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Was die Schweiz tun muss, um die Gesundheitskosten einzudämmen

En Suisse, «la numérisation de la santé n’est pas une option, mais une nécessité».
Um der Explosion der Gesundheitskosten entgegenzuwirken, muss die Schweiz in der Lage sein, an der Stellschraube der Digitalisierung zu drehen.bild: Shutterstock / Keystone, montage watson
Röstibrücke

Was die Schweiz tun muss, um die Explosion der Gesundheitskosten einzudämmen

Die Digitalisierung erweist sich als ein entscheidender Hebel, um die Qualität des Schweizer Gesundheitssystems zu bewahren. Mit einer modernisierten elektronischen Patientenakte und Innovationen wie der KI kann das Land Ineffizienzen reduzieren, die Versorgung besser koordinieren und sowohl Patientinnen und Patienten als auch Ärztinnen und Ärzte unterstützen.
30.11.2025, 09:0730.11.2025, 14:30
Karin Perraudin

Stellen Sie sich vor: Sie kommen zu Ihrem Arzt, der mit einem Klick Zugriff auf Ihre gesamte Krankengeschichte, Ihre Behandlungen, Ihre Allergien und Ihre bisherigen Untersuchungen hat. Sie müssen nicht mehr alles wiederholen, keine alten Befunde suchen oder eine Untersuchung erneut durchführen lassen, die anderswo bereits gemacht wurde.

Dieses Szenario, das im digitalen Zeitalter selbstverständlich erscheint, bleibt für die Mehrheit der Schweizer Patientinnen und Patienten jedoch eine Illusion. Doch das könnte sich ändern.

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Jeden Sonntagmorgen lädt watson Persönlichkeiten aus der Romandie ein, um aktuelle Ereignisse zu kommentieren oder ein Thema ins Licht zu rücken, das sonst zu wenig Beachtung findet.

Mit dabei: Nicolas Feuz (Schriftsteller), Anne Challandes (Schweizer Bauernverband), Roger Nordmann (Berater, ehem. SP-Nationalrat), Damien Cottier (FDP), Céline Weber (GLP), Karin Perraudin (Groupe Mutuel, ehem. CVP), Samuel Bendahan (SP), Claude Ansermoz (ehemaliger Chefredaktor von «24 Heures»), Ivan Slatkine (Präsident der FER) und die QoQa-Otte.

Ein System unter Druck, dringender Handlungsbedarf

Die Schweiz verfügt über ein leistungsfähiges Gesundheitssystem, das jedoch derzeit unter Druck steht. Die Kosten explodieren: Laut Deloitte belaufen sie sich derzeit auf 100 Milliarden Franken pro Jahr und werden bis 2040 auf bis zu 160 Milliarden Franken ansteigen.

Angesichts dieses Anstiegs erweisen sich Digitalisierung und Prävention als unverzichtbare Hebel. Laut derselben Studie könnte eine ambitionierte Einführung digitaler Lösungen und neuer Technologien den Kostenanstieg um 30 Milliarden bremsen. Eine enorme Herausforderung, die jeden Bürger, jeden Patienten und jeden Steuerzahler betrifft.

Die elektronische Gesundheitsakte: Der Grundstein

Damit die Digitalisierung ihr Versprechen einlösen kann, braucht es ein solides Fundament: eine zentralisierte, einheitliche elektronische Gesundheitsakte (EGA), die allen Leistungserbringern zugänglich ist.

Heute gelten fast 20 % der erstatteten medizinischen Leistungen als unnötig: doppelte Untersuchungen, mangelnde Koordination, verlorene Informationen. Eine Verschwendung, die sowohl die Finanzen als auch die Qualität der Versorgung stark belastet.

Nach dem Scheitern der ersten elektronischen Patientenakte ist es dringend nötig, auf einer neuen Grundlage zu beginnen. Beim Gesundheitsforum der «Temps» gab Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider den Ton an: Die EGA muss zur Norm werden, verpflichtend für alle Leistungserbringer, die Leistungen der Grundversicherung abrechnen. Dieser starke politische Wille, der durch die kürzlich verabschiedete E-ID-Gesetzgebung unterstützt wird, ebnet den Weg für eine robuste, sichere und pragmatische digitale Lösung.

Einfachheit, Zugänglichkeit, Freiheit

Der Erfolg der EGA wird von ihrer Einfachheit abhängen: Jeder Bürger soll automatisch, kostenlos und ohne komplizierte Verwaltungsverfahren davon profitieren. Es steht jedem frei, darauf zu verzichten oder die weitergegebenen Daten zu beschränken: Vertrauen und Datenschutz sind entscheidend.

