DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Trickst um die Olympia-Markenrechte: Christian Constantin.
Trickst um die Olympia-Markenrechte: Christian Constantin.Bild: KEYSTONE

Constantin krallt sich heimlich Markenrechte an «Sion 2026»

Christian Constantin hat sich die Vermarktungsrechte am Namen der Olympiabewerbung gesichert. Recherchen der «Nordwestschweiz» zeigen, dass der Bund nichts von diesem Trick merkte. Überrascht wurde auch das Bewerbungskomitee.
29.11.2017, 05:2829.11.2017, 07:09
Henry Habegger / Nordwestschweiz

Am 18. Oktober befand der Bundesrat unter Ägide von Verteidigungsminister Guy Parmelin: Olympische Spiele seien eine grosse Chance für die Schweiz. Er entschied, das Projekt «Sion 2026» mit einer Milliarde Franken zu unterstützen.

Eine grosse Chance sah auch der unvermeidliche Walliser Tausendsassa und FC-Sion-Besitzer Christian Constantin. Wie der Walliser Blog 1dex.ch dieser Tage enthüllte: Gut einen Monat vorher, am 15. September 2017, liess Constantin den Slogan «Sion 2026, les Jeux au cœur de la Suisse» als Marke schützen. Auf Deutsch: «Sion 2026, die Spiele im Herzen der Schweiz».Das ist der offizielle Slogan des Schweizer Olympia-Projekts. Das Motto, mit dem die Kandidatur der Kantone Wallis, Waadt, Freiburg, Bern und Graubünden in die Ausmarchung stieg. Die Rechte an dieser Marke gehören nun nicht dem Bewerbungskomitee. Sondern einer Aktiengesellschaft, deren einziger Verwaltungsrat Christian Constantin ist.

Jetzt auf

Besonders pikant ist das, weil «CC» am 22. September 2017, also eine Woche nach Hinterlegung der Marke Sion 2026, im Zug der Ohrfeigen-Affäre aus dem Sion-Bewerbungskomitee zurücktrat. Constantin hatte vor laufender Kamera den Fussball-Experten Rolf Fringer geohrfeigt und ihm einen Tritt in den Hintern versetzt. Um die Kandidatur Sion 2026 nicht zu belasten, trat der Walliser als Vizepräsident des Komitees zurück.Constantin sitzt nicht nur auf der Sion-Marke. Er besitzt auch die offizielle Website sion2026.ch. Die hat er bereits 2014 registriert. Auch wenn Constantin offiziell bei Sion 2026 weg ist, behält er damit einige Trümpfe in der Hand. Er kann, wenn er will, mit der Vermarktung gutes Geld verdienen. Das Komitee und die öffentliche Hand, die die Spiele mit viel Steuergeld subventioniert, haben dann das Nachsehen.

Parmelin wusste nichts

Sportminister Parmelin wusste von nichts. 
Sportminister Parmelin wusste von nichts. Bild: KEYSTONE

Recherchen zeigen: Weder das Bewerbungs-Komitee noch SVP-Bundesrat Parmelin und seine Leute, die das Dossier prüften, bemerkten Constantins Trick. Christoph Lauener, Informationschef des Bundesamts für Sport (Baspo) im VBS, sagt: «Der Bund hat nicht separat geprüft, wem Website, Marke oder Mail-Domain gehören; bei einem Projekt dieser Dimension und angesichts des grossen Zeitdrucks standen andere Aspekte im Vordergrund.» So wusste auch der Bundesrat nichts vom Problem, als er die Milliarde durchwinkte.

Aus allen Wolken gefallen ist der Berner SP-Ständerat und Vizepräsident des Sion-Komitees Hans Stöckli. Er hat vor einigen Wochen von den Markenrechten erfahren. Stöckli grollt: «Am 12. Dezember 2016 wurde durch die Fusion von vier Projekten der neue Verein gegründet. Keiner der Gründer hatte das Recht, irgendwelche Rechte für sich abzuleiten.» Constantin tat es dennoch. Stöckli: «Es hat mich sehr überrascht, dass Constantin den Slogan ‹Sion 2026 Les Jeux au cœur de la Suisse› als seine eigene Marke schützen liess. Er hatte umso weniger das Recht dazu, als der Slogan nicht einmal von ihm stammte.» Den hatte Sion-2026-Präsident Jean-Philippe Rochat aus dem Hut gezaubert.

Ein Problem sieht Stöckli dennoch nicht. Der Name «Sion 2026 Jeux au cœur de la Suisse» habe man nur für das Einreichen der Kandidatur gebraucht: «Wir werden bald einen neuen Slogan präsentieren.» Im Übrigen glaubt der Sion-Vize, dass er den Markenstreit friedlich beilegen kann: «Ich bin sehr zuversichtlich, dass CC und ich den Sturm im Wasserglas bei einem Glas Petite Arvine beilegen können.»

Auch «Sion 2030» geschützt

Wie auch immer: Laut Insidern fehlt Constantin im Bewerberkomitee an allen Ecken und Enden. Der Walliser war der Motor der Kandidatur. Ob Sion 2026 so die vielen Hürden übersteht, etwa kantonale Abstimmungen, gilt als fraglich. Personalien sorgen für Missstimmung. Der Präsident des Komitees, Anwalt Rochat, ist angeschlagen: Durch angeblich hohe Honorarforderungen. Und der Name seiner Kanzlei tauchte in den «Paradise Papers» auf.Im Wallis sind viele überzeugt, dass Constantin bereits auf das Scheitern von «Sion 2026» setzt. Danach werde er mit seinem Vermögen für eine Neuauflage einstehen und notfalls die Haftung für Defizite übernehmen. Tatsächlich zeigen Recherchen: CC hat sich bereits die Marke «Sion 2030» gesichert. Am gleichen Tag, als er den Sion-2026-Slogan schützen liess.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Verkürzte Gültigkeit: Hunderttausende Geimpfte verlieren bald ihr Zertifikat
In einer Woche tritt eine neue Regel in Kraft: Das Zertifikat ist nach der zweiten Impfung oder einer Genesung nicht mehr 365 Tage, sondern nur noch 270 Tage gültig. Wer sich früh impfen liess, muss nun zwingend für den Restaurantbesuch boostern.

Der jüngste Bundesratsentscheid hat ab nächster Woche unmittelbare Folgen für Menschen, die geimpft, aber nicht geboostert sind. Denn der Bundesrat hat entschieden, dass das Impfzertifikat nur noch 270 Tage lang gültig ist – und nicht mehr wie bis anhin 365 Tage. Er erklärte den Entscheid mit einer Angleichung an EU-Recht: «Damit bleibt das Zertifikat in der EU weiterhin anerkannt.»

Zur Story