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Ein 25-stündiges Blackout stürzte New York vor genau 40 Jahren ins Chaos



Finanzkrise, Hitzewelle – und dann ein Stromausfall. Das stürzte New York vor 40 Jahren ins Chaos. Geschäfte wurden geplündert und in Brand gesetzt, ganze Stadtviertel zerstört. Die Bilanz: Rund 1600 zerstörte Geschäfte, mehr als 1000 Feuer und knapp 3700 Verhaftungen, und das alles in nur 24 Stunden. Noch heute erinnern sich viele Bewohner an New Yorks dunkelste Nacht.

«Heiss und schwül war diese Nacht im Juli», erinnert sich der Schriftsteller Ernesto Quiñonez in der «New York Times». «Die Luft war so dick voll Schmutz und Schleim, dass ich New York auf meiner Zunge schmecken konnte.»

Die Millionenmetropole litt, damals im Sommer 1977. Der Serienmörder «Son of Sam» versetzte die Menschen in Angst, die Finanzkrise kostete immer mehr Jobs und die Hitze war drückend. Da gingen plötzlich die Lichter aus, am Donnerstag (13. Juli) vor genau 40 Jahren, um 21.34 Uhr Ortszeit.

Ein Stromausfall, verursacht von mehreren Blitzschlägen, der 25 Stunden andauern und die Stadt ins Chaos versetzen sollte. Es waren New Yorks dunkelste Stunden.

«Und als die Lichter an diesem Abend ausgingen, wollten sich viele von uns das nehmen, was wir wollten – und was wir am meisten wollten, war das, was wir brauchten.»

1965 hatte es schon einmal einen grossen Stromausfall gegeben, an den erinnern sich viele Bewohner bis heute nostalgisch-fröhlich. Damals hätten die Menschen zusammengestanden, sich geholfen und noch viele Monate später wurde immer wieder gefragt: «Wo warst Du als das Licht ausging?» Die Frage wurde kurz darauf sogar Titel einer romantischen Komödie mit Doris Day.

Aber 1977 war alles anders, der Stadt ging es einfach zu schlecht. «Zu viele Familien waren hungrig und zu viele Väter waren ohne Job und sauer», erinnert sich Schriftsteller Quiñonez, der damals gerade elf war und in Harlem wohnte.

«Und als die Lichter an diesem Abend ausgingen, wollten sich viele von uns das nehmen, was wir wollten – und was wir am meisten wollten, war das, was wir brauchten.»

Partys und vor allem Chaos

Ampeln, Strassenlaternen, Spitäler, die U-Bahn, Klimaanlagen, Aufzüge, Flughäfen, Bahnhöfe – alles wurde dunkel und stand still. Tausende mussten aus Aufzügen oder von Häuserdächern und Aussichtsplattformen gerettet, Musicals und andere Shows mit Taschenlampen zu Ende gebracht und die Dreharbeiten zum «Superman»-Film unterbrochen werden.

Ein Spiel des New Yorker Baseballteam Mets musste abgebrochen werden. Auf der noblen Upper East Side kamen die Menschen zu Stromausfall-Partys auf den Strassen zusammen, auch einige Promis mischten sich darunter.

«In den 70ern war die Stadt ein kaltherziger Ort, aber ihre Bewohner liessen sich nicht kleinkriegen.»

Aber andernorts brach das Chaos aus. Vor allem in Harlem, der Bronx und vielen Teilen Brooklyns machten sich Plünderer auf, zuerst die Hausfrauen, die oft seit Monaten schon nicht mehr genügend Essen für ihre Familien hatten. Mit Einkaufswagen, Autos und Kleinlastern fuhren sie von Geschäft zu Geschäft, brachen die Scheiben ein und nahmen alles mit: Lebensmittel, Essen, Alkohol, Windeln.

Ganze Quartiere zerstört

Die Bilanz: Rund 1600 zerstörte Geschäfte, mehr als 1000 Feuer und knapp 3700 Verhaftungen, und das alles in nur 24 Stunden. Auf 300 Millionen Dollar schätzten Behörden die Schäden später.

Ganze Stadtviertel wurden zerstört, einige wie beispielsweise Bushwick in Brooklyn erholten sich jahrzehntelang nicht von dieser «Nacht des Terrors». «Wenn die Lichter ausgehen, könnte sich 1977 wieder von vorne abspielen», sagte der Briefträger Earl Tipton aus Bushwick noch 1997 der «New York Times».

Finanziell geht es der Stadt heute deutlich besser und das Stromnetz scheint ebenfalls stabiler, auch wenn es immer wieder zu kleineren Stromausfällen kommt. Der Blackout von 1977 ist inzwischen Thema zahlreicher Bücher, Lieder und Filme geworden.

Trotz allem habe er die Menschen auch stärker gemacht, bilanziert Schriftsteller Quiñonez. «In den 70ern war die Stadt ein kaltherziger Ort, aber ihre Bewohner liessen sich nicht kleinkriegen. In den Ghettos haben wir auf das Tageslicht gewartet und als der erste Sonnenstrahl durch die Risse in der Mauer kam, sahen wir eine Möglichkeit, wie die ruhelosen Menschen, die diese Stadt aufgebaut haben, und wir haben sie ergriffen.» (whr/sda/dpa)

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Video: reuters

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