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Wirtschaft

Kohlekraft für Energie: Die Länder im Vergleich

17.04.2024, Nordrhein-Westfalen, Bergheim: Dampf steigt aus den Kühltürmen vom RWE Braunkohlekraftwerk Niederaußem über das Regenwolken hinwegziehen. Das Kraftwerk Niederaußem ist ein von RWE Power mi ...
Kohle ist immer noch aktuell: Dampf steigt aus den Kühltürmen des Braunkohlekraftwerks Niederaussem in Nordrhein-Westfalen auf.Bild: DPA

Kohlehoch: Noch nie wurde so viel Kohle verbrannt wie 2024

Der landläufige Eindruck, dass die Kohlekraft dem Aussterben geweiht ist, täuscht. Denn nach Schätzung der Internationalen Energieagentur (IEA) war die weltweite Nachfrage nach Kohle noch nie so hoch wie in diesem Jahr. Und dies wird wohl vorerst auch so bleiben.
18.12.2024, 20:0518.12.2024, 22:43
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Kohle wird oft als eine Energiequelle der Vergangenheit bezeichnet, doch wird nicht nach dieser Einschätzung gehandelt. Denn die Realität zeigt ein anderes Bild: In den letzten drei Jahrzehnten hat sich der globale Kohleverbrauch verdoppelt. Im Jahr 2024 ist der Verbrauch gar auf einen Rekordwert von 8,7 Milliarden Tonnen angestiegen, das entspricht einem Plus von mehr als 1,2 Milliarden Tonnen seit 2020. Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten wird in den nächsten drei Jahren ein Plateau erreicht, bis 2027 werden wir weltweit etwa auf einen Kohleverbrauch von 8,87 Milliarden Tonnen kommen.

Bei der Entwicklung der Kohlenachfrage gibt es der Internationalen Energieagentur zufolge weiterhin grosse Unterschiede zwischen Industrie- und Schwellenländern. Während die Nachfrage in der EU in diesem Jahr um 12 Prozent und in den USA um 5 Prozent sinkt, legt sie in China um 1 Prozent und in Indien um 5 Prozent zu.

Gas stagniert, Kohle wächst

Als Hauptgrund für den Anstieg von Kohlekraft sieht die IEA die Gaspreise, welche als Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stark angestiegen sind. Somit hat Gas als Energiequelle stagniert, während Kohle in jeder Hinsicht, also Abbau, Konsum, Handel und Elektrizitätsproduktion, zugenommen hat.

Ungleiche Entwicklung

Während die Kohlenachfrage in den westlichen Volkswirtschaften gemäss der IEA weiter schrumpft, wird dieser Rückgang voraussichtlich durch das Wachstum in Ländern wie Indien, Indonesien und Vietnam mehr als ausgeglichen. Während Grossbritannien im Oktober nach 140 Jahren das letzte Kohlekraftwerk schloss, macht China als globale Produktionsstätte 56 Prozent der Nachfrage aus.

Auswirkungen auf den tatsächlichen Verbrauch von Kohle in den nächsten Jahren haben auch das Wetter, insbesondere in China, sowie das Tempo, in dem die Nachfrage nach Elektrizität steigt. Hier fällt auch die ungleiche Entwicklung in der Energieproduktion stark ins Gewicht.

Während sich der Westen mit dem Abbau fossiler Energien rühmt, müssen Länder, welche stark auf ihre Exportwirtschaft angewiesen sind, den global ansteigenden Energieverbrauch ausgleichen. So entstehen zum Beispiel nach einem Bericht des Bundesamts für Umwelt vom letzten Jahr 67 Prozent der schweizweiten Emissionen im Ausland. Ein weltweiter Ausstieg aus der Kohlekraft bleibt somit in weiter Ferne.

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88 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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look-forward
18.12.2024 20:51registriert September 2023
Beängstigend. Noch schlimmer ist die Tatsache, dass wir die Folgen unserer Taten kennen und trotzdem weitermachen. Und die Verwaltung verliert sich in lächerlichen Kleinigkeiten (z.B. Deckel an PET-Flasche fixieren), um sich den eigentliche Herausforderungen nicht stellen zu müssen.
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Sarah.J.M.
19.12.2024 06:36registriert April 2024
Wenn "wir" (Europa) eine bessere CO2-Bilanz bei unseren Konsumgüter wollen, so müssen wir sie in Europa mit europ. regen. Energie herstellen. Das hätte auch den Vorteil, dass man die menschenverachtende Diktatur in China nicht finanzieren würde. Hat aber seinen Preis und man müsste sich auch bei der Beschaffung der benötigten Ressourcen endlich wieder auf der Weltbühne behaupten, anstatt alles den Russen, Indern und Chinesen zu überlassen.
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DN62
18.12.2024 22:21registriert November 2015
Die wirklich "unbequeme Wahrheit", aber es musste mal gesagt werden.
Was mir ein bisschen fehlt ist der Hinweis, dass die ganze Kohle in China und zunehmend Vietnam auch brennt für unsere Billigmode, die Spielzeuge, die ganzen Autoteile und Computerchips; auch von Batterieautos.
Wenn das entsprechen einbezogen würde könnte man hier keinerlei Energiewende verzeichnen.
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