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Das Red Bull Media House bezeichnet sich als «einen der weltführenden Medienkonzerne für Premium-Inhalte».
Das Red Bull Media House bezeichnet sich als «einen der weltführenden Medienkonzerne für Premium-Inhalte».
bild: watson/ lea senn

Stier in Lauerstellung: Warum Red Bull die neue SRG werden könnte

Für den Fall, dass die SRG ihre Lichter löschen muss, stehen als Nachfolger bereits kommerzielle Mediengiganten in den Startlöchern. Ein Beispiel dafür ist der Getränkehersteller Red Bull, der heute schon Medienkanäle in 36 Sprachen betreibt.
25.01.2018, 08:24

Was danach kommt, weiss niemand: Stimmen Volk und Stände der No-Billag-Initiative am 4. März zu, bricht in der Schweiz eine neue Medien-Ära an. Durch den Wegfall der SRG entstünde in der hiesigen Medienlandschaft ein Vakuum. Wer dieses füllen könnte – dazu kursieren verschiedene Theorien.

Linke Politiker befürchten, dass SVP-Übervater Christoph Blocher seine Medienmacht weiter ausbauen würde. Zuverlässig taucht das Schreckensgespenst der «Blocherisierung» in jeder Billag-Debatte auf. Andere Beobachter spekulieren darauf, dass private Schweizer Fernsehstationen in die Bresche springen.

So liebäugelten Regionalsender in der «SonntagsZeitung» damit, «verstärkt in Inhalte zu investieren, die heute die SRG besetzt». Etwa in Rechte für Eishockey- oder Fussball-Übertragungen. Ähnliche Absichten tat in der «Schweiz am Wochenende» auch Dominik Kaiser, Chef des Schweizer Privatsenders 3+, kund. Er würde bei einem Aus der SRG vor allem den Unterhaltungsbereich weiter ausbauen.

«Weltführender Medienkonzern»

Noch kaum auf dem Radar ist derweil ein anderer Player: Der Getränkegigant Red Bull. Neben klebrigen Energydrinks produziert der Konzern längst auch Medieninhalte – und zwar im grossen Stil. Vor zehn Jahren gegründet, verfügt das Red Bull Media House inzwischen über ein Netzwerk von Büros, Partnern und Korrespondenten in mehr als 160 Ländern sowie über Kanäle in 36 Sprachen. Auf seiner Website bezeichnet es sich selber als «einen der weltführenden Medienkonzerne für Premium-Inhalte.»

Über 6 Milliarden Dosen seines Energydrinks verkauft Red Bull jährlich.
Über 6 Milliarden Dosen seines Energydrinks verkauft Red Bull jährlich.
Bild: EPA

Mit einem Gesamtumsatz von sieben Milliarden Franken – und einem kolportierten Medien-Umsatz von 635 Millionen – lässt Red Bull die privaten Schweizer TV-Anbieter wie Zwerge erscheinen. So kann die 3+-Senderkette von Dominik Kaiser gemäss Berechnungen des Magazins «Schweizer Journalist» nach mehreren Jahren konstanten Wachstums und Traumquoten heute einen Umsatz von 45 Millionen Franken verbuchen – im Reich der roten Stiere fast schon Peanuts.

Neben Red Bull TV – einem Online-Programm, das primär Inhalte aus dem Sport- und Action-Segment liefert –, betreibt der Konzern auch den Sender Servus TV, der im gesamten deutschen Sprachraum über Kabel und Satellit empfangen werden kann. Dieser hat den Anspruch, ein journalistisches Vollprogramm zu bieten: Von Newssendungen über Kultur und Brauchtum bis hin zu Sport, Unterhaltung, eigenproduzierten Serien und Naturdokumentationen deckt die Redaktion rund um die Uhr das ganze Spektrum ab.

Das Programm von Servus TV umfasst mehrere Nachrichtenformate.
Das Programm von Servus TV umfasst mehrere Nachrichtenformate.
Bild: Servus TV

In Österreich fahre der Sender seit einiger Zeit «Quotenrekorde» ein, berichtete das deutsche «Medienmagazin» unlängst. Nun wolle der Sender auch in Deutschland wachsen – und habe sich zu diesem Zweck eine neue Personalstruktur verpasst.

In der Schweiz landeten die Red-Bull-Medien bereits vor einem guten Jahr einen Coup: Damals übernahmen sie im Verkehrshaus Luzern – dem meistbesuchten Museum der Schweiz – die prestigeträchtige Medienausstellung von der SRG. «Ein Entscheid von grosser Symbolkraft», wie die «Medienwoche» damals schrieb. Schweizer Radio und Fernsehen hatten das Projekt demnach aus Spargründen aufgegeben.

