Schweiz
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Prostituierte bieten sich an im Niederdorf am Donnerstag, 21. April 2011 in Zuerich. (KEYSTONE/Alessandro Della Bella)

Auch Bordelle sollen die App nutzen können. Bild: KEYSTONE

«Insta-Fuck»-App: Jetzt können Sexarbeiterinnen ihre Freier bewerten

Die Zürcher Sexdienstleistungs-App «Gingr» könnte das Leben von Sexarbeiterinnen einfacher machen: Neu können sie ihre Freier bewerten. Die Bewertungen werden nur den anderen Frauen angezeigt. Die Ambitionen sind da, doch die App steckt noch in den Kinderschuhen. Die Konkurrenz bleibt kritisch. 

Der Zürcher Sergio Rigert will viel. Als er 30 war, hatte er bereits seine Autobiografie geschrieben und blickte auf eine Vergangenheit als Nachtclubbesitzer zurück. Den Club musste er aus finanziellen Gründen nach einem knappen Jahr wieder schliessen. Nun ist Rigert zurück, mit genauso vielen Ambitionen, allerdings in einer anderen Branche: Der 32-Jährige tüftelt an seiner Sex-Dienstleistungs-App «Gingr», die Freier und Prostituierte zusammenbringen soll. «Vereinfacht gesagt: Wie Uber, einfach mit Sex», erklärt Rigert seine Idee. 

Virtuelles Bordell

«Gingr» funktioniert wie eine herkömmliche Buchungsplattform, allerdings sind zusätzliche Funktionen eingeplant. «Statt einfach eine Prostituierte zu buchen, kann der Freier die ‹Insta-Fuck-Option› nutzen», erklärt Rigert – ein Tool, das in der momentanen Beta-Version noch nicht funktioniere, aber in der definitiven Version vorgesehen sei. Damit soll der Freier via Filter seine Vorlieben angeben können. Wenn die Frau also grosse Brüste haben und blond sein soll, könne der Kunde diese Attribute anwählen, die Insta-Fuck-Option nutzen und die App schicke all den Prostituierten, die in der Nähe sind und auf seine Vorlieben passen, eine Anfrage. «Dadurch hat der Freier ein virtuelles Bordell, in dem alle Sexarbeiterinnen seinen Wünschen entsprechen und auch Zeit für ihn haben», sagt Rigert.

Sergio Rigert, Gingr, Gingr-App, Sexgewerbe, Sex-Dienstleistung

So bewirbt Rigert seine App. gingr

Sexarbeiterinnen sollen ihre Freier bewerten können

Dass Freier Sexarbeiterinnen auf Online-Portalen teilweise fragwürdig beurteilen, ist nichts Neues. Auf Gingr soll der Spiess aber zumindest zum Teil umgedreht werden: So können auch Sexarbeiterinnen ihre Freier bewerten. Diese Bewertungen werden dann ausschliesslich anderen Sexarbeiterinnen angezeigt.

Rebecca Angelini von der Fachstelle Frauenhandel und Frauenmigration sieht im Tool eine Chance, ist aber noch nicht überzeugt: «Das klingt erstmal positiv. Denn so können Sexarbeiterinnen bei schlechten Erfahrungen mit Freiern, oder wenn im Extremfall Gewalt vorgefallen ist, die anderen Frauen warnen. Für eine Beurteilung ist es aber noch zu früh. Wir haben noch keine Rückmeldungen von unseren Klientinnen, ob sich diese Funktion in der Praxis bewährt», sagt sie gegenüber watson.

Gingr verlinkt auf der eigenen Webseite auf Anlauf- und Beratungsstellen für Sexarbeiterinnen. Grundsätzlich, so Rigert, wolle man mit der App Prostituierte darin unterstützen, selbstständig und legal Geld verdienen zu können. 

Druck aus dem Sex-Milieu

Ein ähnliches Projekt – die Berliner App «Peppr» – scheiterte schon einige Monate nach dem Launch. Laut eigenen Angaben, seien die Macher mit dem medialen Rummel nicht zurecht gekommen und hätten sich zerstritten. Gerüchte erzählen eine andere Geschichte: So sei «Peppr» unter starken Druck aus dem Sex-Milieu geraten. Pia Poppenreiter, die damalige Mitgründerin der Peppr-App, war gegenüber watson zu keiner Stellungnahme bereit.

Rigert macht sich nur bedingt Sorgen, dass seine App im Milieu auf Ablehnung stossen wird. «Unsere einzige Konkurrenz sind andere Online-Portale.», sagt er. Patrick, von girlsbooking.ch, möchte seinen Nachnamen nicht genannt sehen, erklärt aber, warum er glaubt, dass Gingr keinen wirklichen Erfolg auf dem Markt haben wird.

Zu viele persönliche Daten

«Wir denken, dass Gingr ein Potenzial im Bereich der ‹Privaten Girls und Callboys› mitbringt, jedoch die Anforderungen für Sex-Clubs, Bordelle und Escort-Agenturen nicht erfüllt», sagt er. Weiter spreche das Design eher Frauen an – das von den potenziellen Inserenten gewünschte Segment seien aber klar Männer. «Wir denken, dass sich der Erfolg in Grenzen halten wird, da die Freier zu viele persönliche Daten bekannt geben müssen. Gerade Kunden von ‹privaten Frauen› wollen maximale Anonymität und buchen deswegen eher über Inserate-Seiten wie XDate, Figgä, SexABC oder And6», sagt er gegenüber watson.

