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Adidas setzt Weltstar Kanye West vor die Tür – ein Überblick

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Adidas setzt Weltstar Kanye West vor die Tür – ein Überblick

Nach fast zehnjähriger Zusammenarbeit mit Kanye West hat nun auch Adidas genug. Der Sportartikelhersteller kündigte die Zusammenarbeit per sofort und begründete den Schritt mit Kanyes jüngsten antisemitischen Aussagen. Das steckt dahinter.
25.10.2022, 21:5126.10.2022, 15:57

Adidas kündigt Zusammenarbeit

Fast zehn Jahre lang ging es gut, jetzt zieht Adidas die Reissleine: Unter anderem wegen antisemitischer Äusserungen kündigt der deutsche Sportartikelhersteller die Zusammenarbeit mit Rapper Kanye «Ye» West.

FILE - In this Nov. 6, 2019, file photo, Kanye West attends the WSJ. Magazine 2019 Innovator Awards at the Museum of Modern Art in New York. The rap superstar will design adult and kids' clothing that ...
Sorgte in diesem Monat bereits für diverse Kontroversen: Rapper Kanye West.Bild: keystone

Kanye West ist einer der prägendsten US-Künstler der vergangenen Jahrzehnte, Millionen von Fans vergöttern ihn. Im Laufe der Jahre rückte seine Musik allerdings zunehmend in den Hintergrund, während sich seine persönlichen Kontroversen häuften.

«Die jüngsten Äusserungen und Handlungen von Ye sind inakzeptabel, hasserfüllt und gefährlich», heisst es in einer Mitteilung von Adidas vom Dienstag. Das Unternehmen dulde keinen Antisemitismus und auch keine andere Art von Hassrede.

Adidas teilte weiter mit, dass das Unternehmen nach eingehender Prüfung die Entscheidung getroffen habe, die Partnerschaft mit West mit sofortiger Wirkung zu beenden, die Produktion von Produkten der Marke Yeezy einzustellen und alle Zahlungen an den Künstler und seine Unternehmen zu stoppen.

Seine Musik
In seinem Debüt «The College Dropout» vermengte West 2004 Soulsamples und Gospel. Auf «Graduation» wagte er drei Jahre später den Schulterschluss mit Pop, House und Indierock. Mit «808s & Heartbreak» etablierte er 2008 den bis heute omnipräsenten Auto-Tune-Effekt.

Auf seinem Album «Ye» von 2018 setzte West sich schliesslich intensiv mit seiner bipolaren Störung auseinander, über deren Schübe er auch mit US-Talker David Letterman sprach. Bei einer bipolaren Störung kommt es zu extremen Schwankungen unter anderem der Stimmung und des Antriebs.

Adidas machte Milliarden-Umsatz mit Kanye

Die Auflösung des Vertrags dürfte Adidas wirtschaftlich nun empfindlich treffen. «Angesichts der starken Saisonalität des vierten Quartals dürfte sich dies kurzfristig mit bis zu 250 Millionen Euro negativ auf den Nettogewinn des Unternehmens im Jahr 2022 auswirken», teilte Adidas dazu mit.

Adidas sei der alleinige Inhaber aller Designrechte an bestehenden Produkten sowie an früheren und neuen Farbgebungen im Rahmen der Partnerschaft. Weitere Informationen sollen bei der bevorstehenden Bekanntgabe der Ergebnisse zum dritten Quartal des Konzerns am 9. November 2022 folgen. West hatte dem Unternehmen unter anderem auch Ideenklau vorgeworfen.

Adidas arbeitete seit 2013 mit Kanye West zusammen, seit 2016 hat die Partnerschaft eine neue Grundlage erhalten. Damals nannte Adidas die Zusammenarbeit «die bedeutendste Partnerschaft aller Zeiten» zwischen einem Sportartikelhersteller und einer Persönlichkeit jenseits des Sports. «Kanye ist ein echter Creator, der Dinge sieht, die andere nicht sehen», hatte das damalige Adidas-Vorstandsmitglied Eric Liedtke sich zitieren lassen.

