Schweiz
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Gerhard Pfister, Parteipraesident CVP, links, diskutiert mit Elisabeth Schneider-Schneiter, Nationalraetin CVP-BL, waehrend einer Debatte im Nationalrat, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Dienstag, 5. Dezember 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Wird ihre Religion zum Problem? Elisabeth Schneider-Schneiter mit CVP-Präsident Gerhard Pfister. Bild: KEYSTONE

Elisabeth Schneider-Schneiter hat Chancen aufs Bundesratsamt. Bloss: Sie ist reformiert

Elisabeth Schneider-Schneiter ist reformiert. Wie sehr steht ihr als potenzielle CVP-Bundesrätin die Konfession im Weg?

Henry Habegger / Nordwestschweiz



Er ist sozusagen Doris Leuthards Stammvater, in der Partei wie auch im Departement: Der Luzerner Josef Zemp, der 1891 zum ersten Bundesrat der Katholisch-Konservativen (heute: CVP) gewählt wurde.

Erstmals überliessen die alles dominierenden Freisinnigen den Konservativen einen Sitz in der Landesregierung. Zemp blieb 17 Jahre, er stand fast durchwegs dem Post- und Eisenbahndepartement vor. Dem Ministerium, das heute Uvek (Umwelt, Verkehr, Energie, Kommunikation) heisst und von Leuthard geleitet wird.

127 Jahre und 20 CVP-Bundesräte später steht die Katholikenpartei vielleicht vor einer Revolution. Der protestantischen Revolution.

Das hat zu tun mit Elisabeth Schneider-Scheiter (54), Baselbieter Nationalrätin der CVP. Sie wird als mögliche Nachfolgerin von Doris Leuthard gehandelt, die bis Ende 2019 als Bundesrätin zurücktreten will.

Schneider-Schneiter hat gute Chancen

Sollte Schneider-Schneiter dereinst gewählt werden, würde die CVP erstmals von einem nicht katholischen Mitglied im Bundesrat vertreten: Die Frau ist reformiert. Die katholischen CVP-Stammlande, auf die sich die Partei unter Präsident Gerhard Pfister zurückbesinnt oder – wie manche befürchten – zurückzieht, stünden erstmals seit 1891 ohne Vertretung im Bundesrat da.

Elisabeth Schneider-Schneiter (CVP/BL) befasst sich mit der internationalen Zusammenarbeit 2017-2020 am Donnerstag, 2. Juni 2016 im Nationalrat in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Elisabeth Schneider-Schneiter Bild: KEYSTONE

Chancenlos scheint Elisabeth Schneider-Schneiter nicht. Sie ist in der CVP gut verankert, ist Mitglied des nationalen Parteipräsidiums. Die Juristin präsidiert derzeit die Aussenpolitische Kommission (APK), ihr werden also von der CVP verantwortungsvolle Ämter anvertraut.

Aber was, wenn es wirklich ums Eingemachte geht? Eine Protestantin als einziges CVP-Mitglied im Bundesrat? Vielleicht sogar als letztes Mitglied der in der Landesregierung gegen die Schwindsucht kämpfenden Partei überhaupt?

Manche Beobachter halten eine Bundesrätin Schneider-Schneiter für undenkbar, eine zu grosse Rolle spiele die Konfession auch heute noch in einigen Köpfen. «Es sind die katholischen Stammlande, die heute noch zur CVP stehen. Die Partei kann es sich nicht leisten, sie vor den Kopf zu stossen», sagt einer.

Wähler sind Katholiken

Die CVP selbst sieht das hochoffiziell anders. Präsident Gerhard Pfister, Zuger Nationalrat und Katholik, hält kurz und bündig fest: «Die Frage der Konfession spielt absolut keine Rolle.» Allerdings las man von ihm auch schon anderes. Vor drei Jahren sagte Pfister der «Basler Zeitung»: «Katholizismus ist in den Genen unserer Wähler.» Die CVP werde «zu 90 Prozent von Katholiken gewählt».

