Schweiz
Basel-Landschaft

Das Grundwasser im Kanton Basel-Land ist verschmutzt, zeigt ein Bericht

With a field sprayer system, a tractor applies pesticides to a lettuce field on the Gemuese Kaeser & Co. farm in Birmenstorf, Switzerland, photographed on 17 September 2019. An insecticide is supp ...
Auch Pestizide aus der Landwirtschaft sind für die schlechte Grundwasserqualität verantwortlich.Bild: KEYSTONE

Zu viele Pestizide: Baselbieter Grundwasser mit zahlreichen Spurenstoffen belastet

Das Amt für Umweltschutz hat das Grundwasser im Kanton Basel-Landschaft genauer unter die Lupe genommen. Ihr Fazit: Die Schweizer Gewässerschutzverordnung wird mehrfach überschritten. Dagegen helfen würden etwa weniger Pestizide aus der Landwirtschaft.
05.07.2024, 14:0505.07.2024, 14:06
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Das Grundwasser im Kanton Basel-Landschaft ist mit zahlreichen Spurenstoffe aus Industrie, Landwirtschaft und Haushalten belastet. Dies zeigt ein Untersuchungsbericht des Amts für Umweltschutz und Energie (AUE), der am Freitag veröffentlicht wurde.

Gewässerschutzverordnung mehrmals überschritten

Das AUE sieht Handlungsbedarf beim Schutz des Grundwassers. Es kommt zum Schluss, dass alle Grundwasservorkommen im Kanton mit verschiedensten Spurenstoffen belastet sind. Im Bericht heisst es zudem:

«Praktisch jede Messstelle wies in den letzten Jahren eine bis mehrere Überschreitungen von den Anforderungswerten gemäss der Gewässerschutzverordnung auf.»

Vor allem in den dicht besiedelten Gebieten sei das Grundwasser gefährdet oder bereits mit zahlreichen Stoffen belastet.

Herausforderung für die Trinkwasser-Aufbereitung

Die gemessenen Konzentrationen an Spurenelementen führten jedoch in keinem Grundwasserleiter zu einer Einschränkung der Nutzung.

Die Grundwasserqualität sei vergleichbar mit derjenigen der ganzen Schweiz. Auch müsse kein Trinkwasser aufgrund der Befunde aufbereitet werden. Das Grundwasser weise im Kanton generell eine «gute Qualität» auf, sodass es für die Trinkwassernutzung lediglich mit einfachen Aufbereitungsverfahren behandelt werden müsse.

Das AUE hält allerdings fest, dass sich dies bei einer weiteren Belastung auch ändern könne:

«Geht die Zunahme des Eintrags von Spurenstoffen weiter und die Belastung des Grundwassers nimmt weiter zu, kann dieses nicht mehr ohne Aufbereitung zur Entfernung von Spurenstoffen konsumiert werden.»

Die problematischen Stoffe seien nur mit grossem Aufwand entfernbar, was eine zusätzliche Herausforderung für die Trinkwasseraufbereitung darstelle.

AUE fordert weniger Pestizide

In manchen Teilen des Kantons sind Pestizide verbreitet, und zwar ähnlich häufig wie in der gesamten Schweiz. Je nach Grundwassergebiet wurden zwischen 40 bis 50 Stoffe von den insgesamt 360 analysierten Pestiziden festgestellt. Die kleinen Bäche im landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebiet sind erheblich mit Pestiziden belastet, wie das AUE schreibt. Die erhöhten Konzentrationen im eher städtischen Raum Muttenz und Pratteln seien hauptsächlich auf die Anwendung der Pestizide im Güterbahnhof zurückzuführen.

Der Fluss Birs und das Naturschutzgebiet, aufgenommen am Mittwoch, 23. August 2023 in Reinach, Kanton Baselland. Die Gemeinde ist eine von zehn Gemeinden aus den Kantonen Baselland und Solothurn, welc ...
Auch er ist mit Pestiziden belastet: Der Fluss Birs in Reinach, Kanton Baselland.Bild: KEYSTONE

Um die Belastungen des Grundwasser nachhaltig zu reduzieren, schlägt das AUE vor, den Einsatz von Pestiziden zu reduzieren. Abhilfe könne ebenso der geplante Ausbau von Kläranlagen mit einer vierten Reinigungsstufe leisten, ebenso die Wartung von Kanalisationsleitungen und die Sanierung von Altlasten.

Das AUE hatte während zehn Jahren an über 800 Messstellen knapp 800 verschiedene Stoffe analysiert. Bei der Untersuchung wurde im Gegensatz zur nationalen Messung «Naqua» nicht nur Grundwasser mit Trinkwassererfassung unter die Lupe genommen, sondern gesamte Grundwassergebiete, um ein vollständigeres Bild zu gewinnen, wie es weiter heisst.

Mit der Beobachtungen an weiteren Messstellen seien deutlich mehr Belastungen erkennbar. Daher brauche es «weiterführende Anstrengungen» beim betrieblichen Gewässerschutz, bei der Siedlungsentwässerung und bei der Landwirtschaft. (sda)

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74 Kommentare
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El_Chorche
05.07.2024 14:27registriert März 2021
Ironie des Schicksals:

Schweizer Bauern sorgen zusammen mit der SVP und ihren Pestiziden für unfruchtbare Einwohner, wodurch wir mehr Zuwanderung benötigen, um den Geburtenrückgang zu kompensieren.

Sprich: Wir sind wegen der SVP auf eine hohe Einwanderung angewiesen.

Irre, oder? :D
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Urban Riedo
05.07.2024 15:30registriert Mai 2024
Wer halt der SVP, Bauernlobby und ihrem unsäglichen Herr Ritter mehr Vertrauen schenkt, muss sich nicht wundern, wenn wir in Zukunft das Trinkwasser in Flaschen kaufen müssen und unser "Hahnenburger" versiegt.
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Bert Stein
05.07.2024 16:25registriert November 2020
Irgendjemand müsste doch mal eine Initiative zum Schutz des Trinkwassers machen!
Oups, stimmt… Haben wir ja kürzlich abgelehnt.
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