Der Umsatz mit den stylischen Schuhen, Klamotten und Accessoires soll umgerechnet 1,7 Milliarden Franken betragen haben – immerhin rund sieben Prozent des Gesamtumsatzes der Drei-Streifen-Marke. Von Adidas wird das nicht bestätigt, aber auch nicht dementiert. Adidas steht ohnehin, vor allem wegen des stotternden China-Geschäfts, vor einem Haufen Probleme. Konzernchef Kasper Rorsted ist nur noch auf Abruf im Amt – Adidas sucht einen Nachfolger für den zuletzt in die Kritik geratenen Dänen.

Auch Luxusmarke Balenciaga beendete Zusammenarbeit

Adidas war nicht die erste Marke, welche die Zusammenarbeit mit dem Rapper aufgelöst hat. Der Firma wird sogar vorgeworfen, zu lange mit dem Entscheid gewartet zu haben. Vergangene Woche hat nämlich bereits die Luxusmarke Balenciaga bekannt gegeben, nicht mehr mit Kanye West zusammenarbeiten zu wollen.

Lange war Kanye West, auch zusammen mit seiner Ex Kim Kardashian, prominentes Aushängeschild für das Luxuslabel. Der Rapper arbeitete eng mit dessen Kreativdirektor Demna Gvasalia zusammen, brachte sogar eine gemeinsame Bekleidungslinie mit ihm heraus. Im vergangenen Monat war der Rapper noch bei der Pariser Show als Model für Balenciaga aufgetreten.

Letzte Woche hat die Modemarke ihre Zusammenarbeit mit Kanye West aufgekündigt und distanziert sich öffentlich von ihm. «Balenciaga unterhält mit diesem Künstler keine Beziehungen mehr, es gibt auch keine Pläne für zukünftige Projekte», zitierte die Website WWD den Luxuskonzern Kering, zu dem die Marke mit Sitz in Paris gehört.

Bilder des Musiksuperstars, der sich mittlerweile Ye nennt, waren am Donnerstag nicht mehr auf der Balenciaga-Website zu sehen. Der Grund für diesen Schritt: gleich mehrere umstrittene Aktionen, mit denen der 45-Jährige in der jüngsten Vergangenheit für Aufsehen gesorgt hatte.

Diese Aussagen sorgten für den Eklat

So provozierte Kanye West Anfang Oktober mit einem Slogan gegen die «Black Lives Matter»-Bürgerrechtsbewegung in den USA. An der Pariser Modewoche trug er ein T-Shirt mit dem Aufdruck «White Lives Matter», was für wütende Reaktionen gesorgt hatte. Antirassismus-Organisationen stufen den Satz als rassistische Reaktion auf «Black Lives Matter» ein, die sich gegen Gewalt gegen Schwarze einsetzt.

Während sich viele Menschen online beschwerten, meldete sich Rapper Sean Diddy direkt bei Kanye West, um seinen Unmut über das «White Lives Matter»-Shirt kundzutun. Bei West kam dies allerdings alles andere als gut an. Er unterstellte Diddy, ihm auf Geheiss der Juden geschrieben zu haben, und stellte Screenshots der Unterhaltung in seine Instagram-Story:

kanye west diddy unterhaltung twitter
Bild: twitter

Diddy «Puff»:

«Schick mir eine Adresse. Hören wir doch auf, diese Internet-Spielchen zu spielen. Und fühl dich nicht bedroht. Alles wird gut. Nur Liebe.»

Kanye West:

«Das ist kein Spiel. Ich brauche dich als Beispiel, um diesen jüdischen Menschen, welche dir befohlen haben, mich anzurufen, zu beweisen, dass mir niemand drohen oder mich beeinflussen kann. Ich habe dir gesagt, es herrscht Krieg. Jetzt geh und mach was anderes.»

Kurze Zeit später meldete er sich nach zweijähriger Pause auf Twitter zurück, wo er dieses Bild postete:

Es wird spekuliert, dass er damit andeuten möchte, sich für die nächste US-Präsidentschaftswahl anmelden zu wollen. Die findet nämlich 2024 statt. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass Kanye öffentlich mit dem Präsidentenamt liebäugelt.

