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Komiker Peach Weber warnt vor Viagogo.
Komiker Peach Weber warnt vor Viagogo.
Bild: KEYSTONE

Ausverkauft, obwohl's noch Tickets gab: Musiker und Bund warnen vor Ticket-Anbieter Viagogo

Der Ticket-Anbieter Viagogo muss sich wegen seiner Geschäftspraktiken bald vor Gericht verantworten. Gegen den Ticket-Anbieter sind zwei Klagen eingereicht worden, eine davon vom Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO).
03.10.2017, 13:0203.10.2017, 15:41

Es ist nicht das erste Mal, dass Viagogo für Schlagzeilen sorgt. Bereits im August wehrte sich der Circus Monti gegen die Ticketplattform. Diese habe Karten zu überrissenen Preisen verkauft und falsche Daten angegeben.

Ähnliches widerfährt nun dem Aargauer Komiker Peach Weber, der seine Fans per Facebook auf Viagogo aufmerksam macht. Die Plattform würde Vorstellungen Webers als ausverkauft deklarieren, obwohl noch Tickets vorhanden seien. Weber rät davon ab, Billette auf Viagogo zu kaufen und droht dem Konzern rechtliche Schritte an.

«Ich wollte meine Fans vor Viagogo warnen», erklärt Weber seinen Facebook-Post. Sobald er mehr Zeit habe, würde er abklären, inwiefern er rechtlich gegen Viagogos Masche vorgehen kann. 

Hunderte Beschwerden gegen Viagogo

Eine der beiden eingereichten Klagen stammt von der Westschweizer Konsumentenschutz-Organisation FRC. Bei ihr gingen seit Anfang Jahr knapp hundert Beschwerden gegen die Online-Plattform Viagogo mit Sitz in Genf ein. Die FRC erhob Klage bei der Genfer Staatsanwaltschaft.

Die Konsumentenschützer werfen Viagogo Verstösse gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb vor. Die FRC bemängelt den intransparenten Handel mit Tickets. Der Preis steige beim Kaufverfahren ständig an und der Endpreis werde den Käufern bis zum Schluss vorenthalten.

Auch die Anzahl der angebotenen Tickets stimme oft nicht, kritisiert die FRC, wie sie in einem am Dienstag erschienenen Artikel des Magazins «Mieux choisir» festhielt. Sie sprach von einer «verabscheuungswürdigen Undurchsichtigkeit».

Nach Angaben der FRC will auch das Festival Rock Oz'Arènes eine Zivilklage gegen Viagogo einreichen. Die Klage befinde sich derzeit in Vorbereitung.

Bund erhielt über 260 Beschwerden

Auch das Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) geht gegen Viagogo juristisch vor. Gegen den Anbieter sei am 21. September eine Zivilklage beim Handelsgericht Zürich eingereicht worden, teilte das SECO am Dienstag mit.

Das SECO erhielt in den vergangenen beiden Jahren über 260 Beschwerden gegen die Ticket-Plattform. Mit der Zivilklage wolle man erreichen, dass die Ticket-Wiederverkaufsbörse weltweit transparenter werde.

Das SECO verlangt in ihrer Klage, dass Viagogo den Endpreis der Tickets klar bekanntzugeben hat. Dieser müsse auch Mehrwertsteuer und optionale Zuschläge wie Service- und Liefergebühren beinhalten.

Kein Gesetz gegen Wiederkauf von Tickets zu höheren Preisen

Die Praktiken von Viagogo und anderen Anbietern im Zweitmarkt für Tickets waren auch von der Swiss Music Promoters Association (SMPA) mehrmals kritisiert worden. Schon im Mai 2016 hatten der Branchenverband der professionellen Schweizer Konzert-, Show-, und Festivalveranstalter vor überteuerten Preisen gewarnt.

Die SMPA brachte die Problematik auch bereits in den Nationalrat ein, allerdings kam es bislang zu keinen Gesetzesänderungen. Der Nationalrat lehnte 2016 eine Motion von Sebastian Frehner (SVP/BS), welche den Wiederkauf von Tickets zu höheren Preisen als jene vom Veranstalter verbieten wollte, ab.

Einen neuen Versuch unternahm am Freitag der Waadtländer FDP-Nationalrat Olivier Feller. Er verlangt in einer Interpellation vom Bundesrat Auskunft darüber, was für Taten er der Klage der FRC gegen die Praktiken von Viagogo folgen lassen wolle.

Auch Klage gegen Luxstyle

Das SECO kündigte am Dienstag noch eine zweite Zivilklage gegen das dänische Online-Modeportal Luxstyle an. Diese wurde Ende Juni beim Handelsgericht des Kantons Bern eingereicht.

Schon im Dezember 2016 hatte das SECO vor Luxstyle gewarnt, nachdem betroffene Personen beanstandet hatten, dass sie Waren erhielten, obwohl sie nichts bestellt hatten. Nach Ansicht des SECO missachtet Luxstyle die für Online-Shops geltenden Transparenzbestimmungen.

Zudem würden auch bei Luxstyle Endpreise nicht korrekt angegeben und es mangle an Hinweisen auf mögliche Zollgebühren, Verzollungskosten und Schweizer Mehrwertsteuer. (aargauer zeitung/oli/sda)

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