Massentourismus: Ansturm auf Dorf nach «Wuthering Heights»-Hype
Das malerische Dorf Haworth in Yorkshire, bekannt als Heimat der berühmten Brontë-Schwestern, erlebt derzeit einen regelrechten Besucheransturm. Grund dafür ist die neue Hollywood-Verfilmung von Emily Brontës Klassiker «Wuthering Heights», die auch in Schweizer Kinos läuft.
Trotz gemischter Kritiken lockt der Film eine Welle von Touristen in die engen, kopfsteingepflasterten Strassen des Ortes.
Besonders Influencerinnen und Influencer scheinen die Begeisterung für das literarische Erbe der Brontës neu zu entfachen. Die Reaktionen darauf sind gespalten.
Tourismus-Boom in Haworth wegen «Wuthering Heights»
Was viele Fans von «Wuthering Heights» nicht zu wissen scheinen: Ironischerweise wurde keine einzige Szene der derzeit in den Kinos laufenden Verfilmung, in der die australischen Stars Margot Robbie und Jacob Elordi die Hauptrollen spielen, in Haworth gedreht. Stattdessen wählte Regisseurin Emerald Fennell die wilden Landschaften der North Yorkshire Dales als Kulisse für die tragische Liebesgeschichte von Heathcliff und Cathy.
Dennoch pilgern Fans des Films und der Brontë-Literatur derzeit in Scharen nach Haworth, das etwa 13 Kilometer von Bradford entfernt liegt. Laut der «Daily Mail» werden bis zum Ende des Sommers über eine Million Besucherinnen und Besucher erwartet.
Selbst in den traditionell ruhigen Wintermonaten, in denen viele Geschäfte normalerweise schliessen, herrscht in Haworth reges Treiben. Einige Läden haben ihre Öffnungszeiten verlängert, um die neuen Besuchenden zu empfangen.
Einige Touristen wissen jedoch nicht ganz, worauf sie sich einlassen. Ein lokaler Historiker berichtete der Daily Mail, dass manche der Besuchenden fälschlicherweise glauben, Haworth sei eine Art «Disneyland» und keine echte Ortschaft mit rund 6250 Einwohnerinnen und Einwohnern.
Einige weitere Einheimische befürchten demnach, dass der Tourismus überhandnehmen könnte. Die Rede ist von «Overtourism», die Vorstellung von Millionen von Besucherinnen und Besuchern bereitet manchen Sorgen. Anwohnerin Michelle Blackler erklärte, dass sie den Tourismus «wie die Pest» meide und sich lieber zurückziehe.
«Wuthering Heights»-Hype: Geteilte Meinungen in Haworth
Trotz der Verwirrung und der Herausforderungen, die der plötzliche Massentourismus mit sich bringt – darunter Verkehrschaos und Parkplatzprobleme – sehen viele lokale Geschäftsleute die Entwicklung aber positiv. In einer Zeit, in der viele Unternehmen aufgrund der Lebenshaltungskostenkrise ums Überleben kämpfen, bringt der Tourismus laut «Daily Mail» dringend benötigte Einnahmen.
Manche können dem Hype auch etwas abgewinnen: Hayley Smith, die einen Käseladen betreibt, erzählte der Zeitung, dass sie von der neuen Generation von Touristen begeistert sei. «Wir wurden von Tiktok-Besuchern regelrecht belagert», sagte sie. «Es ist wie bei Harry Potter – wenn etwas auf der grossen Leinwand erscheint, zieht es die Menschen an.»
Auch andere Ladenbesitzerinnen und Ladenbesitzer berichten von einem Anstieg der Besucherzahlen, insbesondere aus den USA, China und Europa.
Über die Verfilmung an sich gibt es derweil ebenfalls geteilte Meinungen, nicht alle sind begeistert. Während einige die moderne und freizügige Interpretation von «Wuthering Heights» als frischen Wind für die Region sehen, kritisieren andere die Abweichungen vom Original. «Es gibt zwei Lager», erklärt Hayley Smith. «Manche sind offen für die moderne Interpretation, andere lehnen sie ab, weil sie nicht originalgetreu ist.»
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