Justiz
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Eine Boeing 777-300 von Swiss Airlines startet auf der Piste 16 am Flughafen Zuerich, am Dienstag, den 14. November 2017, in Kloten. (KEYSTONE/Christian Merz)

Ein Pilot hat sich krank gemeldet und ist für eine private Feier nach Südamerika geflogen. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE

Pilot meldet sich krank, um Taufe mitzuerleben – und erhält prompt die Kündigung



Ein Pilot hat sich krank gemeldet – und ist für eine private Feier nach Südamerika geflogen. Daraufhin flog er bei seiner Airline raus. Diese fristlose Kündigung stuft das Zürcher Obergericht als rechtmässig ein, insbesondere weil der Mann auch noch gelogen hatte.

Der Linienpilot und seine Frau waren von deren Bruder zu einer Taufe nach Südamerika eingeladen worden. Doch der Pilot konnte keine Freitage mehr eingeben – er war dafür einerseits zu spät dran, andererseits hatte er sein Ferienguthaben aufgebraucht, wie dem Urteil des Obergerichts zu entnehmen ist.

Vier Tage vor der Taufe meldete sich der Pilot wegen einer Magen-Darm-Grippe krank. Zwei Tage darauf machte dessen Frau, die bei derselben Fluglinie arbeitete, dasselbe. In der Folge reisten beide für vier Tage nach Südamerika.

Pilot sieht keine Pflichtverletzung

Die Fluggesellschaft, welche den beiden die zeitlich passende Erkrankung nicht abnahm, sprach in der Folge zwei Kündigungen aus. Dagegen wehrte sich der Pilot zunächst vor dem Arbeitsgericht und nun auch vor dem Obergericht.

Gemäss Urteil behauptete der Mann anfänglich zwar noch, sich in jenen Tagen Zuhause auskuriert zu haben. Später räumte er dann aber gegenüber seinem Vorgesetzten ein, die Reise unternommen zu haben – dies aber krank und sich auf dem Flug erholend. Etwas anderes könne die Fluggesellschaft nicht beweisen.

Und weil er damals wirklich arbeitsunfähig gewesen sei, liege keine schwerwiegende Pflichtverletzung vor, machte der Pilot zusammengefasst geltend. Sein Verhalten sei nicht derart schlimm gewesen, dass es eine fristlose Kündigung rechtfertigen würde.

Zweifel an «behaupteter Krankheit»

Das Obergericht kam nun aber wie bereits zuvor das Arbeitsgericht zum Schluss, dass «erhebliche, gewichtige und nicht widerlegbare Zweifel an der behaupteten Krankheit» vorlägen.

So sei es nur mit Mühe vorstellbar, mit einer schweren Magen-Darm-Grippe freiwillig eine 24-stündige Reise nach Südamerika mit Bahn, Flug und Transfers zu unternehmen, heisst es im Urteil.

Zudem wurden dem Piloten eine Stellungnahme und eine E-Mail an seinen ehemaligen Arbeitgeber zum Verhängnis. Darin schrieb er unter anderem von «der Geschichte mit der Krankheit».

Zudem hielt er gemäss Urteil fest, dass er vor der Entscheidung gestanden sei, die kranke Mutter und ihre Familie zum wiederholten Mal bitter zu enttäuschen oder die Reise unentschuldigt anzutreten. Dazu hält das Obergericht fest: «Deutlicher kann das Eingeständnis, er sei nicht krank gewesen, kaum formuliert werden.»

Ein Pilot muss vertrauenswürdig sein

Das Obergericht spricht von einer insgesamt schwerwiegenden Pflichtverletzung, die eine fristlose Kündigung ohne vogrängige Verwarnung zulässt. Denn gerade einem Piloten müsse angesichts seiner äusserst verantwortungsvollen Tätigkeit und des absoluten Bedürfnisses nach Sicherheit im Flugverkehr unbedingtes Vertrauen entgegengebracht werden können.

Entsprechend stark würden Vertrauensbrüche im Zusammenhang mit dem Arbeitsverhältnis ins Gewicht fallen. «Das – namentlich mehrfache – Lügen und Festhalten an einer unwahren Sachdarstellung ist nicht nur moralisch störend», schreibt das Gericht. Es verletze «auch die arbeitsvertragliche Treuepflicht in gravierender Weise».

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Es ist vor Bundesgericht gezogen worden. (sda)

