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ARCHIV - ZUM TOD VON HANS-RUDOLF STRASSER STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG. - Hans-Rudolf Strasser, Informationschef des Eidgenoessischen Militaerdepartements, EMD, und Fuehrungsmitglied der Geheimorganisation P-26, aufgenommen im Januar 1990. (KEYSTONE/Karl-Heinz Hug)

Deckname «Franz»: Hans-Rudolf Strasser war Mitglied der illegalen Geheimarmee P-26. Bild: KEYSTONE

Er baute die geheimste Geheimarmee der Schweiz mit auf: P-26-Stabsmitglied Strasser ist tot

Hans-Rudolf Strasser, bekannt durch sein Doppelleben als Informationschef des Eidg. Militärdepartements (EMD) und Führungsmitglied der Geheimorganisation P-26, ist tot. Er verstarb im Juni im Alter von 79 Jahren. Die P-26 wurde 1990 vom Bundesrat aufgelöst.



Strassers Tod machten am Montag die Ehemaligenvereinigung der Kader-Organisation für den Widerstand im feindbesetzten Gebiet und das Musée Résistance Suisse 1940–1990 in einer ausführlichen Todesanzeige bekannt. Er starb gemäss den Angaben bereits am 23. Juni. Eine Trauerfeier findet im Oktober im Berner Münster statt.

Deckname «Franz»

Unter dem Decknamen «Franz» gehörte Strasser zum Stab der Geheimorganisation P-26. Der ausgebildete PR-Berater habe Absolventen von Spezialkursen in den Bereichen Information, Propaganda und psychologische Kampfführung ausgebildet, so die Todesanzeige.

Auch an die Enttarnung Strassers durch das damalige Radio DRS am 11. Dezember 1990 erinnern die Verfasser der Todesanzeige: «Sein Departementschef, der ohnehin durch die Fichenpsychose im Parlament restlos entnervte Kaspar Villiger, jagte ihn unverzüglich aus dem Amt.»

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Haus in einem Waldstück bei Burgdorf BE. In diesem Haus soll sich die Kommandozentrale der enttarnten Geheimarmee P-26 befunden haben.
Bild: keystone

Anfang 1990 war bereits bekannt geworden, dass Strasser in der Geheimarmee unter dem früheren Geheimdienstobersten Albert Bachmann tätig gewesen war. Darüber habe Strasser das Departement informiert, aber nicht, dass er immer noch Mitglied der Organisation sei, schrieb das EMD zur Vorgehen gegenüber Strasser.

Departementschef Villiger erwarte von seinen Mitarbeitern «in politischen Fragen vorbehaltlose Offenheit». Daran habe es Strasser mangeln lassen. Deshalb, und nicht wegen seiner Mitgliedschaft in der P-26, sei er beurlaubt worden.

Ehemalige P-26-Mitglieder packen aus – Bericht von «Reporter»

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YouTube/Kevin Obermüller

«Wohl dank politisch schlechtem Gewissen» habe Villiger Strasser nicht entlassen, heisst es in der Todesanzeige weiter. 1991 erhielt Strasser die Aufgabe, Konzeptgrundlagen für eine Neugestaltung der Kommunikation innerhalb der Truppe zu erarbeiten. Anfang 1993 wurde der damals 56-Jährige vorzeitig in den Ruhestand versetzt.

Widerstand gegen Besetzer aufbauen

Die Verfasser der Todesanzeige würdigten Strassers jahrzehntelanges Wirken zugunsten der geheimen Widerstandsvorbereitung. Er habe damit mehr für die Schweiz geleistet, «als die meisten von uns je zu leisten vermöchten».

Das «Projekt 26» war eine während des Kalten Krieges ab 1979 aufgebaute geheime Kaderorganisation, die im Fall einer feindlichen Besetzung der Schweiz Widerstand aufbauen und leisten sollte. Ihr Chef war nur einem kleinen Kreis von Personen bekannt.

Finanziert wurde die von Armee und Verwaltung unabhängige P-26 aus verschiedenen Quellen – jedoch ausschliesslich aus Kreditrubriken des damaligen Eidgenössischen Militärdepartements. Bei der Auflösung hatte sie 400 Mitglieder, der Sollbestand betrug 800 Personen. Die P-26 verfügte über Waffen.

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Artilleriebunker im Berner Oberland. Der Bunker wurde im Zweiten Weltkrieg gebaut und diente der P-26 als Treffpunkt und Übungsort.
Bild: keystone

Akten unter Verschluss

Die Auflösung der P-26 im Jahr 1990 bedeutete aber nicht die vollständige Offenlegung: 2009 entband der Bundesrat die Veteranen des geheimen Widerstandes im Zweiten Weltkrieg und im Kalten Krieg zwar von ihrer Schweigepflicht. Sie durften sich aber nur über ihre Zugehörigkeit zu einer Gruppe und über eigene Diensterlebnisse äussern.

Die Akten zur P-26 dagegen bleiben bis etwa ins Jahr 2040 unter Verschluss. Der Bundesrat wies in einer 2010 veröffentlichten Antwort auf eine Motion auf die gesetzliche Sperrfrist von 50 Jahren für besonders schützenswerte Personendaten hin. (wst/sda)

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