Leben
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material: shutterstock / montage & bearbeitung: watson

Emma Amour

Ein Besuch beim Zürcher Underground Sex-Zirkel

Alles darf, nichts muss. Alles easy, alles locker, alles geil. Viel mehr weiss ich nicht, als ich mich an einem gewöhnlichen Donnerstag in einen Keller schleppen lasse.



Bevor es losgeht, liebe Freunde, eine kleine Nachricht @meine Mutter: Mum, falls du jetzt schon Schnappatmung bekommen und deine ganze Erziehung in Frage gestellt hat, chill. Ich war natürlich NICHT alleine bei irgendwelchen Perversen in irgendeinem Keller ohne Empfang und so.

Die Story ist safe. Der Sex war's auch. Emma-Ehrenwort.

Du kannst dich jetzt also wieder beruhigen und an dieser Stelle mit dem Lesen aufhören.

Also.

Bis letzte Woche hatte ich keine Ahnung, dass sich jeweils an einem Donnerstag im Monat ein «Sex-Zirkel» an einem geheimen Ort in Zürich trifft, um sich auszutauschen. Zum einen verbal, zum anderen geht es auch, logisch, um den Austausch von Körperflüssigkeiten.

Endlich schnalle ich die BHs, die den Busen nicht verdecken

Kommen darf jeder, der von einem Member eingeladen wird. Dabei ist es total egal, ob man hetero, homo, whatever ist. Klingt sympathisch. Der Member, der mich dahin schleppen will, ist mein schwuler Party-Nachbar. Er ist sich sehr sicher, dass ich sehr gut in die Gruppe passe.

Ich sage zu. Mein Nachbar versichert mir, dass ich mich «easy» anziehen kann. Ich soll mich wohl fühlen. Es soll bequem sein. Also zwänge ich mich in meine sehr teure Unterwäsche. Null bequem. Aber sexy.

Darüber ziehe ich ein knappes, luftiges Kleidchen an. Schwarz. Geht immer. Dazu rote Lippen und Schmuck. Ich bin bereit. Für was auch immer.

Im Keller angekommen, werde ich herzlich geherzt. Von allen. Viele sind mehrheitlich nackt. Eine Frau trägt einen BH, der unter den Brustwarzen nur ein bisschen Spitze hat. Hab den Sinn nie verstanden. Bis jetzt. Jelena, so heisst sie, sieht in diesem Hauch von Nichts bezaubernd aus.

Jelenas Hand im Schritt

Der Raum ist null schmuddelig. Die Leute genauso wenig. Die Jüngsten hier sind etwas über 20, die Ältesten gegen 50. Happy sind sie alle. Mit sich, ihren Körpern und dem Hier und Jetzt. So in etwa stelle ich mir Woodstock vor. Einfach sehr viel grösser. Logischerweise. Und auf sehr viel mehr LSD. Logischerweise.

Mein Nachbar stellt mich allen vor. Ich bleibe bei Jelena und ihrem Freund hängen. Die haben eine offene Beziehung mit einer Einschränkung: Fremdgevögelt wird nur, wenn der andere dabei ist. Das turnt die beiden an.

Jelena findet es super, wenn ihr Freund andere Frauen bumst. Sie selber will aber nicht mitmachen. Schade. Ich setze mich jedenfalls zwischen sie und ihren Freund. Wir reden und trinken und reden und trinken noch eins.

Dann sage ich ihr, dass ich es schade finde, dass sie keine Mädchen küsst. Sie lacht, beugt sich über mich und knutscht vor meiner Nase mit ihrem Freund.

Woooow.

Ob ihn auch mal will. Und wie. Jelenas Freund küsst himmlisch. Wir knutschen vermutlich ewig. Als ich kurz verschnaufe, ist mein Nachbar weg. Alle sind weg. Ausser Jelena. Die liegt gegenüber auf einer Couch. Ihre Hand im Schritt.

