Schweiz
Bern

Das wird aus dem zensierten BLS-Bericht bekannt

ARCHIVBILD ZU DEN HALBJAHRESZAHLEN 2018 DER BLS, AM DIENSTAG, 18. SEPTEMBER 2018 ---- A BLS train pictured at Thun train station, Canton of Berne, Switzerland, on May 16, 2017. (KEYSTONE/Christian Beu ...
Die BLS ist nach der SBB der zweitgrösste Bahnbetreiber der Schweiz. Bild: KEYSTONE

Die BLS wollte Untersuchungsbericht nicht herausgeben – nun musste sie es trotzdem tun

27.11.2025, 14:5627.11.2025, 16:16

Im Jahr 2020 wurde durch einen Bericht bekannt, dass die Berner Bahnfirma BLS jahrelang zu hohe Subventionen von Bund und Kantonen bezogen hatte. Der Verwaltungsrat der BLS hat daraufhin einen Wirtschaftsberater von PWC beauftragt, die Vorwürfe zu untersuchen.

Das Fazit dieser Untersuchung ist Folgendes: Das Management habe vom Subventionsbetrug gewusst. Die Folgen davon waren, dass BLS-Chef Bernard Guillelmon im September 2020 zurücktreten musste, wie der Tages Anzeiger berichtet.

Bernard Guillelmon, CEO BLS, spricht an einer Pressekonferenz ueber die die zu hohen Subventionen fuer die BLS, am Freitag, 28. Februar 2020, in Bern. Die BLS muss 43,6 Millionen Franken zurueckzahlen ...
Bernard Guillelmon ist heute selbstständiger Unternehmensberater.Bild: KEYSTONE

Der Bericht dient nun als Grundlage einer Strafuntersuchung gegen Guillelmon und ein weiteres ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied. Die beiden wurden vom Bundesamt für Verkehr angeklagt.

Ein geschwärzter Bericht

Von dem Bericht hat die BLS bis heute nur zwei zusammenfassende Seiten veröffentlicht. Die Redaktion des «Tages Anzeigers» verlangte auf Basis des Öffentlichkeitsprinzips die Herausgabe des Berichts. Die BLS wehrte sich jedoch gegen diese Herausgabe.

Der Bericht wurde der Redaktion schliesslich geschwärzt herausgegeben. Laut dem «Tages Anzeiger» ist dieser 66 Seiten lang und grösstenteils zensiert.

Baden-Wuerttemberg/ Akten liegen am Mittwoch (02.11.11) zu Beginn des Prozesses gegen einen wegen Mordes an seinem sechsjaehrigen Sohn angeklagten 43-Jaehrigen im Schwurgerichtssaal im Landgericht in  ...
Ein Grossteil der Informationen im Bericht ist geschwärzt und somit unlesbar. (Symbolbild)Bild: AP dapd

Lesbare Passagen

Einige Abschnitte des Berichts seien lesbar geblieben. So zum Beispiel, dass in der Abteilung Preissysteme seit mindestens 2013 bekannt gewesen sei, dass Erlöse aus Halbtaxaboverkäufen nicht in die Offerten der Öffentlichkeit gekommen seien. Dadurch hätten zu hohe staatliche Abgeltungen verlangt werden können.

Gemäss dem Bericht soll ein Abteilungsleiter mindestens einer Mitarbeiterin gesagt haben, die Halbtaxerlöse gegenüber Bund und Kantonen unerwähnt zu lassen. Es sei jedoch unklar, ob diese Führungskraft Anweisungen von oben erhalten habe.

Die Geschäftsleitung habe spätestens im März 2017 Kenntnis von den Tricksereien gehabt. Trotzdem habe Ex-Chef Guillelmon den Verwaltungsrat erst zwei Jahre später informiert – nachdem die Berner Kantonsverwaltung kritische Fragen zu den Berechnungen gestellt habe.

Auf Anfrage des «Tages Anzeiger», wieso der Bericht zensiert wurde, habe der heutige Firmenchef Daniel Schafer gesagt, dass genannte Personen damit zum einen geschützt werden sollten.

Zum anderen habe man verhindern wollen, dass bei den BLS-Mitarbeitern erneut Unruhe aufkäme. (nib)

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19 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Alter
27.11.2025 15:40registriert September 2025
Ein seltsames Rechtsverständnis haben die bei der BLS:
"damit keine Unruhe aufkommt"
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GarChest
27.11.2025 15:50registriert April 2025
Wenn fast alles geschwärzt ist, wird dem Öffentlichkeitsprinzip meines Erachtens nicht Rechnung getragen.
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Ich-möchte-verstehen
27.11.2025 16:25registriert April 2022
Die Abhängigkeit, Verzahnung und die teuren Redundanzen zwischen BLS und SBB (gilt auch für weitere Bahnbetriebe) ist derart gross, dass es sowieso sinnvoll wäre diese zusammenzulegen. Von einer sinnvollen Konkurrenz sind wir bei so stark subventionierten Unternehmen weit entfernt. Da stehen heilige Kühe auf dem Eis und enorme Sparpotentiale.
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