Gerhard Pfister, Nationalrat und Parteipraesident, ZG, spricht an der Delegiertenversammlung der CVP Schweiz, am Samstag, 27. Januar 2018, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Gerhard Pfister. Bild: KEYSTONE

«Katholizismus ist in den Genen unserer Wähler.»

Gerhard Pfister, CVP-Nationalrat

Aber es gibt tatsächlich Leute, die denken, dass eine reformierte Bundesrätin der CVP, etwa im zwinglianischen Zürich, neue Wählersegmente eröffnen könnte.

Frei nach Goethes Faust: Wie hat es die CVP mit der Religion? Manche wollen zur Gretchenfrage lieber nicht Stellung nehmen. Der katholische Bündner Nationalrat Martin Candinas verweist immerhin auf später: «Die CVP hat aktuell keine Vakanz im Bundesrat.» Er äussere sich nicht zu möglichen Kandidatinnen und Kandidaten bei einer zukünftigen Vakanz.

Schneider-Schneiter gibt sich bescheiden

Und Elisabeth Schneider-Schneiter selbst? Sie sagt: «Für mich ist das schon allein deshalb kein Thema, weil Doris Leuthard im Moment im Amt ist und die Frage sich nicht stellt.»

Ida Glanzmann, Nationalraetin CVP LU, spricht waehrend dem Dreikoenigsgespraech der CVP Schweiz am Freitag, den 5. Januar 2018 in Bern. (KEYSTONE/Christian Merz)

Ida Glanzmann. Bild: KEYSTONE

«Wir sind die CVP, und unser C steht für christlich und nicht für katholisch.»

Ida Glanzmann, CVP-Nationalrätin

Ist die Konfession wirklich kein Thema? Ja, sagt die katholische Luzerner Nationalrätin Ida Glanzmann: «Seit Jahren ‹predigen› wir, dass die Konfession bei uns keine Rolle spielt. Und nun kommen Sie mit dieser Frage? Wir sind die CVP, und unser C steht für christlich und nicht für katholisch.»

Glanzmanns Einschätzung in dieser Frage hat besondere Bedeutung: Bundesrat Zemp war einer ihrer Ururgrossväter. 

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28
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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • pamayer 26.04.2018 11:50
    Highlight Highlight CVP
    die sollen sich mal richtig dem grossen C widmen:
    nächstenliebe
    barmherzigkeit
    bescheidenheit
    demut

    statt
    inquisition
    glaubenskriege
    ausgrenzung ungläubiger

    oder, moderner
    steueroptimierung
    asylbewerber ausschaffen
    gav aufweichen
    versicherungnehmer schützen
    renten abbauen
    spitäler privatisieren
    4 3 Melden
  • Hierundjetzt 26.04.2018 10:17
    Highlight Highlight - Da gibt man den Katholiken 1999 erstmals die volle Gleichberechtigung in Sachen Religion und jetzt sowas.

    - Immer noch nich verwunden, dass Ihr den Bürgerkrieg verloren habt?

    ➡️ Wer diese Bemerkungen voll daneben findet:

    Exakt, absolut korrekt. Wir sind im 2018. Da spielt es keine Rolle mehr welche (christliche) Konfession eine Person hat (Gottseidank!)

    ➡️ Ebenso infantil argumentiert die CVP zu diesem Thema.
    9 4 Melden
  • carmse 26.04.2018 10:05
    Highlight Highlight Ich finds geil, dass sie sich trotz zwei quasi identischen Nachnamen nicht für einen entscheiden wollte :)

