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Insatiable

Irgendeine Szene aus «Insatiable». Wahrscheinlich geht es gerade um einen wichtigen Beauty-Contest. Bild: netflix

Review

Die Netflix-Serie «Insatiable» ist eine kranke Krise aus Glitzer

Bereits im Vorfeld war der Protest gegen die neue Teen-Serie riesig. Jetzt ist sie da. Ein Fazit nach fünf Folgen (sorry, mehr ging nicht).



Ich hab gedacht, nach fünf Folgen «Insatiable» (Unersättlich) sei ich schlauer. Stimmt nicht. Die Serie hat mein Hirn an die Wand gefahren. So gründlich wie nichts vorher. Wenn ich in mich hineinschaue, wachsen da neuerdings pink glitzernde Alienbabys mit dem einzigen Lebenszweck, Schönheitswettbewerbe mit so irren Titeln wie «Miss Magic Jesus» zu gewinnen. Geht es nur mir so oder allen?

Aber wieso? Ist «Insatiable» so übersmart? So fast and furious? Oder etwa  – wie «Vanity Fair» vorschlägt – so schitter, als wär sie nicht von Menschen, sondern von einem schon etwas angeschlagenen Netflix-Algorithmus geschrieben worden? Und sollte Letzteres der Fall sein – was um Himmels Willen hat der Algorithmus da miteinander zu verquicken versucht? Was will uns das Ganze sagen?

Trailer zu «Insatiable»

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Video: YouTube/Netflix

Okay, um es vorwegzunehmen: genau zwei Dinge und die in aller Offenheit. Man kann sie sich ganz einfach merken. Nämlich: Schlank ist besser als dick. Und: Reich ist besser als arm. Aber leider gibt's aus beidem kein richtiges Entkommen. Der Dreck der Armut, das Fett des Übergewichts, sie bleiben ein Leben lang an einem Menschen kleben und machen ihn schlecht. Echt jetzt? Ja! Wow. So ehrlich sind Serien selten. Fuck all Pseudosensibilität à la «13 Reasons Why».

Insatiable

Hier sehen wir Patty (Debby Ryan, links) bei einem andern superwichtigen Beauty-Contest. Bild: netflix

«Insatiable» wurde schon vor seiner Netflix-Premiere berühmt, weil sich über 228'000 Menschen in einer Petition gegen die Ausstrahlung aussprachen. Sie befürchteten «Fat-Shaming». Natürlich liess sich Netflix durch die Extrawerbung der 228'000 nicht von einer Ausstrahlung abbringen. Wie blöd wär das denn gewesen?

Oder anders gefragt: Wie blöd ist Netflix eigentlich, wenn es darum geht, die Zielgruppe der Teenies zu bespielen? Denn nach der Suizid-Serie «13 Reasons Why» und dem Magersuchtsfilm «To the Bone» ist «Insatiable» jetzt bereits der dritte Fall, der als Fail gewertet wird und zu Protesten führt.

Dies nicht zu Unrecht: Jugendzentren berichten von einer dramatischen Zunahme von Suizidversuchen, die direkt auf das Vorbild von «13 Reasons Why» zurückzuführen seien, immer öfter wird die Serie in Abschiedsbriefen erwähnt. Zudem habe Netflix die zweite Staffel während der Highschool-Abschlussprüfungen ausgestrahlt, eine besonders sensible Zeit für gefährdete Teenager. Das Resultat? Zwanzig Prozent mehr Suizidversuche als in anderen Jahren.

Dass Netflix «13 Reasons Why» erst ab 18 Jahren empfiehlt, spielt dabei keine Rolle, auch 13-Jährige haben sich, angeregt durch die Serie, umgebracht. Und erst im Juli wurde bekannt, dass 40 Jugendliche an der Universitätsklinik Zürich unter dem Einfluss der Serie notfallmässig behandelt werden mussten.

«Insatiable» wird ab 16 Jahren empfohlen. Schliesslich geht es darin nicht um Suizid, sondern um das optimierte Leben. Auf einem sehr primitiven Level ist «Insatiable» ein bisschen lustig. Wir lernen brauchbare Worte wie «Tritch» (ein Troll gekreuzt mit einer Bitch). Es beginnt damit, dass die fette Patty einen Obdachlosen verprügelt, der sie beleidigt. Er schlägt zurück. Pattys Kiefer ist drei Monate lang verdrahtet. Nur Flüssignahrung geht. Sie nimmt ab. Ist schön. Braucht einen Anwalt. Findet einen, der auch noch Kandidatinnen für Peagants, also Schönheitswettbewerbe, trainiert. Bloss ist er arbeitslos. Wegen Pädophilieverdachts. Lustig. Peagants sind zwar völlig absurd, aber das Superste im Leben eines Mädchens.

Insatiable

Unangefochten schreitet Patty durch den Höllengang der Verführungen. Bild: netflix

Patty muss lernen, dass sie jetzt innen genau so schön wie aussen ist oder so. Eine Transfrau hilft ihr dabei: Von dick zu dünn, sagt sie, sei psychologisch genau so schwierig zu verkraften wie von Mann zu Frau. «Früher hab ich meine Träume gegessen, anstatt sie zu leben», erkennt Patty. Fuck ist das deep! Oder wie Kate Moss 2009 gesagt hat: «Nothing tastes as good as skinny feels.» Mädchen in Bikinis müssen Pudel schamponieren. Eine kleine Lesbe wird geplagt. Whatever.

«Insatiable» ist vollkommen empathiebefreiter Schund. Was sich natürlich auch von einer Teen-Serie wie «Pretty Little Liars» behaupten lässt. Bloss zielt die nicht so schamlos direkt auf das Schlachtfeld Mädchen-Körper ab. Auf jene Projektionsfläche im Kreuzfeuer von Mode, Beauty und Influencer-Medien. Kurz: Von allen, die wollen, dass das junge weibliche Selbstbild bestimmten Abbildern entspricht. «Insatiable» ist eine kranke Krise aus Glitzer. Ein verlogenes Glam-Bang-Desaster.

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