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Tiffany Trump stands on stage before she tapes her speech for the second day of the Republican National Convention from the Andrew W. Mellon Auditorium in Washington, Tuesday, Aug. 25, 2020. (AP Photo/Susan Walsh)
Tiffany Trump

Tiffany Trump sorgte mit ihrer Rede für Spott Bild: keystone

Spott, Empathie und Fake News – die Highlights des Republikaner-Parteitags, Tag 2



Tag 2 des republikanischen Parteitags ist vorbei. Heute bemühten sich die Redner um einen versöhnlicheren Ton als gestern – auch wenn die Kritik an Joe Biden, Kamala Harris und den US-Demokraten natürlich nicht fehlte. Wir haben die Reden herausgesucht, die am meisten zu Reden gegeben haben.

Die Sache mit der Familie

Da sind sie wieder, die Vorwürfe der Vetternwirtschaft gegen Joe Biden und sein Sohn Hunter. Pam Pondi, die frühere Justizministerin Floridas, sagte zur Rolle von Bidens Sohn im Aufsichtsrat des ukrainischen Gasunternehmens Burisma:

«Obwohl er (Hunter Biden) keine Erfahrung mit der Ukraine oder dem Energiesektor besass, bekam er Millionen, um nichts zu tun. Er hatte eine Qualifikation, die wichtig war: Er war der Sohn des Mannes, der dafür zuständig war, US-Hilfe für die Ukraine zu verteilen.»

Viele Twitter-User wiesen aber auf die Ironie hin, das gleichzeitig die Hälfte der Hauptredner am Parteitag der Republikaner den Nachnamen Trump tragen.

«NowThis» fasst es zusammen:

Der Podcast- und Youtube-Host Brian Tyler Cohen schrieb auf Twitter: «Also Pam Bondi schimpft gegen Vetternwirtschaft und die *nächste* Rednerin ist Tiffany Trump.»

Womit wir beim nächsten Punkt wären:

Du verbreitest Fake News. – Nein du. – Nein du.

Trumps Lieblingsfeind sind nebst den US-Demokraten die Medien, die seiner Meinung nach ständig Fake News verbreiten. Ins gleiche Horn bläst seine Tochter Tiffany Trump:

«Die Menschen müssen erkennen, dass unsere Gedanken, Meinungen und sogar die Entscheidung, für wen wir abstimmen, von Medien und Tech-Giganten manipuliert und auf unsichtbare Weise aufgezwungen werden.»

Die Szene im Video:

Sie spricht damit wohl auf die Massnahmen von Facebook und Twitter an. Zuletzt versahen die Online-Dienste einige Tweets und Posts von Donald Trump zum Coronavirus mit Warnhinweisen, dass sie zweifelhafte Informationen enthielten, die Menschen schaden könnten.

Für ihre Rede kassierte sie Kritik: Sie wiederhole bloss Trumps paranoide Verschwörungstheorien über die Medien, kommentierte etwa CNN-Moderator Keith Boykin.

Eine andere Aussage der Präsidententochter sorgte ebenso für Spott. In Bezug auf die aktuelle schwierige Wirtschaftslage sagte sie:

«Als eine frischgebackene Absolventin kann ich mich mit so vielen von euch identifizieren, die derzeit einen Job in dieser Wirtschaftslage suchen.»

Sagt die Tochter eines Milliardärs und des Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Rednerin ausgeladen, Grund: Antisemitismus

Nach der Weiterverbreitung antisemitischer Verschwörungstheorien auf Twitter ist eine Sprecherin beim Parteitag der US-Republikaner Medienberichten zufolge von der Rednerliste gestrichen worden. Der Sender CNN und die «Washington Post» berichteten, Mary Ann Mendoza werde am Dienstagabend (Ortszeit) nicht auftreten. Mendoza ist die Mutter eines getöteten Polizisten, der nach Angaben des Wahlkampfteams von US-Präsident Donald Trump von einem vorbestraften illegalen Migranten unter Alkoholeinfluss überfahren worden war.

