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Remdesivir gegen das Coronavirus: Was taugt das Wundermedikament?

In this March 2020 photo provided by Gilead Sciences, a vial of the investigational drug remdesivir is visually inspected at a Gilead manufacturing site in the United States. Given through an IV, the  ...
Das Mittel Remdesivir war ursprünglich für die Behandlung gegen Ebola geplant.Bild: AP

Coronavirus: Dieses Medikament macht jetzt Hoffnung

17.04.2020, 12:4417.04.2020, 14:48

Im Kampf gegen das Coronavirus rückt ein neues Medikament in den Fokus der allgemeinen Aufmerksamkeit: Remdesivir. Das Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead Science hat laut Medienberichten erste Erfolge bei Patienten gezeigt, die an der Lungenkrankheit Covid-19 leiden.

Remdesivir war ursprünglich für die Infektionskrankheit Ebola entwickelt worden. Eine Studie der Universitätsklinik in Chicago hat nun ergeben, dass das Medikament fiebersenkend wirkt und weitere Symptome der Krankheit schneller abgeschwächt werden. So konnten fast alle Patienten in weniger als einer Woche entlassen werden. Dies geht aus einem am Donnerstagabend veröffentlichten Bericht der Onlineplattform für Medizinnachrichten, Stat, hervor.

Der Pharmakonzern Gilead sagte seinerseits, die vollständigen Daten müssten erst noch analysiert werden, um klare Schlussfolgerungen ziehen zu können. Anleger reagierten gleichwohl euphorisch. Die in Frankfurt notierten Titel von Gilead stiegen am Freitag um gut 21 Prozent auf ein Vier-Jahres-Hoch von 84.99 Euro.

An den internationalen Börsen schürten die Ergebnisse Hoffnung auf eine rasche Überwindung der Pandemie. Dax und EuroStoxx50 legten um jeweils etwa drei Prozent zu, ebenso der japanische Nikkei-Index. Die Terminkontrakte auf die US-Indizes deuteten auf steigende Kurse an der Wall Street hin.

Nur Teildaten

Die Uniklinik in Chicago wies allerdings in einer E-Mail darauf hin, dass Teildaten aus einer laufenden Studie nicht genutzt werden sollten, um daraus Ergebnisse herzuleiten. Informationen aus einem internen Forum für Wissenschaftler seien ohne Erlaubnis veröffentlicht worden. Gilead rechnet damit, erste Ergebnisse aus der laufenden Phase-3-Studie Ende des Monats bekanntgeben zu können.

Sars-Cov-2, Covid-19, Coronavirus – die wichtigsten Begriffe
Coronaviren sind eine Virusfamilie, die bei verschiedenen Wirbeltieren wie Säugetieren, Vögeln und Fischen sehr unterschiedliche Erkrankungen verursachen.

Sars-Cov-2 ist ein neues Coronavirus, das im Januar 2020 in der chinesischen Stadt Wuhan identifiziert wurde. Zu Beginn trug es auch die Namen 2019-nCoV, neuartiges Coronavirus 2019 sowie Wuhan-Coronavirus.

Covid-19 ist die Atemwegserkrankung, die durch eine Infektion mit Sars-Cov-2 verursacht werden kann. Die Zahl 19 bezieht sich auf den Dezember 2019, in dem die Krankheit erstmals diagnostiziert wurde.

Die wichtigsten Fakten zum Coronavirus: Symptome, Übertragung, Schutz.

Die Universitätsklinik in Chicago ist eines von 152 Krankenhäusern, die an Gileads Studie mit schwer erkrankten Covid-19-Patienten teilnehmen. Laut der Nachrichtenplattform Stat wurden in Chicago 113 Menschen im Rahmen der Studie behandelt. Es gibt zudem auch noch eine Studie mit Patienten mit moderatem Krankheitsverlauf.

Remdesivir ist weltweit bislang noch nirgends zugelassen. Gilead hat das Medikament ursprünglich zur Behandlung von Erkrankungen durch die Viren Ebola, Marburg, Mers und Sars entwickelt. Das Mittel wurde bereits bei Ebola-Patienten klinisch getestet.

Remdesivir in den Schlagzeilen

Gegenwärtig gibt es noch kein Medikament und keinen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus, mit dem weltweit mehr als zwei Millionen Menschen infiziert sind. Die Daten sähen auf den ersten Blick vielversprechend aus und sprächen für ein gewisses Potenzial des Gilead-Medikaments für die Behandlung bestimmter Covid-19-Patienten, erklärte RBC-Analyst Brian Abrahams. Es gebe allerdings erhebliche Einschränkungen bei der Interpretation der Daten.

Remdesivir hat in der Coronakrise grosse Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das Mittel hatte bereits laut einer im renommierten New England Journal of Medicine in der vergangenen Woche veröffentlichten Analyse vielversprechende Ergebnisse bei einer kleinen Gruppe schwer erkrankter Covid-19-Patienten gezeigt.

Nach Angaben des Verbands der forschenden Pharmaunternehmen (vfa) versucht gegenwärtig eine ganze Reihe von Arzneimittelherstellern, Medikamente, die schon gegen eine andere Krankheit zugelassen oder zumindest in Entwicklung sind, umzufunktionieren. Denn das könnte schneller gehen als die grundlegende Neuentwicklung einer Arznei.

Für Covid-19 stehen dabei derzeit vor allem antivirale Medikamente, sogenannte Immunmodulatoren etwa gegen Rheumatoide Arthritis sowie Arzneien für Lungenkranke im Fokus. Im Blickpunkt stand zuletzt auch der Malaria-Wirkstoff Chloroquin, mit dem Forscher erste positive Ergebnisse erzielten. Auch diese Erkenntnisse müssen aber erst noch in weiteren klinischen Studien bestätigt werden. (sda/awp/reu)

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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Tabeas
17.04.2020 13:58registriert Februar 2018
Das angepriesene Medikament liess die Aktien steigen. Wenn es sich nun zeigt, das alles ein Irrtum war, weil die Studie ja doch noch nicht vollständig war (Wenn es diese überhaupt gibt, wir kennen die Strategien von Wallstreet ja) dann fallen die Aktien wieder, und einige wenige wurden reich, und andere arm. So läuft dies manchmal in diesem Geschäft. Die Welt scheint mir für einige wenige ein gewalttätiges Casino zu sein, das über Leichen geht.
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Mutzli
17.04.2020 13:43registriert Dezember 2016
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Good news wie ein mögliches Medikament sind natürlich sehr willkommen, aber ganz so klar & glänzend sieht bei diesem Medi die Situation noch nicht aus.

Analyse auf biospace.com (https://bit.ly/2VjZKjv), basierend auf dem Artikel im New England Journal of Medicine: "about 25% of patients receiving it have severe side effects, including multiple-organ dysfunction syndrome, septic shock, acute kidney injury and low blood pressure. Another 23% demonstrated evidence of liver damage on lab tests."

Weiter sind 53 Patienten, OHNE Kontrollgruppe, noch keine solide Datengrundlage.
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Mutzli
17.04.2020 13:47registriert Dezember 2016
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Weiterführend von meinem ersten Kommentar:“The data from this paper are almost uninterpretable,” Stephen Evans, a professor of pharmacoepidemiology at the London School of Hygiene & Tropical Medicine, told Bloomberg. “There is some evidence suggesting efficacy, but we simply do not know what would have happened to these patients had they not been given the drug.”

Muss auch gesagt sein, dass der CEO von Gilead auch sagt, dass mehr Tests nötig sind.
Wäre super wenn es sich erhärtet, aber Freuden- und Aktensprünge um 21% sind noch sehr verfrüht.
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