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21Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Juliet Bravo 01.12.2017 13:41
    Highlight Highlight Falls die zwei - wie ich noch fast vermute - ihren Ferienflug nach Südamerika auch noch über die Firmeninterne Flugbuchungsseite gebucht haben sollten, wären sie zudem nicht grad sehr schlau. 😅
  • Zeit_Genosse 01.12.2017 11:39
    Highlight Highlight Der Pilot hat sich selber (r)ausgeflogen ✈️
  • Knut Knallmann 01.12.2017 10:25
    Highlight Highlight Wer sich für einen Beruf mit unregelmässigen Arbeitszeiten entscheidet, der weiss eigentlich worauf er sich einlässt. Terminkonflikte sind in diesen Berufen schlicht und ergreifend Standart. Sich einfach krank melden um frei zu haben geht gar nicht – Insbesondere für die Berufskollegen, die nun zusätzlich arbeiten können...
    • m. benedetti 01.12.2017 10:56
      Highlight Highlight Standard. Es gäbe da so automatische Korrektursysteme.
  • Thom Mulder 01.12.2017 10:12
    Highlight Highlight Solches Verhalten ist natürlichnicht in Ordnung, aber, man muss das im Kontext sehen: Die Fluggesellschaften gehen allgemein mit Angestellten nicht besonders anständig um, daher dürfen sie sich nicht wundern wenn es die Angestellten auch nicht mehr so genau nehmen mit Ethik und Anstand.
  • Ettli 01.12.2017 07:48
    Highlight Highlight sollte noch den arbeitstag des kollegen bezahlen, der für ihn arbeiten musste. einschl. anwälte und gerichtskosten
  • AJACIED 01.12.2017 07:22
    Highlight Highlight Richtig so! Anständige arbeitet werden das mit Genugtuung erfreuen. 👌
  • Licorne 01.12.2017 07:19
    Highlight Highlight Richtig so. Eine Frechheit, das vor Gericht zu ziehen. Keine Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber und null Kollegialität sollen nicht belohnt werden.
    • Ton 01.12.2017 08:06
      Highlight Highlight Naja bei den Airlines gibt es auch keine Loyalität gegenüber den Angestellten, das beruht auf Gegenseitigkeit. Beides ist natürlich nicht in Ordnung, deshalb habe ich mich für eine andere Branche entschieden.
    • Licorne 02.12.2017 18:59
      Highlight Highlight Ich erwarte keine Kollegialität vom Arbeitgeber mehr. Ich habe bei einer "Wohlfühlbude" gearbeitet und es war grossartig. Nun erlebe ich das krasse Gegenteil. Unschön. Und vielleicht bin ich mittlerweile etwas abgestumpft aber vom Arbeitgeber darf man abgesehen vom Lohn wenig erwarten. Deshalb ist mir die Kollegialität wohl umso wichtiger.
    • Licorne 02.12.2017 19:00
      Highlight Highlight Und ich bin nur schon Loyal wegen dem Lohn und weil ich einen geilen Job habe :)
  • lost in space 01.12.2017 07:04
    Highlight Highlight @watson Wieso wird hier ein Symbolbild mit SWISS Flugzeugen gewählt, obwohl im ganzen Artikel der Name der Airline nicht genannt wird? Finde ich etwas unpassend...
    • dä dingsbums 01.12.2017 08:22
      Highlight Highlight Die Airline wird nicht genannt, aber wenn der Fall vor dem Zürcher Obergericht verhandelt wurde, wird die Auswahl an Airlines ziemlich überschaubar.

    • Fluffy 01.12.2017 11:10
      Highlight Highlight Weil der Fall bei der Swiss passiert war.
  • mein Lieber 01.12.2017 06:46
    Highlight Highlight Blau machen und lügen... Ich wünschte mein Chef hätte endlich die Eier um sich von so einem Exemplar in unserem Team zu trennen.
  • meliert 01.12.2017 05:07
    Highlight Highlight gut sitzt dieser Pilot mit solch einem unwürdigen Verhalten nicht mehr in einem Swiss Cockpit!
    • pat86 01.12.2017 07:44
      Highlight Highlight es steht nirgends dass er bei der swiss arbeitete. das bild worauf du dich beziehst ist ein symboldbild. kann sein, muss aber nicht. aber so schnell entstehen gerüchte.
      @watson,
      schon wieder eine unsauberheit mit dem gerüchte gestreut werden. schade
  • exeswiss 01.12.2017 03:54
    Highlight Highlight dafuq... mit einem schweren magen-darm infekt würde ich keinen schritt nach draussen machen können.

    wer einmal tauft dem glaubt man nicht, auch wenn er mal die wahrheit spricht? ¯\_(ツ)_/¯
  • hpj 01.12.2017 01:29
    Highlight Highlight hoffentlich nimmt seine von ihm für diesen fall missbrauchte rechtsschutzversicherung regress und lässt ihn die anwaltskosten selbst tragen.
    zum glück hat die airline diesen schmarotzer entlassen. hoffentlich geht er für immer zu seinen verwandten. wir brauchen den hier echt nicht.
    • erkolino 01.12.2017 07:58
      Highlight Highlight Die Verwandten seiner Frau leben in Südamerika. Über seine Verwandten steht nichts im Text.

      Die könnten im Aargau, in Uri oder auf dem Mond leben. Wir wissen es nicht.
  • Tobias K. 01.12.2017 01:28
    Highlight Highlight Ist ja eigentlich eine klare Sache. Weiss nicht warum sich der Pilot dermassen wehrt. Das Vertrauensverhältnis ist aufgrund der Lügen nicht mehr gegeben. Selbst wenn die Magendarmgeschichte wahr gewesen wäre, wäre eine Reise äusserst fahrlässig. Ansteckungsgefahr. Somit muss er sich nicht beklagen. Arbeitgeber müssen sich auch nicht alles gefallen lassen.

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