Aber es ist an der Zeit, den Zugang zu erleichtern, die Bevölkerung bei der Nutzung dieses Instruments zu unterstützen und alle Akteure des Gesundheitssystems in die Verantwortung zu nehmen. Wir dürfen nicht länger warten.

Aus Fehlern lernen, die Pioniere würdigen

In der Schweiz wird Scheitern oft stigmatisiert. Dabei ist es eine Quelle des Lernens und des Fortschritts. Die Pioniere der elektronischen Patientenakte, insbesondere in der Romandie, verdienen Anerkennung: Sie haben erste Erfahrungen gesammelt, getestet und neue Ansätze entwickelt.

Ihre Erfahrungen müssen genutzt werden, um die Schwächen des Systems zu beheben, den «PDF-Friedhof» zu vermeiden und ein wirklich nützliches, benutzerfreundliches und entwicklungsfähiges Werkzeug zu schaffen. Parteipolitische Streitigkeiten gehören verbannt und Zusammenarbeit muss gefördert werden: Nur so wird die EGA zu einem echten Mehrwert für Patienten und Fachleute.

Die digitale Transformation beschleunigen

Die EGA ist nur ein Schritt. Die Schweiz hinkt bei der Digitalisierung und der Integration von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gesundheitswesen hinterher. Die Herausforderungen sind jedoch enorm: Fachkräftemangel, Alterung der Bevölkerung, explosionsartiger Anstieg chronischer Krankheiten. Das Schaffen günstiger Rahmenbedingungen für Innovationen und die Förderung jeder relevanten Initiative haben oberste Priorität.

Beim Gesundheitsforum hat mich das Projekt «confIAnce» der Universitätsspitäler Genf (HUG) besonders interessiert: Dieser erste Chatbot für Allgemeinmedizin in der Schweiz ermöglicht es Patientinnen und Patienten, zwischen zwei Konsultationen auf der Grundlage von durch die HUG validierten Datenblättern das medizinische Gespräch fortzusetzen.

Ein konkretes Beispiel für den Nutzen der Digitalisierung: verlässliche Informationen, jederzeit zugänglich, ohne den Arzt zu ersetzen, sondern um seine Arbeit zu ergänzen – insbesondere vor dem Hintergrund des Mangels an Allgemeinmedizinern.

Ambitionen schnell in die Realität umsetzen

Die Digitalisierung im Gesundheitswesen ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um die Qualität und Nachhaltigkeit unseres Systems zu gewährleisten. Der Zug ist in Fahrt, und es liegt an jedem Einzelnen – ob Patientinnen und Patienten, Fachleuten oder politischen Entscheidungsträgern –, einzusteigen, den Wandel zu wagen und Initiativen zu unterstützen, die die Schweiz voranbringen.

Hoffen wir, dass die EGA in fünf Jahren zur Selbstverständlichkeit geworden ist, dass Innovation das gesamte System durchdringt und dass digitale Gesundheit für alle ein Synonym für Fortschritt ist.

Karin Perraudin ist …
... Absolventin der HEC Lausanne und eidgenössisch diplomierte Wirtschaftsprüferin. Im Jahr 2002 wurde sie im Alter von 28 Jahren Mitglied des Verwaltungsrats der Walliser Kantonalbank, dem sie von 2011 bis 2013 als Präsidentin vorstand. Heute ist sie Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Mutuel sowie Verwaltungsrätin bei fenaco und Ameropa. Neben ihrem wirtschaftlichen Engagement setzt sich Karin Perraudin als Präsidentin der Fovahm (Walliser Stiftung für Menschen mit geistiger Behinderung) auch für soziale Aspekte ein.
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Bild: Groupe Mutuel
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42 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Karl33
30.11.2025 09:24registriert April 2015
Immer kommen dieselben Lobbyisten zu Wort.

Karin Perraudin ist „Verwaltungsratspräsidentin der Groupe Mutuel sowie Verwaltungsrätin bei fenaco und Ameropa“

Diese Frau hat kein Interesse an tiefen Gesundheitsjosten. Sie verdient ja an den hohen Kosten.
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Sor diac
30.11.2025 09:24registriert März 2014
Das ist, mit Verlaub, Blödsinn. Die Gesundheitskosten steigen, weil der Wille fehlt, sie zu senken. Oder ehrlicher: weil der Wille bei allen Akteuren fehlt, zu verzichten. Wirklich alle wollen ein immer grösseres Stück von Kuchen. Und das geht halt nur, wenn der Kuchen immer grösser wird.
Digitalisierung, KI oder was auch immer ändern daran genau nichts. Doch, etwas ändert sich: zusätzliche Akteure wollen ein Stück vom Kuchen...
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