Schweiz
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Bundesrat Alain Berset und Bundespraesidentin Simonetta Sommaruga waehrend einer Medienkonferenz des Bundesrates zur aktuellen Lage im Zusammenhang mit dem Coronavirus, am Freitag, 11. Dezember 2020, im Medienzentrum Bundeshaus in Bern. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Gesundheitsminister Alain Berset (r.), zusammen mit der zurzeit amtierenden Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga (l.) am 11. Dezember in Bern. Bild: keystone/archivbild

Analyse

Wie weiter mit Corona? Heute diskutiert der Bundesrat

Der Bundesrat will kurz vor Jahresende eine Corona-Zwischenbilanz ziehen. Die Ausgangslage ist äusserst komplex.



Der R-Wert sinkt. Die Fallzahlen stagnieren auf hohem Niveau. Die Feiertagssituation macht die aktuellen Zahlen nur schwer interpretierbar. Derweil befindet sich die Schweiz im Quasi-Shutdown: Restaurants und Bars sind geschlossen, das kulturelle Leben steht praktisch still. Nur die Skilifte, die laufen in immer mehr Kantonen.

Nicht nur das: Die ETH korrigierte den R-Wert nach unten. Die epidemiologische Lage sei Anfang Dezember in der Schweiz deutlich besser als ursprünglich vermutet gewesen, interpretierte der «Tages-Anzeiger» am Dienstag.

In dieser Ausgangslage trifft sich heute der Bundesrat zur «Zwischenbeurteilung». Wie weiter mit Corona? Es wird für die Mitglieder der Landesregierung eine der heikelsten Entscheidungen während der aktuellen Pandemie.

R-Werte, Fallzahlen und Spitaldaten zeigen nicht die ganze Wahrheit

Der tiefe R-Wert liess bereits Forderungen nach Lockerungen laut werden. Auch in der Bevölkerung stieg spürbar das Interesse nach den wichtigsten Corona-Kenngrössen.

Coronavirus in der Schweiz
R-Wert
Positivitätsrate
7-Tage-Ø
Verstorbene
mit Covid
7-Tage-Schnitt Tägliche Hospitalisierungen
7-Tage-Schnitt Tägliche Infektionen
7-Tage-Schnitt Tägliche Tote
Altesverteilung der Fälle: 0–29 30–59 60–99 Jahre
R-Wert Unsicherheitsfaktor

Doch: Statistische Grössen sagen in nackter Form wenig darüber aus, wie gut wir «Corona können» oder eben nicht können. Statistische Grössen müssen gedeutet, interpretiert und vor allem mit Vorsicht genossen werden.

Das betonte auch Tanja Stadler von der Covid-19-Taskforce, als sie sich zu den Korrekturen beim R-Wert äusserte: «Wir sind überzeugt, dass der aktuelle R-Wert basierend auf der Zahl bestätigter Fälle nicht das reale Infektionsgeschehen wiedergibt und die tatsächliche momentane Reproduktionszahl höher liegt.»

So sind auch die täglichen Fallzahlen lediglich Momentaufnahmen, die davon abhängen, wie häufig wir testen und wann ein Ergebnis gemeldet wird. Der R-Wert verrät erst einige Tage danach, wie stark sich das Virus weiterverbreitet. Und er bleibt eine Annäherung.

Hinzu kommen zahlreiche andere Faktoren wie: Wie lange hält das Gesundheitspersonal noch durch? Was macht das Wetter? Wie lange hält die Massnahmen-Disziplin bei der Bevölkerung? Und vor allem: Wie entwickelt sich das Virus selbst weiter?

Grossbritannien erlebt die «Mutation» mit voller Wucht

Die letzte Frage macht derzeit allen am meisten Sorgen: Die neu entdeckte Mutation scheint sich deutlich rascher weiterzuverbreiten.

Was das bedeuten könnte, erfährt die Welt aus Grossbritannien. Die Fallzahlen steigen dramatisch an, ebenso die Hospitalisierungen. Am Dienstagabend kursierte das Wort «Triage» in den Medien: Das Gesundheitspersonal könnte bald vor der «schrecklichen Entscheidungen» stehen, welche Corona-Patienten lebensrettende Behandlungen erhalten sollen.

In dieser unsicheren Phase will der Bundesrat sich heute treffen und eine erste Corona-Zwischenbilanz ziehen. Neue Massnahmen wird es zwar wohl keine geben. Derzeit ist unklar, wann und ob die Landesregierung über ihre Erkenntnisse und allfällige Entscheidungen kommunizieren wird. Bekannt ist lediglich das knifflige Spannungsfeld:

Die Schlüsse, die der Bundesrat heute zieht, prägen die Richtung, auf die sich die Schweiz in den kommenden Tagen vorbereiten wird: Flacht die Epidemie tatsächlich ab, schwindet mit jedem Shutdown-Tag zunehmend das Vertrauen in die Politik.

Steigen die Zahlen aber ähnlich wie in Grossbritannien an, könnte es passieren, dass der Bundesrat und die Kantone nach der zweiten Welle, auch das Worst-Case-Szenario für den Januar verschlafen.

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