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Eine 6-Punkte-Anleitung für ein gelungenes Ende der Pandemie aus Taskforce-Sicht

16.02.2022, 20:46

Situatives Maskentragen, Abwasseranalysen oder das Halten des Pflegepersonals im Beruf – das sind alles Aspekte, welche die Taskforce für ein gelungenes Ende der Pandemie in ihrem «wissenschaftlichen Update» vom 15. Februar 2022 diskutiert.

Nach zwei Jahren Pandemie kommt keines der besprochenen Szenarien und keine der empfohlenen Handlungsoption völlig überraschend. Dennoch hier eine Bedienungsanleitung für ein nachhaltiges Ende der Pandemie aus wissenschaftlicher Sicht:

Hohe Immunität in der Bevölkerung bleibt Voraussetzung

Aktuell hätten in der Schweiz die «allermeisten Menschen» einen Immunschutz. Denn alleine in den letzten vier Wochen hätten sich 30 bis 40 Prozent der Bevölkerung mit der Omikron-Variante angesteckt und mindestens 70 Prozent der Bevölkerung seien mindestens einmal geimpft.

Und dass der Immunschutz so hoch bleibe, sei die Grundlage dafür, um die Auswirkungen des Virus auf die Gesellschaft in den nächsten zwölf Monaten so gering wie möglich zu halten. Denn die Taskforce erwartet weiterhin «Perioden mit höherer Viruszirkulationen» in den Wintermonaten.

Im wissenschaftlichen Update hält die Taskforce ausdrücklich fest, dass die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer Corona-Erkrankung ins Spital zu müssen, in den letzten 12 Monaten deutlich gesunken sei. Dies sei in erster Linie auf die Impfung zurückzuführen, wie mehrere Studien belegen würden. Für Menschen ohne Impfschutz oder für solche mit Immunsuppression bleibe das Risiko für eine Hospitalisierung bei einer Ansteckung aber weiterhin erhöht.

Die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer Corona-Erkrankung ins Spital zu müssen, ist in den letzten 12 Monaten deutlich gesunken. Vorallem aufgrund der Impfung.
Die Wahrscheinlichkeit, aufgrund einer Corona-Erkrankung ins Spital zu müssen, ist in den letzten 12 Monaten deutlich gesunken. Vorallem aufgrund der Impfung.Bild: shutterstock/watson

Lüften und Maske als einfachste Vorkehrungen

Um Viren, die Atemwegsinfektionen verursachen können, allgemein in Schach zu halten, schlägt die Taskforce insbesondere zwei einfache Massnahmen vor: Lüften und situatives Tragen von Masken.

Eine gute Luftqualität könne der Aerosolbelastung in einem Raum entgegenwirken und zum allgemeinen Wohlbefinden beitragen. CO₂-Sensoren seien dabei ein einfaches und erschwingliches Hilfsmittel, um die Luftqualität zu messen und für eine angemessene Belüftung zu sorgen.

Situatives Tragen von Masken empfiehlt die Taskforce weiterhin in hochfrequentierten Innenräumen (ÖV, Läden, Gesundheits- und Bildungseinrichtungen). Denn ein kollektives Maskentragen in Innenräumen könne das Ansteckungsrisiko verringern, solange die Fallzahlen noch so hoch seien wie derzeit.

Viele chirurgische Masken sind effektiver als einzelne FFP2-Masken
Aktuellen Daten des deutschen Max-Planck-Instituts zeigen, dass für eine Person, die sich in einem Innenraum aufhält, das kleinste Ansteckungsrisiko besteht, wenn alle Anwesenden eine chirurgische Maske tragen:
Tragen alle Personen eine chirurgische Maske, ist das Ansteckungsrisiko um ein Faktor zwischen 20 und 300 kleiner, als wenn die Person eine FFP2-Maske tragen würde, alle anderen aber keine Maske.

Die Taskforce schliesst darum: Das kollektive Tragen von chirurgischen Masken führt in dieser Situation zu einem besseren Ergebnis, als wenn einzelne Menschen sich mit einer FFP2-Maske individuell schützen.

Tests müssen gewährleistet bleiben

Die Taskforce schreibt, es werde auch nach der Omikron-Welle wichtig sein, dass für bestimmte Bevölkerungsgruppen der Zugang zu Tests gewährleistet bleibe und dass die Kostenübernahme geregelt werde.

So sollen Risikopatienten, symptomatische Personen mit Kontakt zu vulnerablen Menschen und alle, die in stationäre Behandlung aufgenommen würden, auch während der nächsten zwölf Monate getestet werden. So könnte eine möglicherweise verheerende Ausbreitung des Virus frühzeitig gestoppt werden.

Zudem müsse sichergestellt werden, dass Labors in der Lage seien, allfällige neue Stämme nachzuweisen.

Labors müssen auch zukünftig allfällige neue Stämme nachweisen können.
Labors müssen auch zukünftig allfällige neue Stämme nachweisen können.Bild: keystone

Long-Covid muss angegangen werden

Aktuell seien rund zehn Prozent aller Patienten auf den Normalstationen Covid-Patienten. Etwa die Hälfte von ihnen sei wegen Covid hospitalisiert. Grundsätzlich gelte aber: Alle Covid-Patienten sind aufwändig in der Behandlung und Pflege.

