Leben
Wissen

Bisphenol A (BPA): Die meisten Menschen in Europa sind zu oft ausgesetzt

Science-News

Studie: Europäerinnen und Europäer sind zu oft der Chemikalie BPA ausgesetzt

14.09.2023, 02:1218.09.2023, 14:26

Die meisten Europäer sind der Chemikalie Bisphenol A (BPA) in Mengen ausgesetzt, die gesundheitsschädlich sind. Das teilte die Europäische Umweltagentur am Donnerstag mit und verwies auf neue Forschungsdaten.

Eine EU-Studie habe gezeigt, dass in drei der elf untersuchten Ländern wahrscheinlich alle Teilnehmer Mengen an BPA oberhalb des als unbedenklich geltenden Grenzwertes ausgesetzt waren. Das seien Frankreich, Portugal und Luxemburg.

Bisphenol A ist eine synthetische Chemikalie, die in unzähligen Lebensmittelverpackungen verwendet wird – beispielsweise in Plastikflaschen und Konservendosen – aber auch in Trinkwasserleitungen. Gemäss der EFSA, der europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, wird BPA auch bei Zwischenprodukten eingesetzt: So wird es beispielsweise in Polycarbonat-Kunststoff, einem transparenten und harten Kunststoff verwendet, «der wiederum zur Herstellung von Wasserspendern, Vorratsbehältern und Mehrweg-Getränkeflaschen verwendet wird», so die EFSA.

Schon in geringen Dosen kann die Chemikalie laut Umweltagentur das Immunsystem schwächen. Zudem kann es zu Unfruchtbarkeit und allergischen Hautreaktionen kommen.

Bisphenol A
Bisphenol A ist eine synthetische Chemikalie, die in unzähligen Lebensmittelverpackungen verwendet wird – beispielsweise in Plastikflaschen und Konservendosen.Bild: BAG

Der Anteil der insgesamt 2756 Studienteilnehmender, in deren Urin BPA-Mengen oberhalb des Grenzwertes gemessen wurden, lag den Angaben zufolge je nach Land bei zwischen 71 und 100 Prozent.

Leena Ylä-Mononen, Direktorin der Umweltagentur mit Sitz in Kopenhagen, schrieb in einer Mitteilung: «Wir müssen die Ergebnisse dieser Forschung ernst nehmen und auf EU-Ebene mehr Massnahmen ergreifen, um die Exposition gegenüber Chemikalien zu begrenzen, die ein Risiko für die Gesundheit der Europäer darstellen.»

BPA nur Spitze des Eisbergs

Über 13'000 verschiedene Chemikalien werden in Kunststoffen verwendet. Ein Viertel davon ist problematisch. Bei weiteren 50 Prozent ist unklar, wie sie sich auf Gesundheit und Umwelt auswirken, wie ein im Sommer veröffentlichter Bericht mit Schweizer Beteiligung gezeigt hatte.

Die einzelnen in der Öffentlichkeit bekannten problematischen Stoffe wie beispielsweise Bisphenol A (BPA) seien nur die Spitze des Eisbergs, schrieb die Eidgenössische Materialprüfungs und Forschungsanstalt Empa in einer Mitteilung vom Juni. Empa-Forscher haben den Bericht des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) mitverfasst. (sda/dpa)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die fünf grössten Plastiksünder am Mittelmeer
1 / 7
Die fünf grössten Plastiksünder am Mittelmeer
Am meisten Plastik gelangt mit 144 Tonnen täglich aus der Türkei ins Meer. Bild: Fans der türkischen Fussballmannschaft von Galatasaray bei einer Choreo mit Plastiktüchern.
quelle: ap/ap / str
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Leiter von Männerklinik erzählt: «Männer vergrössern sich den Penis wegen anderer Männer»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
8 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8
Wie die Schweiz nur knapp einer Atomka­ta­stro­phe entging
In den 1950er-Jahren träumte die Schweiz davon, ein eigenes Atomkraftwerk zu entwickeln und baute in Lucens VD eine Versuchsanlage. Das Vorhaben stand unter einem schlechten Stern: Beim Hochfahren der Anlage im Januar 1969 schmolz ein Brennstab durch und explodierte. Nur knapp entging die Schweiz einem GAU.
Die Mannschaft im Kontrollraum der Versuchsanlage in Lucens (VD) kannte ihren Reaktor gut. Die meisten waren bereits bei der Montage dabei gewesen, und seit drei Monaten lief das Mini-Atomkraftwerk nun schon ohne Unterbruch. Zwar war bekannt, dass die Technik noch unter Kinderkrankheiten litt – anfänglich hatten die Gebläse für das Kühlgas nicht richtig funktioniert, und Ende 1966 hatte sich bei einem Test im aargauischen Würenlingen ein Brennelement überhitzt und war geschmolzen.
Zur Story