ICE-Opfer Alex Pretti trug eine P320-Pistole – ging sie versehentlich los?
Alex Pretti, der von der US-Einwanderungsbehörde ICE am Samstag in Minneapolis erschossene 37-jährige Krankenpfleger, trug eine Pistole des US-amerikanischen Waffenherstellers SIG Sauer auf sich.
In den Medien wird derzeit spekuliert, ob sich bei der Entwaffnung Prettis durch die ICE-Agenten unbeabsichtig ein Schuss aus der Pistole löste. Das wiederum könnte die Beamten erschreckt und dazu veranlasst haben, auf den am Boden liegenden Mann zu schiessen.
Bei der Pistole Prettis handelte es sich um die P320 mit Kaliber 9mm. Kürzlich gab die Schweizer Armee bekannt, dass sie die neue Dienstpistole sein und die aktuelle Pistole 75 (eine SIG 220) ablösen wird.
Trump über P320: «Eine sehr gefährliche Waffe»
Pikant: Die P320 hat eine Vorgeschichte mit unbeabsichtigten Schussabgaben. Darauf verwies indirekt auch US-Präsident Donald Trump in einem Kurzinterview mit dem «Wall Street Journal». Pretti habe «eine sehr gefährliche Waffe» getragen. Trump: «Es ist eine Waffe, die oft losgeht, ohne dass die Leute es bemerken».
Tatsächlich ist es in den USA schon zu etlichen entsprechenden Vorfällen gekommen. Im Mai 2024 schoss sich ein Polizist in Texas in den Oberschenkel, als seine im Holster befindliche Waffen ohne sein Zutun losging. Im September desselben Jahres ereignete sich ebenfalls in Texas ein fast identischer Fall.
Im Juli 2025 wurde ein 21-jähriger US-Soldat auf einer Luftwaffenbasis in Wyoming getötet. Insgesamt wurden in der US-Armee auf Basen von Virginia bis in den Nahen Osten mindestens zehn Soldaten durch unbeabsichtigte Schussabgaben einer P320 verletzt. Die Herstellerfirma Sig Sauer sieht sich auch mit gerichtlichen Forderungen konfrontiert.
Ungeachtet der Berichte entschloss sich die Schweizer Armee im letzten Dezember, auf die P320 als ihre neue Standard-Pistole zu setzen. In einer ersten Tranche sollen 50'000, insgesamt rund 140'000 Stück bestellt werden.
Ein wichtiger Faktor für den Entscheid war, dass die P320 in der Schweiz, genauer in Neuhausen am Rheinfall, produziert werden soll. Sig Sauer setzte sich gegen die Konkurrenten Glock aus Österreich und Heckler & Koch aus Deutschland durch.
Die Wahl fiel auf die P320, obwohl sie in den umfassenden Tests nicht alle Kriterien erfüllte. Das tat nur die Glock 17, weshalb sich der Hersteller in einem Brief bei Bundesrat Martin Pfister beschwerte.
Ohne auf den konkreten ICE-Fall einzugehen, sagt das Bundesamt für Rüstung (Armasuisse), man habe Kenntnis über die Debatte in den USA. Auch im Rahmen einer vertieften Prüfung sei das beschriebene Sicherheitsproblem aber nicht festgestellt werden.
Die P320 erfülle «sämtliche sicherheitsrelevanten Aspekte». Der Hersteller habe gewisse Nachbesserungen zugesichert, diese seien aber nicht sicherheitstechnischer Natur. Die Nachqualifikation dieser Verbesserungen sei Voraussetzung für den Vertragsabschluss, der noch nicht erfolgt sei, so Armasuisse.
(aargauerzeitung.ch)