Bereits 2020 sorgte er mit einer angekündigten Präsidentschaftskandidatur für Aufsehen. Auf Twitter kündigte er damals sein Vorhaben an, worauf ihm Tesla-Gründer Elon Musk prompt seine volle Unterstützung zusicherte.

kanye west twitter
Bild: twitter

Dann verbreitete er wieder antisemitische Aussagen:

«Ich bin heute Abend etwas schläfrig, aber wenn ich aufwache, mache ich mit den jüdischen Menschen ‹death con 3›. Das Lustige ist, dass ich gar nicht antisemitisch sein kann, denn Schwarze sind auch Juden.»

Mit «death con 3» spielt er vermutlich auf den militärischen Ausdruck «defcon» an, der eine Bedrohung der nationalen Sicherheit bedeutet. Die Zahl zwischen 1 und 5 gibt das Ausmass der Bedrohung an, wobei die Eins als die höchste Gefahrenstufe gilt.

Weiter schrieb er:

«Ihr habt versucht, mich auszutricksen und jeden auszuschliessen, der sich gegen eure Agenda stellt.»

Die Tweets wurden wenig später gelöscht und Kanyes Account von Twitter kurzzeitig gesperrt.

Was hat seine Bipolarität damit zu tun?

Kanye West hat in der Vergangenheit offen über seine bipolare Störung gesprochen. Bei dieser psychischen Erkrankung schwanken Betroffene meist zwischen zwei Extremen. In manischen Phasen erleben sie ein Hochgefühl, sind überaktiv und euphorisch, während sie in depressiven Phasen bedrückt und antriebslos sind.

Doch bietet Kanye Wests Erkrankung eine Erklärung für seine kontroversen Aussagen? Eine manische Phase kann durchaus zu Verhalten führen, welches von den eigenen moralischen Werten abweicht. Aber es kann auch unterdrückte persönliche Überzeugungen an die Oberfläche bringen.

Gegenüber USA Today erklärt die klinische Psychologin Carla Manly:

«Es gibt viele Menschen, die keine psychischen Probleme haben, aber rassistisch und fanatisch sind. Und es gibt Menschen mit psychischen Problemen, die nicht rassistisch oder fanatisch sind. Wir sollten dies als zwei sehr unterschiedliche Probleme betrachten.»

Die klinische Psychologin Andrea Bonior teilt diese Meinung. Die Annahme, dass Fanatismus, Frauenfeindlichkeit oder Antisemitismus Symptome eines psychischen Problems seien, sei eine gefährliche Fehleinschätzung. In anderen Worten: Die bipolare Störung kann zwar Kanye Wests impulsives Verhalten erklären, seine antisemitische Haltung ist wohl aber Teil seiner persönlichen Überzeugung.

Ob er die antisemitischen Aussagen nun während einer manischen Phase geäussert hat oder nicht: Sie richten Schaden an. Trotz seiner häufigen Skandale hat er immer noch eine grosse Anhängerschaft und übt vor allem auf seine jungen Fans grossen Einfluss aus. Wie Bonior weiter ausführt, ist es wichtig, die mentale Gesundheit zu entstigmatisieren. Gleichzeitig müsse man Menschen aber auch für den Schaden, den sie verursachen, verantwortlich machen.

Dies haben Adidas und Balenciaga nun getan. Und sie sind nicht die Einzigen: So wurde er unter anderem von seiner Agentur CAA sowie von seinem Anwalt fallen gelassen und diverse seiner Auftritte wurden abgesagt.

(saw)

Mit Material der Nachrichtenagenturen SDA und DPA.

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nummy33
25.10.2022 23:33registriert April 2022
bravo Adidas👍🏼
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AllknowingP
25.10.2022 23:13registriert August 2015
Nice, Adidas! ❤️
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TanookiStormtrooper
25.10.2022 22:50registriert August 2015
"250 Millionen Euro 250'000 Franken"
Der Euro ist doch nicht ganz so stark eingebrochen, da fehlen wohl 3 Nullen.
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