    Schneider-Schneiter. Super!
    21 3 Melden
  • mogad 26.04.2018 09:48
    Highlight Highlight Ich schlage einen neuen Namen vor für die Partei:
    Partei der Mitte Schweiz PMS.
    Uebrigens: Mir wäre Ruth Humbel lieber. Oder Viola Amherd. Diese Frauen haben ihre Eignung für den BR bereits bewiesen.
    8 10 Melden
    • Zat 26.04.2018 14:08
      Highlight Highlight PMS? Dann wäre sie wohl rein aufgrund der Abkprzung für viele Frauen nicht wählbar. 🙊
      0 1 Melden
    • mogad 26.04.2018 17:35
      Highlight Highlight @Zat. ??? Bei mir machts nicht klick.
      0 0 Melden
    • Zat 26.04.2018 22:04
      Highlight Highlight PreMenstruellesSyndrom - Eine für manche sehr unangenehme und teilweise schmerzhafte Zeit in den Tagen vor der monatlichen Mens.
      0 0 Melden
  • alterecht? 26.04.2018 09:45
    Highlight Highlight Jetzt seit mal nicht so es ist schon entscheidend ob man sich in katholischer oder protestantischer Weise gegen christliche Werte einsetzt.. 😂😂😂
    24 4 Melden
    • Zat 26.04.2018 14:12
      Highlight Highlight @alterecht: Hm, wenn ich mir ihren Kommentar genau überlege, würde es bereits eine Rolle spielen, ob dieser Artikel von einem Protestanten oder Katholiken verfasst wurde. 😉
      Herr Habegger?
      2 0 Melden
  • MrJS 26.04.2018 08:56
    Highlight Highlight Ach, ob sie jetzt reformiert, katholisch oder jüdisch ist, sollte genau so wenig eine Rolle spielen, wie ob sie eine Frau oder ein Mann ist. Wichtig ist, dass sie die kompetenteste Person ist, welche das Amt übernehmen könnte!
    28 3 Melden
    • Walter Sahli 26.04.2018 10:11
      Highlight Highlight ...ausser natürlich, wenn sie Muslima wäre.
      5 7 Melden
    • mogad 26.04.2018 17:37
      Highlight Highlight @Walter Sahli. Die mir bekannte sehr geschätzte Muslima ist allerdings in der SP.
      0 0 Melden
  • Hosenabe 26.04.2018 08:41
    Highlight Highlight Dass statt Fähigkeiten etc. die Konfession entscheidend sein soll, ob jemand für dieses Amt geeignet ist, ist einfach nur lächerlich und zeigt mal wieder dass der religiöse Einfluss nach wie vor viel zu gross ist!
    89 15 Melden
    • Der Salzstreuer 26.04.2018 10:07
      Highlight Highlight Ist ja nur eine Quote mehr...
      Denn wichtiger als die Qualifikation für den Bundesrat ist, woher man stammt, welche Sprache man spricht, Mann / Frauen Quote... etc...

      Jetzt kommt halt noch eine Konfessionsquote...

      Aber mal ehrlich finde den Artikel ziemlich plakativ und voller Vorurteile!