Mary Ann Mendoza poses for a photograph while holding a framed picture of herself and her son, Brandon Mendoza, on Thursday, March 2, 2017, at her home in Mesa, Ariz. Families who have lost loved ones to crimes committed by immigrants are praising President Donald Trump’s announcement this week that he will create a new office to advocate on their behalf. Mendoza's son, a Mesa police officer, was killed on May 12, 2014, in a head-on collision with a man who authorities say was intoxicated and an immigrant in the country illegally. Both Brandon Mendoza and the other diver were killed in the crash. (AP Photo/Brian Skoloff)

Mary Ann Mendoza. Bild: AP/AP

Mendoza hatte ihre mehr als 40'000 Twitter-Follower am Dienstag aufgefordert, einen von ihr weiterverbreiten Twitter-Thread zu lesen, bei dem es nach einem Bericht der Nachrichtenseite «Daily Beast» um eine jüdische Verschwörung zur Versklavung der Welt ging. Sie löschte ihren Tweet später. In einem weiteren Tweet schrieb sie, sie habe einen sehr langen Thread weiterverbreitet, ohne die Nachrichten dort im Einzelnen zu lesen. Sie entschuldige sich dafür. «Das spiegelt in keiner Weise meine Gefühle oder persönlichen Gedanken wieder.»

Für Trumps Wahlkampfteam ist der Vorfall peinlich, weil sich beim Republikaner-Parteitag am Dienstagabend auch Aussenminister Mike Pompeo mit einer aufgezeichneten Botschaft aus Jerusalem zu Wort melden will. Trump will mit seiner proisraelischen Politik besonders bei evangelikalen Christen punkten, die zu seinen wichtigsten Unterstützern gehören. Mendoza sollte Trumps Ziel eines schärferen Vorgehens gegen illegale Migranten unterstützen, was zu seinen zentralen Wahlkampfversprechen gehört.

Die Empathie der First Lady

Melania Trump hob sich von anderen Rednern ab, indem sie gleich zu Beginn ihrer Ansprache den Opfern der Corona-Pandemie ihr Mitgefühl aussprach. Donald Trump wird regelmässig vorgeworfen, in dieser Hinsicht zu wenig Empathie zu zeigen. Allgemein wurde die Coronavirus-Pandemie, die in den USA bisher über 180'000 Todesopfer forderte, bisher am Parteitag der Republikaner nur von Melania angesprochen.

Und während Eric Trump und andere Republikaner Biden beim Parteitag scharf und mit oftmals unbelegten Vorwürfen angingen, verzichtete die First Lady bewusst auf solche Attacken. «Ich will diese wertvolle Zeit nicht dazu gebrauchen, um die andere Seite anzugreifen», sagte sie.

Melania über Corona:

Die First Lady sagte mit Blick auf die undiplomatische Art ihres Ehemannes: «Was wir als Bürger von unserem Präsidenten verdienen, ist totale Ehrlichkeit. Ob einem das gefällt oder nicht, man weiss immer, was er denkt, weil er eine authentische Person ist, die dieses Land und dessen Volk liebt.»

Die Szene im Video:

Daniel Cameron nimmt Biden auseinander

Der Justizminister des US-Bundesstaats Kentucky, Daniel Cameron, lieferte die wohl rhetorisch fitteste Rede des Abends. Er griff Biden wegen seiner Aussage an, wenn ein Schwarzer nicht Biden wählen würde, sei er kein richtiger Schwarzer.

«Mr. Vice President [gemeint ist Biden], schauen Sie mich an. Ich bin schwarz. Wir sind nicht gleich, Sir. Ich bin nicht in Ketten. Meine Gedanke gehören mir und Sie können mir nicht sagen, wie ich wählen soll, nur aufgrund meiner Hautfarbe.»

Über die «Radikalen Linken», die die Demokraten beherrschen würden, sagte er: «Sie glauben, dass Ihre Hautfarbe Ihre Politik diktieren muss», sagte der afroamerikanische Minister. An die Adresse von Minderheiten sagte er: «Wenn Sie sich nicht anpassen, während Sie Ihr von Gott gegebenes Recht ausüben, frei zu sprechen und zu denken, werden sie Sie niedermachen.»

Republikaner vertrauten dagegen darauf, dass die Menschen selber dächten und den amerikanischen Traum so verfolgten, wie sie es für richtig hielten, sagte Cameron. Er kritisierte: «Joe Biden ist ein Rückwärtsdenker in einer Welt, die sich nach einer zukunftsorientierten Führung sehnt.»

Die Rede im Video:

(jaw/sda/dpa)

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