Schweiz
Blaulicht

Für verbotene Schals werden in der Schweiz mehrere zehntausend Franken bezahlt

Im vergangenen Jahr wurden 72 Schals beschlagnahmt. Dafür mussten fast 300 Tibetantilopen sterben.
Im vergangenen Jahr wurden 72 Schals beschlagnahmt. Dafür mussten fast 300 Tibetantilopen sterben.
Bild: KEYSTONE

Für verbotene Schals werden in der Schweiz mehrere zehntausend Franken bezahlt

15.03.2016, 13:2015.03.2016, 13:20

Durch intensivierte Kontrollen und eine stärkere internationale Zusammenarbeit will die Schweiz den Handel mit Schals aus Shahtoosh-Wolle ausmerzen. Im vergangenen Jahr wurden 72 Schals beschlagnahmt. Dafür mussten fast 300 Tibetantilopen sterben.

Schals aus der Wolle der Tibetantilope gelten als die wertvollsten, feinsten und wärmsten der Welt und sind daher als Luxusprodukt bei den Reichen beliebt. Diese sind bereit, bis zu 20'000 Franken für einen Schal aus reiner Shahtoosh-Wolle auszugeben.

Samih Sawiris' Bruder am Zoll erwischt

Im vergangenen Sommer wurde beispielsweise Nassef Sawiris, der Bruder von Samih Sawiris der in Andermatt ein Luxusressort baut, wegen eines solchen Schals an einem Schweizer Zoll angehalten. Das Problem: Der Handel mit der Tibetantilope und ihren Erzeugnissen ist seit 1979 verboten, der Erwerb eines Schals aus ihrer Wolle damit auch.

Seit 2013 haben das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Kontrollen intensiviert und eine zunehmende Zahl von Schals konfisziert. Im vergangenen Jahr waren es 72 Stück. Für die Herstellung eines einzigen reinen Schals müssen zwei bis fünf Antilopen getötet werden.

Mikroskop kann Shatoosh-Wolle nachweisen

«Es ist sehr schwierig, Shatoosh-Schals beispielsweise von Kashmir-Schals zu unterscheiden - insbesondere, wenn es sich um ein Gemisch handelt», sagte Mirjam Walker, Leiterin des Fachbereichs Kontrolle beim BLV, vor dem Medien in Bern. Mit einer neueren Mikroskop-Methode hätten die Kontrolleure nun die Möglichkeit, die Shatoosh-Wolle nachzuweisen. Dies sei wichtig, um vor Gericht einen Beweis zu haben.

Für die Herstellung eines einzigen reinen Schals müssen zwei bis fünf Antilopen getötet werden.
Für die Herstellung eines einzigen reinen Schals müssen zwei bis fünf Antilopen getötet werden.
Bild: KEYSTONE

«Die Schals kommen hauptsächlich an der Grenze im Engadin in die Schweiz», sagte Walker weiter. Die meisten der Kontrollierten gäben an, den Schal in Mailand gekauft zu haben. Dank solchen Kontrollen wüssten die Behörden, mit wem sie die Informationen gezielt austauschen müssen, um den illegalen Handel zu stoppen.

Der Bund erachtet die in der Schweiz beschlagnahmten Schals nur als Spitze des Eisbergs eines illegalen internationalen Handels. Um diesen wirksam zu bekämpfen und die Kriminellen zu verfolgen, sei eine Zusammenarbeit mit Interpol und eine internationale Vernetzung von entscheidender Bedeutung, führten die Vertreter des Bundes aus.

Domestizierung der Tiere nicht möglich

Die Tibetantilopen leben in den Hochplateaus des Tibets in Höhen von bis zu 5000 Metern und sind einem sehr harschen Klima ausgesetzt. Zum Schutz vor der Kälte haben die Tiere das extrem warme Fell an Bauch und Kinn entwickelt.

«Die Tibetantilopen gehören zu denjenigen Tierarten, die nicht domestiziert werden können», erklärt Matthias Lörtscher, der Leiter des Artenschutzes beim BLV.

«Es ist zudem fraglich, ob das Tier das spezielle Fell behalten würden, wenn es in tieferen und damit wärmeren Lagen domestiziert würde», gibt Walker zu bedenken. Deswegen werden die Tiere gewildert, was die Population der Tibetantilope in einem Jahrhundert um rund 90 Prozent dezimiert habe. (whr/sda)

Elfenbein sichergestellt

1 / 9
Elfenbein sichergestellt
Drei Chinesen haben Anfang Juli 2015 versucht, rund 262 Kilogramm Elfenbein via Schweiz nach China zu schmuggeln. (Bild: Eidgenössische Zollverwaltung)
Auf Facebook teilenAuf X teilen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
1 Kommentar
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1
Erfolg für Pfister: Bundesrat beschliesst Milliardenpaket für Armee – die Hintergründe
Nun zeigt sich: Verteidigungsminister Martin Pfister steckt nicht in der sogenannten «Amherd-Falle». Die Regierung will die Mehrwertsteuer für die Armee um 0,8 Prozent erhöhen.
Für Bundesrat Martin Pfister wird der 28. Januar zum Glückstag. Er hat die Bundesratssitzung vom Mittwoch mit einem Grosserfolg verlassen: Die Regierung stimmt einer befristeten und zweckgebundenen Mehrwertsteuererhöhung um 0,8 Prozentpunkte über zehn Jahre zu. Damit fliessen von 2028 bis 2038 31 Milliarden Franken in einen neuen Rüstungsfonds. Das Verteidigungsdepartement soll bis Ende März eine entsprechende Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten.
Zur Story