      Frau Schneider-Schneiter würde wohl eher an sich selbst als an der Konfession scheitern... die CVP hat bessere Frauen!
      4 6 Melden
    • mogad 26.04.2018 17:39
      Highlight Highlight @Der Salzstreuer. Stimmt! Humbel und Amherd!
      Mein "Traumduo" für die BR-Wahl nach Leuthard.
      0 0 Melden
  • Filii Fornicatricum 26.04.2018 08:23
    Highlight Highlight Das "C" könnten die CVP getrost auch ganz aus ihrem Namen streichen. Christlich sind in meinen Augen ihre Werte schon lange nicht mehr, wobe christlich auch ein sehr grosses Wort und interpretationssache ist.
    41 9 Melden
    • meilestei 26.04.2018 10:16
      Highlight Highlight Ja weil für dich das christliche vermutlich eine reine wortgetreue auslegung der Bibel bedeutet.
      Deshalb wirst du auch nie die CVP sondern die EDU wählen...
      5 7 Melden
    • Filii Fornicatricum 26.04.2018 15:36
      Highlight Highlight Es wäre schön, wenn du wenigstens meinen Kommentar wortgetreu auslegen würdest! Wie du auf deine Schlüsse kommst, ist mir ein Rätsel.
      2 1 Melden
  • salamandre 26.04.2018 08:10
    Highlight Highlight Liebe CVP.
    Dieses Problem kann wirklich nur bei Euch vorkommen, wir stehen im 3. Jahrtausend nach J.C. Macht doch einen Schritt vorwärts!
    28 7 Melden
    • El Pepe 26.04.2018 13:16
      Highlight Highlight nach christus? tut mir leid aber wir sind einige jahre weiter.... und so als info es hat niemand mit vor und nachchristus gerechnet ausser die römer die ja auch das christentum erfunden haben! schade hat der vatikan fast alle beweise f^dafür weggesperrt oder verbrannt^^ aber ja jesus hat es in meinen augen nie gegeben und in wirklichkeit gibt es auch keinen beweis das es ihn gab! alle bsiher bekannten beweise wurden als falsch erwiesen nur spricht da niemand drüber... ach ich mag keine religiön.. ist mir zu konservativ verklemmt und verantwortlich für usnere meisten probleme
      0 3 Melden
  • Majoras Maske 26.04.2018 07:46
    Highlight Highlight Kurz vor den Wahlen einen Flügelkampf zwischen Protestanten und Katholiken zu starten, ist wirklich das Dümmste, was diese Partei tun könnte. Es offenbart in gravierender Weise das mittelalterliche Denken dieser Partei. Und richtig-religiöse Parteien haben in der Schweiz nur beschränktes Potenzial (siehe EVP oder EDU). Schon nur der neue, konservative Kurs von Pfister sorgte für eine Beschleunigung des Niedergangs, weil die Menschen so etwas schlichtweg nicht mehr wollen. Das passiert eben, wenn man in vergangenen Zeiten lebt.
    19 4 Melden
  • Alice36 26.04.2018 07:37
    Highlight Highlight Trumpsche Verhältnisse in der CH. Jetzt zählt sogar die Loyalität zum "richtigen Gottesbild". Kein Wunder geht's bergab mit dieser Partei. Hört doch auf mit diesen alten Zöpfen, Haupsache die/der Kandidat/in hat die Fähigkeit BR zu sein, das würde mir schon reichen. Im Moment stehen in Bern zu viele Komiker auf der Bühne die BR spielen.
    12 6 Melden
  • alterecht? 26.04.2018 07:33
    Highlight Highlight Falls das für die CVP zum Problem werden sollte solLate die CVP umgehend vom NDB überwacht werden... da dies ja schon auf eine fundamentalistisch katholische Vereinigung schliessen lassen würde..😂😂
    17 3 Melden
  • Posersalami 26.04.2018 07:28
    Highlight Highlight „eine zu grosse Rolle spiele die Konfession auch heute noch in einigen Köpfen“

    Wie jetzt, ich dachte religiösen Fundamentalismus gibts nur beim Islam?

    Mein Weltbild bricht gerade zusammen.
    28 3 Melden
  • Fly3930 26.04.2018 07:20
    Highlight Highlight Wie bitte? Es könnte ein Problem sein, dass sie reformiert ist? Da fehlen mir die Worte.
    29 0 Melden
  • IncredibleMOUZ 26.04.2018 07:06
    Highlight Highlight Wenn man schaut wie „christliche Werte“ die CVP vertrittst, kann auch eine Protestatin Bundesrat werden.
    13 3 Melden
    • mogad 26.04.2018 09:57
      Highlight Highlight Ohne die Mittepartei CVP wäre der Sozialstaat längst am Boden. Es sei denn die Linke hätte überall die Mehrheit gehabt. Hatte sie aber nicht. Mutterschaftsversicherung, höhere Kinderzulagen, Steuerabzüge für Familien. Die Rentenreform 2020, usw.. Es ist auch die CVP die neuerdings neoliberale Auswüchse öffentlich anprangert. Soziale Anliegen haben ohne die Mitteparteien in diesem Land keine Chance!
      Wenn die Mitte wegbricht haben die neoliberalen Steuervermeider und Sozialabbau freie Bahn! Wer will das ausser der SVP und grosse Teile der FDP?
      8 8 Melden
  • Trasher2 26.04.2018 06:15
    Highlight Highlight Da das „C“, also eine christliche Grundhaltung und wirkliche christliche Werte der CVP bereits seit einigen Jahren abhanden gekommen ist, spielt die Konfessionszugehörigkeit eh keine Rolle...
    13 0 Melden

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