Ob sich Gingr auf dem Markt bewähren wird, lässt sich frühestens nach dem definitiven Launch der App Ende Februar abschätzen.

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18Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gamble 11.02.2017 06:26
    Highlight Highlight Ich dacht Apple hat sehr strenge Richtlinien bezüglich dem App Store? Bin gespannt, ob diese App überhaupt freigegeben wird…
  • OkeyKeny 10.02.2017 22:15
    Highlight Highlight Ich hätte da auch eine Idee für eine App - Insta-Fuck Off. Frauen per Klick? Ich bin schockiert und gewidert. Bravo - Huren sind jetzt endgültig überall und jederzeit erhältlich. Und sogar noch Busengrösse und Haarfarbe kann man selbst bestimmen, das ist ja wie im Paradies.
    • Stichelei 11.02.2017 09:24
      Highlight Highlight Ich empfehle dir, dich einmal etwas vertieft mit Sexarbeit zu befassen. Wenn du das wirklich tust, wirst du feststellen, dass sich einige Vorurteile, die du so täglich vom Boulevard serviert bekommst, schnell in Luft auflösen werden. Wieso sollen sich Sexarbeiterinnen nicht der elektronischen Hilfsmittel bedienen, um ihre Dienste zu bewerben? Muss sich ja kein Freier diese App installieren und keine Sexarbeiterin sich auflisten lassen.
  • Jekyll & Hyde 10.02.2017 21:21
    Highlight Highlight Macht gar keinen Sinn. Bei Uber, Airbnb etc. bin ich es ja der eine Dienstleistung beansprucht. Bei dieser App ist es ja genau umgekehrt, die Dienstleiterin bewertet ihre potenziellen Kunden. Glaubt ihr das eine Prostituierte auf einen Kunden verzichtet wenn im App angezeigt wird "Schlechter Liebhaber" ??
    Ausserdem glaube ich kaum das irgendwelche Freier ihre gesamten Daten angeben wollen...
    • Gelegentlicher Kommentar 10.02.2017 21:50
      Highlight Highlight Das mag jetzt ein Schock für dich sein, aber stell dir vor - auch Sexarbeiterinnen haben Auswahlkriterien.
    • Blutgrätscher 11.02.2017 12:06
      Highlight Highlight Ersetz "schlechter Liebhaber" mit "wurde gewalttätig" und schon hast du deine Antwort
  • DocM 10.02.2017 13:42
    Highlight Highlight Ich versuchs mal ansatzweise ernst:
    1. Ich registrier mich via Mobilenummer und erhalte eine Stechernummer
    2. Ich such und finde den/die Dienstleistungsanbieter/-in meines aktuellen Begehrens
    3. Treffen findet statt
    4. Ich werde bewertet
    a) netter Kerl
    b) guter Zahler
    c) hat mich glücklich gemacht
    d) aggressives Auftreten
    e) gewalttätig

    Punkte a und c sind subjektiv, c ist messbar; für die Punkte d und e gibt es die Polizei und/oder den "Schutzbeauftragten".

    Mein Fazit: Wenn eine d oder e Typ ist, wird er kaum über ein App buchen; dann ist ein kontrolliertes Puff besser
    • lilie 10.02.2017 17:57
      Highlight Highlight Ich glaube kaum, dass die Sexarbeiterin strafbares Verhalten bewerten werden bzw. hoffe, dass sie sich in solchen Fällen vor allem an die entsprechenden Stellen wenden.

      Ich denke, dass es um eher harmlosere, aber in diesem Gewerbe eben gewichtige Dinge gehen könnte wie: gepflegt oder nicht, Bartträger oder glattrasiert, Raucher oder nicht, kommt sofort zur Sache oder will zuerst noch reden...

      Auch Alkohol/Drogenkonsum könnte ein Thema sein (das wär dann schon ein bisschen weniger harmlos).
    • Gelegentlicher Kommentar 10.02.2017 21:51
      Highlight Highlight Auch ob der Kunde ein Kondom benutzt oder sich weigert kann ein Kriterium sein
    • DocM 11.02.2017 01:53
      Highlight Highlight Somit sprechen wir eher von einer Datenbank mit n:n Beziehungen als 1:n; viel Spass dabei; somit von BI zu AI
  • Karl Müller 10.02.2017 11:47
    Highlight Highlight Aha, Peppr ging schon bachab. Und wenns mit Gingr auch nicht klappen sollte, dann kann mans ja noch mit Cinnamn, Slt, Mustrd und Basl probiern.
  • Zwerg Zwack 10.02.2017 10:49
    Highlight Highlight Poppenreiter 😂
    • Conker 10.02.2017 12:26
      Highlight Highlight Juhu, ich bin nicht der einzige, der bei dem Namen doppeldeutig gedacht hat. XD
    • Mia_san_mia 10.02.2017 16:12
      Highlight Highlight Das musste ich auch lachen 😁
    • pamayer 10.02.2017 19:46
      Highlight Highlight Bin auch genau da poppen geblieben.
  • Stichelei 10.02.2017 10:29
    Highlight Highlight Die Möglichkeit der Freierbewertung scheint mir grundsätzlich eine sehr nützliche Funktion für einen besseren proaktiven Schutz der Sexarbeiterinnen. Einer der Stolperstersteine der App könnte aber die Lösung der Datenschutzaspekte sein.
  • Pacman 10.02.2017 10:15
    Highlight Highlight Braucht niemand...
    • LaPaillade #BringBackHansi 10.02.2017 11:15
      Highlight Highlight Gut reflektierter Kommentar, auch geniale und super nachvollziehbare Argumentationslogik.




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