spreizte der US-Präsident 45 Minuten lang sein Gefieder, liess sich zu diesem ein und zu jenem, prahlte und gefiel sich.

Was sich dann über Tage zu einem politischen Problem auswachsen sollte, liess Trump im Trudeln der Gedanken eher nebenbei fallen: Seine Amtsvorgänger hätten sich ja nie oder nur selten bei Hinterbliebenen von Gefallenen gemeldet! Anders als, natürlich, Donald Trump. Es war dann rasch der Teufel los.

Hinterbliebene: «Trump lügt»

Wie ist Trump mit Hinterbliebenen Gefallener umgegangen? Er behauptet, er habe sie angerufen, alle, immer. Über Tage meldeten sich dann immer mehr Mütter, Väter und Witwen in US-Medien, die sagten: Stimmt nicht. Das ist gelogen. Trump hat sich nie gemeldet. Whitney Hunter sagt am Donnerstag bei CNN, als ihr Mann gefallen sei, habe sie von vielen gehört, aber sicher nicht vom Präsidenten.

Das Thema hat in den USA Nordkorea von Platz eins verdrängt, den Iran-Deal ebenso, sogar den erbitterten Streit um «Obamacare», und das will wirklich etwas heissen. Die gesellschaftliche Stellung der Soldaten ist in Amerika eine ganz besondere.

Bedingungslose Verehrung

Hier verschmelzen Patriotismus, Geschichte, Respekt, Dankbarkeit und Stolz auch mit einer Liebe zu Stärke und Zeremonie. Wildfremde danken auf offener Strasse Uniformierte: «Thank you for your service», danke für Ihren Dienst.

Man kann in Amerika offen als Nazi herumlaufen, sich mit Megafon und grossem Kreuz predigend an den Las Vegas Boulevard stellen oder auch sonst so ziemlich alles sagen, was man will, aber mit dem Militär treibt man keine Scherze. Auch Erzliberale und Altlinke achten Soldaten.

Gefallene werden bedingungslos geehrt. Angehörige des Militärs erhalten Rabatte und werden bevorzugt behandelt, am Flughafen gehören sie zu den ersten, die einsteigen dürfen.

Commander in Chief auf dünnem Eis

Auch das erklärt, auf welches dünne Eis sich der Commander in Chief mit seinem laxen Gerede begeben hat. «Gold Star Families», die Familien Gefallener, sind in den USA nahezu sakrosankt.

Wieder einmal hatte Trump seinen Vorwurf unmittelbar an Barack Obama gerichtet, seinen grossen Antipoden. Es dauerte nur Minuten, bis sich dessen einstiger Stab wehrte: Sehr wohl habe sich Obama bei Gefallenen gemeldet, er habe geschrieben, angerufen, sei bei ihnen gewesen. Es gibt davon unter anderem TV-Bilder. Alyssa Mastromonaco, damals in Obamas Stab, attestierte Trump auf Twitter eine «fucking lie», eine verdammte Lüge.

Trump machte Fehler ohne Not

Die Reaktionen aus Politik, Sport und Gesellschaft waren heftig. Trump wehrte sich und stritt ab, bemühte sogar den gefallenen Sohn seines heutigen Stabschefs John Kelly als angeblichen Beleg seines Vorwurfs an Obama, obwohl der Ex-General mit seinem Verlust sehr diskret umzugehen versucht.

Sprecherin Sarah Sanders machte, natürlich, die Medien verantwortlich: Die hätten wieder einmal alles unverhältnismässig aufgeblasen und die Sache «politisiert». Dabei machte Trump auch diesen Fehler ohne Not und ganz alleine.

Nur die Hälfte der Hinterbliebenen angerufen

Die «Washington Post» hat 13 Familien von Soldaten erreicht, die seit Trumps Amtsantritt im Einsatz getötet wurden. Von ihnen wurde die eine Hälfte von Trump angerufen, die andere Hälfte hat nie etwas gehört. Trump hatte gesagt: «Meine Haltung ist, sie alle anzurufen.» Es seien die härtesten Anrufe überhaupt.

Die Geschichte begann mit einem einfachen sachlichen Kern. Im Niger wurden am 4. Oktober vier US-Soldaten bei einem Einsatz getötet. Trump wurde im Rosengarten gefragt, das sei ja nun zwölf Tage her, ob er sich mittlerweile bei den Hinterbliebenen gemeldet habe?

Trump wich aus, er werde das zu gegebener Zeit tun – und griff dann seine Vorgänger an. Das ist sein Muster. Fehler werden nicht zugegeben. Es sind immer die anderen.

«Gewusst, auf was er sich einlässt»

Dabei berichtete «Politico», Trumps Stab habe ihm sofort eine Stellungnahme zum Niger vorbereitet. Trump habe sie aber nie verwendet. Warum nicht, ist sein Geheimnis. Das Ganze führt nun auch dazu, dass die Umstände dieses US-Einsatzes im Niger sehr genau hinterfragt werden. Es scheint Ungereimtheiten zu geben.

Angeblich hat Trump am Dienstag nach seiner Pressekonferenz die Witwe von David T. Johnson angerufen, Witwe eines der im Niger getöteten Soldaten. Die Abgeordnete Frederica S. Wilson sagt, sie sei im Wagen der Witwe Myeshia gewesen und Trump auf dem Lautsprecher des Telefons. Der Präsident habe gesagt, Johnson habe ja gewusst, worauf er sich dort eingelassen habe – aber er vermute, es schmerze gleichwohl.

Ob das so stimmt, weiss man nicht. Trump widersprach sofort und vehement, ebenso einer weiteren Zeugin, das sei alles eine glatte Erfindung.

Geld versprochen – aber nicht geschickt

Mitte der Woche deckte die «Washington Post» dann dieses auf. Wenige Wochen nach dem Tod seines 22-jährigen Sohnes Dillon in Afghanistan habe Trump ihn angerufen, sagte Chris Baldridge dem Blatt. Er habe dem Präsidenten erzählt, wie enttäuscht er von den Hinterbliebenenzahlungen des Militärs sei. Trump habe daraufhin einen Scheck über 25'000 US-Dollar aus eigener Tasche angeboten.

Das ist schon für sich genommen bemerkenswert. Baldridge sagte, er habe das Geld nie bekommen. Das Weisse Haus sagte nun, der Scheck sei versandt. Am Mittwoch, nach der Aufdeckung der «Washington Post».

Für Trump ist das alles ziemlich unangenehm. Mehr aber erstmal nicht. An fest besetzten Lagern von Anhängern und Gegnern des Präsidenten werden auch neue belegte Unwahrheiten nichts ändern – so wenig wie am Unverständnis über sein Verhalten. (whr/sda/dpa)

Donald Trump: Das Best Of

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