Leben
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
«Der Unschuldige»

Leider sieht man nicht, was die Leute in dieser Szene reden. Es ist absurd. Bild: ascot elite

Der komplett irre Irrsinn namens Religion

Der Film «Der Unschuldige» zeigt Christen-Mystery vom Feinsten. Hier ist alles möglich. Restlos alles.



Vielleicht gibt es diesen Film ja, weil sein Regisseur am Rand von Basel aufgewachsen ist. Denn in und um Basel ist das Wirken von Freikirchen ein bisschen reger als anderswo. Ich bin am gleichen Rand von Basel ins Gymnasium gegangen. Gelegentlich begleitete ich meine Freikirchen-Freundinnen zu ihren Gottesdiensten. Aus Neugier. Weil ich sowas Spektakuläres sonst nie zu Gesicht bekam.

Da waren Erwachsene, die in einer Reihe in einen Taufteich stiegen, untertauchten, triefend nass und erleuchtet zurück kamen. Erwachsene, die sich tränenüberströmt wild predigenden Menschen in die Arme warfen und jauchzten: «Ich hab Jesus gesehen!» Die Existenz des Teufels, die nie bestritten, sondern allenthalben bekräftig wurde. Ich konnte das alles nicht glauben. Für meine Freundinnen gehörte es zu den Grundpfeilern ihres Glaubens. 

Trailer zu «Der Unschuldige»

abspielen

Video: YouTube/AscotElite

Der Glaube ermöglicht alles. Auch verrückte Erzählungen, die es sonst, für Ungläubige, nur im Märchen gibt. Oder in der Bibel. In der Fiktion. Im Film. Man nennt die entsprechenden Genres Fantasy, Mystery, Horror oder Magischer Realismus. Sie sind enorm populär. Weil sie beim Publikum die Leerstelle füllen, die der abhanden gekommene Glaube zurückliess? Genau damit experimentiert Simon Jacquemet nun in seinem Freikirchler-Psycho «Der Unschuldige». 

Auf der Oberfläche ist das Leben von Protagonistin Ruth (die grossartige Judith Hofmann) eine Mélange aus Grau und Routine. Sie ist die Mutter einer vorbildlichen Christenfamilie, die auch zuhause unentwegt betet und Taizé-Lieder zur Gitarre singt. Die ältere Tochter besucht Christenrock-Konzerte, gemeinsam gehen sie zu Gottesdiensten in vorstädtischen Mehrzweckhallen. Ruth ist Tierärztin in einem Versuchslabor, einem entzweigeschnitten Affen wird der Kopf eines andern transplatiert. Ruth betet für seine Genesung.

«Der Unschuldige»

Der Nachsatz mit den Tieren, die im Verlauf der Dreharbeiten nicht zu Schaden kamen, ist hier besonders wichtig. Bild: ascot elite

Der Affe ist der eine Unschuldige. Die Kreatur, in deren Schöpfung der Mensch unter dem Vorwand der Wissenschaft brutal eingegriffen hat. Ein Frankensteinscher Akt. Real. Die Frage ist: Kann der Akt am Affen wieder rückgängig gemacht werden? Schafft Ruths Gott das? Immer wieder verlangt sie von ihm Zeichen und Wunder. Ungeduldig.

Der zweite Unschuldige heisst Andi. Eigentlich ist er tot. In Indien von einem Stromschlag niedergestreckt. Zuvor jedoch wegen Raubmord verurteilt. Andi war vor 19 Jahren mal Ruths Verlobter. Sie glaubte damals an seine Unschuld. Das war vor dem Christentrip. Jetzt erscheint Andi Ruth wie der liebe Leibhaftige. Oder wie Jesus? Er «hilft» ihr, erlöst sie vom Grau, sie haben Sex, die fleischliche Befriedigung macht, dass Ruth eine Selbstkasteiungs-Phase von rabiatem Vegetarismus wieder abbricht (sie «beerdigte» jeweils das Fleisch, das im Kühlschrank auf die Zubereitung wartete).

Ist Andi Einbildung oder doch mehr? Und wenn mehr, wieso auch nicht? In einem religiösen Setting, das von Auferstehungen nur so wimmelt, sollte das doch schliesslich möglich sein. 

«Der Unschuldige»

Teens for Jesus. Ob sie gelegentlich auch Jeans for Jesus hören? Bild: ascot elite

Plötzlich ist Ruths Welt voller Sex: Im Wald findet sie ihre Tochter in einer Orgie, sie selbst muss ausgerechnet in einem Swingerclub in einen Pool steigen, um sich von ihrem Spleen zu reinigen. Um vom Höllenfeuer der Begierde wegzukommen, wird ihr quasi wie bei einer Impfung eine Portion des Erregers verabreicht. Ihr Mann und ihre Kirche sind sich nämlich sicher, dass Ruth vom Teufel besessen ist. Die Folge? Exorzismus natürlich. In einem komplett irrationalen System total logisch. Das einzig Richtige. 

Ruth selbst zeichnet sich in all dem durch einen jeden Irrsinn noch übersteigende Sturheit aus. Unbeirrbar in ihrer Unberechenbarkeit. Eine Figur, wie man sie im Kino selten sieht. Und weit origineller als alles, was Simon Jacquemet an crazy Ideen vor vier Jahren in seinem Debüt «Chrieg» zeigte. Jenem Film über aggressive Jugendliche, die auf einer abgelegenen Alp zwecks Zähmung in Hundekäfige gesperrt werden. 

Visuell war «Chrieg» spektakulärer als «Der Unschuldige». Dafür ist dieser verrückter. Sehr viel verrückter. Ruth, Gottes Werk und Teufels Beitrag sorgen für verblüffend groteske Unterhaltung. Vom Affen ganz zu schweigen.

