Kurt Cobains Tod: Ex-Polizist spricht heute von Mord
Eigentlich wollte der Elektriker Gary Smith am 8. April 1994 nur eine Sicherheitsbeleuchtung an einer Villa in Seattle anbringen. Dann entdeckte er im angebauten Wintergarten den leblosen Nirvana-Frontmann Kurt Cobain. Der damals 27-jährige Nirvana-Frontsänger war zu diesem Zeitpunkt schon drei Tage tot.
Er wies eine schwere Schrotflintenwunde am Kopf auf, neben ihm lag ein Beutel mit Drogenutensilien und in einem nahegelegenen Blumentopf steckte ein handgeschriebener Brief, der mit einem roten Kugelschreiber durchstochen war. Wenige Stunden später erklärten die Ermittler seinen Tod zum Suizid.
Mehr als drei Jahrzehnte später behauptet Neil Low, ein pensionierter Captain der Polizei von Seattle, die physischen Beweise vom Tatort «passen nicht zusammen». Die britische Daily Mail berichtete darüber.
«Ich nehme es ihnen einfach nicht ab, dass Kurt sich das selbst angetan hat», erklärt Low und bezeichnet die Untersuchung als «verpfuscht». Low arbeitete selbst nicht an der ursprünglichen Untersuchung mit, erhielt im Jahr 2005 aber vollen Zugriff auf Cobains Akte und die am Tatort gesammelten Beweise und untersuchte diese.
Die Ungereimtheiten
Erstens seien Cobains Hände auf den Fotos vom Tatort ungewöhnlich sauber. Laut Low hätten da wegen der massiven Gewalt der Schrotflinte Blutspritzer zu sehen sein müssen.
Zweitens sei in Cobains Körper die dreifache Menge einer tödlichen Dosis Heroin gefunden worden. Low bezweifelt, dass ein Mensch nach einer solchen Injektion physisch noch in der Lage ist, eine schwere Schrotflinte zu positionieren, geschweige denn abzudrücken.
Drittens wurde der Tatort laut Berichten von mindestens zwölf Beamten betreten. Dies kritisiert Low als «Tatort-Tourismus». Mögliche Beweise wie DNA-Spuren unter den Fingernägeln seien zudem nie gesichert worden.
Der mysteriöse vierte Punkt stammt aus einem Polizeibericht von 1994 über eine Taxifahrt. Der Taxifahrer gab an, einen Fahrgast von Cobains Anwesen abgeholt zu haben, der «optisch nicht zum Haus passte». Gemeinsam suchten der Chauffeur und sein Passagier vergeblich nach einem Geschäft, um Schrotflinten-Munition zu kaufen.
Da fragt sich der Ex-Polizist: Warum sollte sich der Waffenbesitzer Cobain ziellos in seinem Quartier umherfahren lassen, um Munition zu suchen? In einem Nachtragsbericht des Seattle Police Department (SPD) von 2014 wurde dieser Vorfall komplett weggelassen.
Die Haltung der Behörden
Als Captain war Neil Low einst ein hochrangiges Mitglied der Seattler Polizei. Diese bleibt trotzdem bei ihrer offiziellen Darstellung: «Kurt Cobain starb 1994 durch Suizid. Dies ist weiterhin die Position des Departments.» Ein sogenanntes Audit, wie Low es 2005 durchführte, diene lediglich der Überprüfung von Abläufen, nicht der Änderung eines Urteils.
Für Neil Low ist der Fall jedoch klar. «Ich habe die Akte gelesen und kann Ihnen sagen, was die Beweise aussagen, denn das war mein Beruf. Und sie sagen: kein Suizid.» Die Ermittler seien mit einer vorgefertigten Meinung an den Tatort gekommen. Dass die Akte Cobain jemals wieder geöffnet wird, bleibt trotzdem äusserst unwahrscheinlich.