Seit Oktober 2016 betreibt Red Bull die Medienausstellung im Verkehrshaus.
Seit Oktober 2016 betreibt Red Bull die Medienausstellung im Verkehrshaus.
bild: verkehrshaus.ch

Als globales Medienunternehmen habe man «grosses Interesse daran, Begeisterung für das Thema Medien zu wecken und die neusten technischen Entwicklungen der Medienwelt erlebbar zu machen», kommentiert die Medienstelle des Red Bull Media House das Engagement im Verkehrshaus. Die Medienkompetenz von jungen Leuten zu fördern und sie für die Medienbranche zu begeistern, sei «essentiell für die Zukunft des Medienstandorts Schweiz».

«Die Schweiz spielt innerhalb des Red Bull Media House eine wichtige Rolle.»
Medienstelle des Red Bull Media House

Was allfällige Expansionspläne in der Schweiz angeht, lassen sich die Red-Bull-Medien hingegen nicht in die Karten schauen. «Die Schweiz spielt innerhalb des Red Bull Media House eine wichtige Rolle», hält die Medienstelle auf Anfrage von watson fest. Die bevorstehende Abstimmung wolle man jedoch nicht kommentieren, auch über zukünftige Projekte könne man sich «aufgrund der Unternehmensphilosophie» nicht weiter äussern.

Träte ein privater Mediengigant wie Red Bull in die Fussstapfen der SRG, würde für die Gegner der No-Billag-Initiative ein Schreckensszenario Realität. Sie warnen davor, dass private Investoren nur jene Teile des TV-Programms aufrechterhalten würden, die sich kommerziell lohnen. Über die Themen, die die Schweizer Politik und Gesellschaft beschäftigen, würde nur noch punktuell berichtet. Zudem drohten die Konzerne, die neu erlangte Medienmacht zu nutzen, um ihre kommerziellen und politischen Interessen durchzusetzen, so die Befürchtung.

Red-Bull-Gründer investiert in umstrittene Recherche-Plattform

In Österreich ist erst kürzlich eine Kontroverse über die journalistische Mission von Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz entbrannt. Vor wenigen Monaten erweiterte der Getränkemogul – der auch mehrere Sportclubs besitzt – sein Medienportfolio um ein weiteres Projekt: Das Online-Portal «Addendum» hat den Anspruch, mit investigativen Recherchen die «Lücke» zu füllen, die der herkömmliche Journalismus angeblich offen lasse.

Mateschitz ist längst mehr als ein Getränkemogul. 
Mateschitz ist längst mehr als ein Getränkemogul. 
Bild: EPA APA

Dabei richtet Mateschitz, dessen Vermögen laut Forbes auf 13,4 Milliarden Euro geschätzt wird, mit der grossen Kelle an: Rund sechs Wochen lang arbeiten Rechercheteams von bis zu zehn Personen an Fragestellungen wie «Asyl – ein Konzept von gestern?» oder «Ist der Sozialstaat noch zu retten?». Finanziert wird Addendum über eine von Mateschitz gegründete Privatstiftung.

Für das Projekt gab es Applaus – aber auch Kritik. Für Stirnrunzeln sorgte insbesondere ein Interview, das Mateschitz kurz vor der Lancierung seines neuen Portals der «Kleinen Zeitung» gegeben hatte. Darin rechnete er mit der intellektuellen Elite ab, kritisierte die Politik der offenen Grenzen und nahm Donald Trump in Schutz. Die auflagenstarke «Kronen Zeitung» verpasste dem Portal «Addendum» daraufhin den Übernamen «Bullbart» – in Anlehnung an das US- Rechtsaussen-Portal «Breitbart».

Bei der SRG mag man nicht über mögliche Nachfolger spekulieren. Bei einer Liquidation würden «die nicht mehr benötigten Infrastrukturen sukzessive verkauft», teilt die Medienstelle mit. Gemeint sind Standorte in Zürich, Basel und Bern, in Aarau, Chur, Luzern und St. Gallen sowie all das technische Equipment, das darin schlummert. Zum Wert der Anlagen will die SRG keine Angaben machen.

Alle Akteure in der No-Billag-Debatte – dank Helene hast du den Durchblick

Video: Angelina Graf

Alles zur No-Billag-Initiative [05.03.2018,cbe]

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