Eine Studie der ZHAW habe ergeben, dass Pflegepersonal zurzeit unter emotionaler Erschöpfung und Zeitdruck leide. Darum sei es wichtig, die Arbeitsbedingungen in den Spitälern zu verbessern, um die Pflegepersonen im Beruf halten zu können. Hier müssten entsprechende Ressourcen geschaffen werden, sollten in den nächsten Wintern wieder Covid-Wellen auf die Spitäler zukommen, insistiert die Taskforce.

Bis zu 20 Prozent der an COVID-19 erkrankten Personen würden an Long-Covid leiden. Die Verbesserung der Diagnostik sowie der Behandlung dieser Patienten müsse zentral sein – auch, um erwerbsunfähige Patienten finanziell abzusichern. Die Taskforce schlägt ein Long-Covid-Register vor.

Der Zugang zu psychologischer und psychiatrischer Behandlung müsse langfristig sichergestellt werden, denn die Pandemie habe insbesondere bei Kindern und Jugendlichen zu psychischen Problemen geführt.

Wirtschaftliche und gesellschaftliche Auswirkungen müssen ausgewertet werden

Der Wirtschaft in der Schweiz gehe es insgesamt gut, konstatiert die Taskforce. Sollte sich die Situation aber verschlechtern, könnte es wieder notwendig werden, Massnahmen zu ergreifen, die auch das Funktionieren der Wirtschaft einschränkten. Es müssten darum Instrumente geschaffen werden, um die Kriterien zu verfeinern, die festlegten, welche Unternehmen in einer akuten Krisen-Phase Anspruch auf Hilfsgelder hätten. Die Taskforce schlägt während einer Krise auch Darlehen anstelle von Subventionen vor. Diese könnten in a-fonds-perdu-Beiträge umgewandelt werden, wenn nötig.

Die Kriterien, welche Unternehmen in einer akuten Krisen-Phase Anspruch auf Hilfsgelder hätten, müssen überarbeitet werden.
Die Kriterien, welche Unternehmen in einer akuten Krisen-Phase Anspruch auf Hilfsgelder hätten, müssen überarbeitet werden.Bild: keystone

Menschen mit einem tiefen sozio-ökonomischen Status seien stärker von der Pandemie betroffen gewesen, hält die Taskforce fest. Auch Faktoren wie Alter, Geschlecht, Herkunft und soziale Stellung hätten Auswirkungen auf die individuelle wirtschaftliche und gesundheitliche Situation von Menschen gehabt. Es sei darum unbedingt erforderlich, allfällige Benachteiligung aufgrund der staatlichen Massnahmen auszuwerten und auszugleichen, sollte es zu einer weiteren Krisen-Situation kommen.

Die epidemiologische Lage muss überwacht werden

Für die Überwachung von epidemiologischen Wellen sei es relevant, weiterhin Daten zu sammeln. So würden Fragen nach der Anzahl infizierter Personen, die geimpft oder genesenen sind, oder die Varianten, die zu Hospitalisierung führen, in den nächsten Monaten relevant sein.

Die Taskforce betont die Notwendigkeit, dass Daten weiterhin zeitnah erhoben und Datensätze zusammengeführt und zugänglich gemacht werden. Systeme wie das nationale Covid-19-Dashboard vom Bund müssten zudem automatisiert werden, um «Zeitverzögerungen und manuelle Fehler» zu vermeiden, verlangt die Taskforce.

Sie empfiehlt ein schweizweites Impfregister, um die Schutzwirkung der Impfung gegen verschiedene Virus-Varianten langfristig untersuchen zu können. So könne auch die Impfstrategie gezielt angepasst werden. Hier sprechen die Experten auch das heikle Thema Impfobligatorium an. Ein solches könnte nämlich dem Szenario entgegenwirken, dass ein Teil der Bevölkerung in den kommenden Monaten den Immunschutz aufgrund einer länger zurückliegenden Impfung oder Genesung wieder verliert. Denn dann würde wieder eine Überlastung des Gesundheitswesens drohen. Die Schweiz könne eine führende Rolle bei der Verteilung und Bereitstellung von Impfstoffen einnehmen und so zu einer hohen Grundimmunität bei der Weltbevölkerung beitragen.

Zudem empfehlen die Experten, klinische Proben und Abwasserproben aufrechtzuerhalten, um schnell neue Varianten zu erkennen, sowie die Viruszirkulation im Auge zu behalten. (yam)

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31 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Nordkantonler
16.02.2022 21:03registriert September 2020
Der Titel "Viele chirurgische Masken sind effektiver als einzelne FFP2-Masken" klingt (bewusst?) so, als ob Chirurgiemasken effektiver seien als ihre FFP2-Konterparts, aber genau das ist ja nicht der Fall: die Prämisse ist ja nicht FFP2- gegen Chirurgiemaske, sondern eine Person mit Maske oder alle mit Maske. Da man jedoch nicht beeinflussen kann (und von Exekutivseite sich nicht imstande sieht), ob andere eine Maske tragen, ist das Szenario völlig unbrauchbar.
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