«Der Unschuldige» (104 Minuten) läuft ab 1. November im Kino.

Die erste Fussball-Kirche der Schweiz bald in Zürich?

abspielen

Video: srf

Pete Doherty als Jesus Christus am Kreuz

Das könnte dich auch interessieren:

Google reserviert jetzt für dich in Schweizer Restaurants (aber nicht per Telefon)

Link zum Artikel

Diese 7 Fälle zeigen, was bei der Rüstungsbeschaffung in der Schweiz alles schief läuft

Link zum Artikel

Wenn du in der (Fake-)Sexfalle sitzt – so kommst du wieder raus

Link zum Artikel

Stimmen diese 9 Koch-Mythen wirklich?

Link zum Artikel

Hey Emma, Suff-SMS-Sandro hat auch ein paar Sex-Fragen an euch Frauen!

Link zum Artikel

«Ich war überrascht, dass es reicht» – Corinne Suter holt in der WM-Abfahrt Silber

Link zum Artikel

Beto gegen Donald: Showdown an der «Grenzmauer» in Texas

Link zum Artikel

Auf einer Party aufs Klo, das gar keins war...Diese Jodel-Geschichte hat kein Happy-End 😱

Link zum Artikel

WLAN auf dem Mars? Bibis Beauty Palace liefert TV-Blamage für die Ewigkeit

Link zum Artikel

Ohne Solarium und Haarpracht – wie Donald Trump wirklich aussieht 😱

Link zum Artikel

Kantonale Vorlagen: Basel versenkt Spitalfusion, Berner Energiegesetz scheitert hauchdünn

Link zum Artikel

Frauen schreiben ihren Freunden: «Ich will ein Baby» – die Antworten sind 😱😱😱

Link zum Artikel

«Eine Hure zu sein, war oft top», sagt Virginie Despentes aus Erfahrung

Link zum Artikel

So klicken, blocken und spulen wir die Werbung weg – die Fakten in 15 Punkten

Link zum Artikel

Zersiedelungs-Initiative abgeschmettert: So lief der Abstimmungssonntag

Link zum Artikel

Hacker verkauft 617 Millionen Nutzerdaten im Darknet – diese 16 Seiten sind betroffen

Link zum Artikel

Mirco Müller – ein vergessener Titan auf dem Weg zum Millionär

Link zum Artikel

Dieser NBA-Star erfuhr gerade mitten im Spiel, dass er getradet wurde

Link zum Artikel

Leute, PICDUMP! 🙏

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

10
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Rene Goeckel 02.11.2018 12:16
    Highlight Highlight Leider verstehe ich Schwytzerdütsch nicht. Ich hoffe, der Film kommt auch (synchronisiert) nach Deutschland.
  • kuwi 01.11.2018 00:53
    Highlight Highlight Nichts macht mir so viel Angst wie religiöser Wahn. Und das alles nur, weil wir nach unserem Ableben gerne ins Paradies wollen. Aber unsere Welt richten wir zu unseren Lebzeiten zugrunde. Einfach geil, diese Ironie.
  • RalpH_himself 31.10.2018 20:42
    Highlight Highlight Der Plot tönt so als hätte der Drehbuchautor ziemlich viel LSD konsumiert. Oder der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Ich hoffe sehr auf ersteres.
    • pamayer 01.11.2018 06:52
      Highlight Highlight Eher zweites...
  • Bruno Wüthrich 31.10.2018 20:19
    Highlight Highlight Der Titel stört mich ein wenig. Ich erwartete etwas anderes als eine Filmbesprechung.

    Andererseits: für eine Filmbesprechung hätte ich wohl nicht auf den Artikel geklickt. Also aus Klick-Sicht alles richtig gemacht.
    • Evan 31.10.2018 20:28
      Highlight Highlight Ungeachtet des Kontext ist der Titel ziemlich passend.
    • glointhegreat 31.10.2018 21:45
      Highlight Highlight Ging mir auch so... Geklickt, aber halt nur 1/3 gelesen. .... Stört mich ein wenig dass euch klicks wichtiger sind als zufriedene leser. Trotzdem verliert ihr mich dank fehlender alternativen nicht als "kunden"
      ... Also auch hier, alles richtig gemacht. 😄
  • DichterLenz 31.10.2018 19:08
    Highlight Highlight Toller Bericht! Ich fand "Chrieg" schon sehr gut, bei dem Film werd ich dann wohl begeistert sein.
  • Spooky 31.10.2018 18:05
    Highlight Highlight Super! Leider sind jene Freikirchler, die ich kenne,
    nicht so interessant wie diese Ruth.
  • Julian Roechelt 31.10.2018 17:56
    Highlight Highlight Ich quäle in meinen Romanen auch gerne meine Protagonisten, die sich ja nicht wehren können, da sie frei erfunden sind. Jeder Autor hat das Zeug zum kleinen oder grossen Sadisten. Deswegen wählt man ja diesen Beruf.

«Der König der Löwen» kommt als Realfilm – einen ersten Eindruck gibt's im neuen Teaser

25 Jahre nach dem legendären Trickfilm «Der König der Löwen» wird Disney die Geschichte als Realfilm erneut in die Kinos bringen. Nun hat der Mauskonzern den ersten Teaser zum 2019 erscheinenden Megablockbuster veröffentlicht. Darin dürfen wir nicht nur einen ersten Blick auf Rafiki und Simba werfen, sondern auch auf die beeindruckende, computergenerierte Tierwelt Afrikas.

Interessant ist, dass Disney sich beim Teaser des Realfilms fast eins zu eins am Teaser des Trickfilms von 1994 orientiert …

Artikel lesen
Link zum Artikel