Bevor ich dazu komme, überfordert zu sein, hat mich ihr Freund schon ausgezogen. «Alles gut?», flüstert er mir ins Ohr. «Alles super», sage ich. Während wir rummachen, höre ich Jelena im Hintergrund leise stöhnen. Ich staune selber darüber, wie sehr mich das anmacht.

Vielleicht will sie ja jetzt dazu kommen, frage ich. Er schüttelt den Kopf. Und auch sie gibt mir zu verstehen, dass sie nur zuschauen will. Dafür gibt sie mir die eine oder andere Anweisung.

(@Mami: MUTTER, ICH HABE DIR GESAGT, DU SOLLST AUFHÖREN ZU LESEN.)

Dass uns derweil noch ein paar andere zusehen, merke ich gar nicht. Es stört mich auch nicht. Zu sehr bin ich mit Jelenas Freund und dem Schielen zu Jelena beschäftigt.

Fremdvögeln mit Romantik!

Ich weiss nicht, ob es an der Situation liegt oder ob das hier wirklich grad eine der besten Erster-Sex-Szenen meines Lebens ist, aber ich komme lange vor Jelenas Freund (Sorry, Dude). Jelena kommt auch. Wir lächeln uns zufrieden an. Und auch Jelenas Freund ist happy. Wir umarmen uns alle drei. Dann verabschieden sie sich.

Ich setze mich zu meinem Nachbarn an den Tresen. Die Barkeeperin erzählt von Paaren, die sich hier kennengelernt haben. Von Menschen, die hier zurück zu sich selber und ihren Körpern fanden (Ok...). Und von Liebenden, die sich hier so zofften, dass sie entweder den besten Versöhnungssex aller Zeiten hatten oder für immer getrennte Wege gingen.

Abgesehen davon, dass hier die Menschen etwas weniger Kleider, dafür mehr Lack und Leder als auf der Strasse tragen und in den Nischen hier unten rummachen, ist es nicht anders als in anderen Bars dieser Stadt.

Nach einer Stunde verabschiede ich mich. Auf dem Weg raus treffe ich noch einmal Jelena und ihren Freund. Jetzt ist sie es, die auf einem Mann sitzt, während ihr Freund selber bei sich Hand anlegt.

Ich stelle mich etwas zur Seite und beobachte sie. Sie schaut immer wieder zu ihrem Freund. Die beiden schmachten sich an. Obwohl sie gerade mit einem anderen schläft, ist da diese Vertrautheit und Liebe zwischen den beiden.

Kurzfristig halte ich die beiden für die noch sehr viel romantischere Version aller Hollywood-Schnulzen-Paare aller Zeiten.

Vielleicht bin ich aber auch gerade verblendet.

Ich hatte schliesslich gerade sehr grandiosen Sex.

Nimm das, Hollywood.

Und du, Mum, ich hab dich gewarnt. Wenn du jetzt aus lauter Empörung zum Handy greifen und mich anrufen willst, lass dir gesagt sein, dass ich gerade nicht rangehen kann. Muss Fenster putzen. Oder Gefrierfach abtauen. Such's dir aus.

PS: Ich liebe dich trotzdem.

PS: Euch liebe ich auch ein bisschen, Jelena & Jelenas Freund.

Adieu,

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Spielt sich der Sex der Zukunft nur noch hinter 3D-Brillen ab?

Die Geschichten aus dem Leben von Emma Amour:

Emma Amour ist ...

… Stadtmensch, Single, Anfang 30 – und watsons Bloggerin, die nicht nur unverfroren aus ihrem Liebesleben berichtet, sondern sich auch deiner Fragen annimmt. Und keine Sorge, so wie auch Emma, wirst auch du mit deinen Frage anonym bleiben. Madame Amour ist es nämlich sehr wichtig, auch weiterhin undercover in Trainerhosen schnell zum Inder über die Strasse hoppeln zu können.

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Das bin nicht ich, aber so würde ich als Illustration aussehen. Öppe. bild: watson

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