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Hohe Quecksilberwerte in Thunfisch-Dosen: So reagieren Coop und Migros

Dosen-Thunfisch mit zu viel Quecksilber – so reagieren Coop und Migros

Europäische Thunfischdosen weisen zum Teil hohe Quecksilberwerte auf. In der Schweiz versuchen die Grossverteiler zu beschwichtigen.
09.12.2024, 17:37
Ana Simoes
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Ende Oktober deckte eine von Bloom und Foodwatch durchgeführte Untersuchung in Europa alarmierende Quecksilberwerte in Thunfischdosen auf.

Von 148 Proben aus fünf Ländern überschritten 58 % den Grenzwert von 0,3 mg/kg Quecksilber, der normalerweise für Fisch festgelegt wird, und 10 % überschritten sogar den speziell für Thunfisch festgelegten Höchstwert (1 mg/kg). Quecksilber, insbesondere in seiner giftigen Form als Methylquecksilber, kann vor allem bei Kindern schwere neurologische Störungen verursachen.

Obwohl sich die Untersuchung nicht direkt auf lokale Produkte bezieht, sind auch in der Schweiz einige der beanstandeten Marken wie Rio Mare und Petit Navire erhältlich. Dies gibt Anlass zur Sorge bei den Konsumentinnen und Konsumenten.

Migros und Coop beschwichtigen

Die Schweizer Detailhändler, allen voran Migros und Coop, die Rio-Mare-Thunfisch anbieten, haben schnell reagiert. Trotz der beunruhigenden Ergebnisse der europäischen Studie versichern sie, dass ihre Produkte die Gesundheitsstandards einhalten. Coop behauptet, dass die in ihren Regalen verkauften Rio-Mare-Produkte nicht aus denselben Chargen stammen, die in der Untersuchung getestet wurden. Das Unternehmen garantiert, dass die internen Kontrollen sowie unabhängige Analysen «keine Überschreitung des Höchstwertes (1 mg/kg)» und auch nicht des niedrigen Grenzwertes (0,3 mg/kg) ergeben haben, berichtet La Liberté.

epa11696608 A customer stands in front of a shelf with cans of tuna fish on display for sale at a supermarket in Nice, France, 01 November 2024. Tinned tuna in several European countries is contaminat ...
Thunfisch-Konserven in einem Geschäft in Nizza, Frankreich.Bild: keystone

Die Migros hat ihrerseits «zusätzliche Analysen» bei ihren Lieferanten in Auftrag gegeben, so «La Liberté» weiter. Die Ergebnisse bestätigten laut Migros ebenfalls die Einhaltung der schweizerischen und europäischen Normen.

Die Tests, die für die RTS-Fernsehsendungen «A Bon Entendeur» und «On en parle» durchgeführt wurden, bestätigen diese Aussagen. Von 55 getesteten Thunfischdosen, die bei Aldi, Manor, Lidl, Coop und Migros gekauft wurden, überschritten acht den strengen Grenzwert von 0,3 mg/kg, aber keine den gesetzlichen Höchstwert für Thunfisch von 1 mg/kg. Wie ist das zu erklären?

«Wir haben uns diese Frage auch gestellt, aber keine definitive Antwort gefunden.»
Stéphane Fontanet, verantwortlich für die Tests der RTS-Sendung «A Bon Entendeur»

Stéphane Fontanet, der für die Tests der Sendung «A Bon Entendeur» verantwortlich ist, vermutet, dass sich jede Thunfischdose von den anderen unterscheidet. So soll der Quecksilbergehalt jeder Dose von der Fischart, dem Datum und dem geografischen Gebiet, in dem der Fisch gefangen wurde, oder auch von der Verarbeitungsmethode abhängen.

In der Schweiz stammen 60 % des Thunfischs in Dosen aus Thailand, einem Land, das laut einem Bericht des US-Zentrums für Quecksilberstudien als «der weltweit grösste Produzent von Dosen-Thunfisch» gilt. Die von der thailändischen Industrie hauptsächlich verwendeten Arten wie rosa, weisser und Gelbflossen-Thunfisch weisen im Durchschnitt niedrigere Methylquecksilberwerte auf als andere Sorten wie Grossaugen-Thun, Schwarzflossen-Thun oder roter Blauflossen-Thunfisch.

Das ALARA-System, das Höchstgrenzen für Schadstoffe «so niedrig wie vernünftigerweise möglich» festlegt, wird jedoch kritisiert. Laut Bloom und Foodwatch begünstigen diese Grenzwerte, die unter Berücksichtigung der tatsächlichen Kontamination und kommerzieller Erfordernisse festgelegt werden, den Verkauf auf Kosten der öffentlichen Gesundheit. In der Schweiz und in Europa ist das erlaubte Quecksilber in Thunfisch (1 mg/kg) dreimal höher als in Fischen wie Sardinen (0,3 mg/kg).

Für die Westschweizer Konsumentenschutzorganisation FRC ist dieser Kompromiss inakzeptabel. Rebecca Eggenberger, Verantwortliche für Ernährung, meint in «La Liberté», dass die Sicherheit Vorrang vor allen anderen Überlegungen haben sollte.

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Dieser Thunfisch kostet 647'000 Franken – und er macht gerade Herrn Kimura sehr glücklich
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Ein 212 Kilogramm schwerer Blauflossen-Thunfisch ist in Japan für den Preis von 74,2 Millionen Yen (rund 647'000 Franken) versteigert worden.
quelle: epa/epa / franck robichon
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67 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Yesbutter
09.12.2024 20:55registriert August 2023
Ich hab den Bericht auf Euronews gesehen. Das Problem betrifft alle Marken im gesamten Handel in Europa. Es ist ein Problem der Industrie- und Konsumgesellschaft, die aus Gier den ganzen Planeten vergiftet. In diesem Bericht wurde auch erwähnt, dass im Fall des Thunfisches die Grenzwerte extra nach oben angepasst wurden, um ihn überhaupt verkaufen zu können.
Quecksilber ist hochgiftig in kleinsten Dosen. Das einzig Richtige wäre ein sofortiger Verkaufsstopp
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kusel
09.12.2024 20:45registriert Januar 2015
Das ist in der Schweiz normal. Passen irgendwelche Werte nicht, sei rs bei Pestiziden, verunreinigtem Trinkwasser oder eben auch Tunfisch, werden die Vorgaben so angepasst, dass die Werte wieder unbedenklich sind. Es ist unglaublich, wie die Behörden nicht nur uns, sondern auch sich selber bewusst krank machen, nur damit man nicht reagieren muss.
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Delamain
09.12.2024 18:34registriert Dezember 2020
Wo gibt es diesen thailändischsen Thunfisch welcher 60% ausmacht? Ich habe noch nie etwas anderes gesehen als nordatlantischer Leinenfang.
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    Der Kassensturz zeigt mal wieder: Bei Temu bestellen ist gefährlich
    Der Kassensturz hat sich dem Thema Sonnencreme gewidmet. Sieben verschiedene Sonnencremes vom chinesischen Billighändler wurden untersucht – mit vernichtendem Urteil.

    Dass im Kassensturz einige Produkte durchfallen, ist normal. Dass aber alle getesteten Produkte nicht nur durchfallen, sondern regelrecht desaströs abschneiden, ist doch eher unüblich.

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