Schweiz
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Postauto-Interimschef räumt ein: «Die Chauffeure wurden ausgepresst»



Postauto-Interimschef Thomas Baur hat in einem Interview grobe Fehler im Umgang mit den Chauffeuren des Unternehmens eingeräumt. «Die Chauffeure wurden ausgepresst.» Diesen seien bei der Arbeitszeit Minuten abgezwackt worden, um ein paar Franken einzusparen.

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Postauto-Interimschef Thomas Baur räumt Fehler ein. Bild: KEYSTONE

An gewissen Orten sei der offizielle Dienstantritt von 6.30 Uhr um eine Minute auf 6.31 Uhr verschoben worden, «nur, um ein bisschen weniger Lohnkosten zu haben und den Gewinn ein bisschen zu erhöhen», sagte der 54-jährige Manager in einem Interview mit dem «Blick» vom Donnerstag.

«Ja, wir haben Fehler gemacht», erklärte Baur, der die Postauto-Führung im Februar nach dem Köpferollen im Zuge des Subventions-Skandals übernommen hatte. Er versprach Besserung. Die Fehler würden angepackt. Es seien schon einige Veränderungen vorgenommen worden.

Testbesuche abgeschafft

Unter anderem seien lohnwirksame Kontrollen durch geheime Kontrolleure in Postauto-Bussen zur Freundlichkeit der Fahrer abgeschafft worden. Zudem gebe es ein Projekt für eine systematische Pausenraum-Regelung, damit Chauffeure nicht in Büsche pinkeln müssten.

Zwei Postauto sind auf der Fahrt durch das Eigenthal im Kanton Luzern am Sonntag, 16. September 2018. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Postautos im Luzerner Eigenthal. Bild: KEYSTONE

Die Problemliste bei Postauto sei lang. «Das geht nicht von heute auf morgen», sagte Baur. Es gebe noch «enorm viele» Baustellen im Betrieb. «Wir brauchen eine neue Kultur. Die Geschäftsleitung in Bern und die Basis haben sich in der Vergangenheit weit voneinander entfernt.»

Mehrere Skandale

Nach Skandalen, Problemen und mieser Stimmung unter der Belegschaft richtet sich Postauto derzeit neu aus. Am Montag war bekannt geworden, dass Postauto-Chauffeure von ihrem Arbeitgeber jahrelang zu wenig Zulagen und Spesen erhalten haben. Zwei Millionen Franken erstattet die PostAuto Schweiz AG ihren Chauffeuren wegen der fehlerhaften Abrechnungen zurück.

Im Februar hatte das Bundesamt für Verkehr bekannt gegeben, dass PostAuto ab 2007 durch gesetzeswidrige Umbuchungen systematisch Gewinne im regionalen Personenverkehr erschwindelt hatte. Bis mindestens 2015 erschlich das Unternehmen dadurch Subventionen in Höhe von rund 100 Millionen Franken. Der Skandal führte zu mehreren Untersuchungen und zu einem Köpferollen bei der Post. Im Juni trat Post-Chefin Susanne Ruoff zurück. (sda)

«Entlassung von Post-Chefin Ruoff ist hart, aber richtig»

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Video: srf

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Stefflein 20.09.2018 12:38
    Highlight Highlight An gewissen Orten sei der offizielle Dienstantritt von 6.30 Uhr um eine Minute auf 6.31 Uhr verschoben worden, «nur, um ein bisschen weniger Lohnkosten zu haben und den Gewinn ein bisschen zu erhöhen»
    Äh... ist das nicht irgendwie...Betrug? 🤔
  • Schnueffelix 20.09.2018 09:25
    Highlight Highlight Zwei Millionen werden zurückerstattet. Ich frage mich an der Stelle, wie hoch der Gewinn durch diese Praktiken waren. Ich gehe jetzt mal schwer davon aus, dass nicht das "was die Chauffeure zugute haben" zurückbezahlt wird sondern nur "das, was man der Postauto AG nachweisen konnte"....
    Ist wie bei Schwarzarbeit. Wenn der Betrieb durch Schwarzarbeit und Lohndumping 10 000 Gewinn macht und 2000 Busse zahlen muss, sinds unterm Strich immernoch 8000 Gewinn. Wenn man mal erwischt würde.
  • Töfflifahrer 20.09.2018 09:24
    Highlight Highlight Und der zuständige BR wusste von all diesen Schweinereien echt nichts? Wenn dem so wäre, zeigt dies nur auf, dass Doris Leuthard den Laden nicht im Griff hat. Wusste sie Bescheid, ist es umso schlimmer.
  • My Senf 20.09.2018 08:50
    Highlight Highlight Ich rate mal allen die noch Zeiterfassung haben Ihre Abrechnung genau zu kontrollieren!
    Da gibt es etliche Firmen die „einfachhalber“ beim umrechnen auf Dezimal einfach runden.

    Natürlich Abrunden!

    Aufs Jahr, kann das bis zu einem ganzen Tag ausmachen!
  • leu84 20.09.2018 08:50
    Highlight Highlight Hahaha. Sagt Herr Baur das nur so oder meint er das ernsthaft? Hat er dies, den PostAuto-Chauffeuren auch ins Gesicht gesagt?
  • walsi 20.09.2018 08:17
    Highlight Highlight Wenn der Service Public nach Grundsätzen der privaten Wirtschaft organisiert wird, ist das Versagen vorprogrammiert.
    • bokl 20.09.2018 09:05
      Highlight Highlight @walsi
      Ach was. Auch in der Privatwirtschaft hast du keinen Erfolg, wenn du die Belegschaft auspresst und die Stimmung im Keller ist. Unzufriedene Arbeitnehmer bringen schlechte Leistungen. Egal wer der Arbeitgeber ist.

      In der Privatwirtschaft geht die Bude einfach Konkurs und ein Konkurrent übernimmt. Das geht im Service Public nicht.
    • Schnueffelix 20.09.2018 10:53
      Highlight Highlight @bokl, dem kann ich nicht zustimmen. In der Privatwirtschaft werden solche, die Unzufriedenheit äussern oder ihr Recht einfordern schlichtweg aussortiert und "wieder dem Arbeitsmarkt zugeführt". Next please. Schliesslich hat es genug Arbeitnehmer, die auf den lohn mehr als nur angewiesen sind und nach ein oder Zwei Exempel auch nicht mehr wagen, aufzumucken.Selbst wenn man eine Rechtsschutz hat, läuft es vielleicht darauf hinaus, dass die den Fehlbetrag auszahlt, weil es billiger kommt als ein prozess. Und der Arbeitgeber macht munter weiter, ihm ist ja nix passiert.
    • kettcar #lina4weindoch 20.09.2018 11:25
      Highlight Highlight @bokl @schnueffelix wahrscheinlich habt Ihr beide recht, aber sprecht einfach von unterschiedlichen Branchen. Je nach Branche kann sich der Arbeitgeber mehr oder weniger erlauben. Was aber definitiv stimmt ist, dass es bei einem Quasi-Monopol sicher einfacher ist, mit den Mitarbeitern schlecht umzugehen. Noch einfacher, wenn es nicht "Spezialisten" sind, die die Arbeit verrichten müssen.
  • AskLee 20.09.2018 07:45
    Highlight Highlight Schöne Worte, die Zukunft wird zeigen ob es nur Worte waren.

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