Schweiz
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Bundespraesidentin Simonetta Sommaruga, links, diskutiert mit Bundesrat Alain Berset, am Ende einer Medienkonferenz des Bundesrates ueber die Situation des Coronavirus, am Mittwoch, 29. April 2020 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Bundesratspräsidentin Sommaruga diskutiert mit Bundesrat Berset nach der Lockerungs-Pressekonferenz, 29. April. Bild: KEYSTONE

Von euphorisch bis mahnend – das sagt die Schweizer Presse zu den Lockerungen des Bundes

Der Tenor in den Tageszeitungen nach den am Vortag vom Bundesrat beschlossenen Lockerungen ist gemischt. Während die einen Kommentatoren die neu gewonnene Freiheit rühmen, weisen andere auf das Risiko einer zweiten Welle hin.



NZZ: «Helvetia erwacht – wie herrlich!»

Mit diesen Worten kommentiert die «Neue Zürcher Zeitung» die am Mittwoch vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen zur Lockerung der Corona-Massnahmen. Es sei ein Ruck durch die Landesregierung gegangen. Statt weiter zögerlich, ja ängstlich zu agieren, habe der Bundesrat neuen Mut gefasst. In den Gesichtern und Stimmen sei Erleichterung erkennbar gewesen. Der Bundesrat müsse nun rasch aus dem Krisenmodus kommen. Gefordert sei auch das Parlament, wenn es nächste Woche zur ausserordentlichen Session zusammen komme. Es müsse seriös handeln. Für Profilierungen als Retter der Nation sei kein Platz.

Tagi: «Der Bundesrat probt eine gefährliche Lockerheit»

Sehr kritisch äussert sich die Kommentatorin im «Tages-Anzeiger» zu den weitgehenden Lockerungen. Die neue Leichtigkeit des Seins habe sich bereits in den Köpfen der Menschen festgesetzt. Für diese gefährliche Lockerheit seien der Bundesrat und die Behörden mit verantwortlich. Unter dem Druck der Solotänzer Cassis und Maurer habe der Bundesrat die Öffnung beschleunigt. So steige das Risiko, dass bald eine zweite Welle auf die Schweiz zurolle. Die Regierung habe ihren selbst gewählten Mittelweg verlassen und fahre Zickzack.

«Aargauer Zeitung»: «Trotz Risiken spricht vieles für die Lockerung der Massnahmen gegen das neue Coronavirus»

Trotz Risiken spreche vieles für die Lockerung, lautet der Tenor bei der «Aargauer Zeitung». Eine Kehrtwende, wie sie der Bundesrat nun vollzogen habe, sei bis vor kurzem nicht absehbar gewesen. Die Wirtschaft könne aufschnaufen. Euphorie sei jedoch Fehl am Platze. Die strengen Schutzregeln verunmöglichten grosse Sprünge. Bevor der gestaffelte Wiedereinstieg in die Normalität am 11. Mai beginne, müsse der Bundesrat verlorenes Vertrauenskapital zurückgewinnen. Denn ohne die Kooperation der Bevölkerung sei jede noch so ausgeklügelte Eindämmungsstrategie wirkungslos.

«Blick»: «Wir haben unser Leben zurück!»

So lautet die Schlagzeile auf der Frontseite des «Blick». Der Bundesrat habe sich nach dem Stillstand für eine weitgehende Öffnung entschieden. Das sei ein grosser Unterschied zum Auftritt der Regierung vor zwei Wochen. Der «Blick» hatte damals das fehlende Vertrauen in die Selbstverantwortung der Bürgerinnen und Bürger kritisiert. Nun erhielten die meisten Wirtschaftszweige eine Perspektive. Einzig Grossveranstaltungen blieben verboten und Auslandreisen weitgehend ausgeschlossen.

«Berner Zeitung»: «Plötzlich gehts in grossen Schritten vorwärts»

Der 11. Mai, der Termin für weitere Lockerungen nach der Coronakrise, sei so etwas wie ein vorgezogener Nationalfeiertag, kommentiert die «Berner Zeitung». Läden, Beizen und Märkte dürften mit dem entsprechenden Schutz wieder öffnen. Die Zeit der teils absurden Einschränkungen, wo der eine Laden öffnen dürfe, was dem anderen verboten bleibe, sei endlich vorbei. Bürgerinnen und Bürger hätten Selbstverantwortung bewiesen und würden es weiterhin tun. Die Schweiz müsse lernen, mit dem Virus zu leben.

«Südostschweiz»: Das Hochrisikospiel

Als Hochrisikospiel bezeichnet der Kommentator der «Südostschweiz» die überraschende Öffnung von Restaurants, Bars und Gastrobetrieben am 11. Mai, ohne abzuwarten, was der erste Öffnungsschritt bringen werde. Das sei offenbar der politische Preis, den die Regierung zu zahlen bereit sei. Faktisch habe der Bundesrat am Mittwoch den Stillstand per 11. Mai aufgehoben. Einige Restriktionen blieben bis zum Herbst. Aber das Gröbste sei weg. In der Bevölkerung dürfte die Vorsicht schwinden. Da könnte den Bundesexperten bald einmal der Himmel auf den Kopf fallen.

«Der Bund»: Ein märchenhafter Sommer zu Hause

Der Kommentator im «Bund» fokussiert auf die Gastronomie, die früher als gedacht nun doch auf ein Sommermärchen zusteuern könne. Ob der Druck der Branche gewirkt habe oder die Sorge überwogen habe, einen Teil des Gewerbes gegen die Wand zu fahren, könne offen bleiben. Die Gastronomen, die eben noch den Fall ins schwarze Loch befürchtet hätten, sähen nun wieder eine Perspektive.

«Tribune de Genève»: «Le virus du chômage accélère le déconfinement»

Der Bundesrat habe beim Entscheid über die Lockerung der Massnahmen zur Eindämmung des Coronavirus zwar auf gesundheitlichen Kriterien geachtet. Nun aber rückten Themen wie Arbeitslosigkeit und Verschuldung ins Zentrum, schreiben die Westschweizer Tageszeitungen «Tribune de Genève» und «24 Heures». Nun sei wieder die Zeit der Politiker gekommen. Die bürgerliche Mehrheit im Bundesrat habe sich für die für beschleunigte Lockerungen ausgesprochen. Zwar sei es positiv, dass die Wirtschaft und die Kantone wieder über einen gewissen Handlungsspielraum. Aber viele Fragen seien noch offen.

«Le Temps»: «Déconfinement: ne pas tomber dans l’euphorie»

Für die Westschweizer Tageszeitung «Le Temps» stellen die vom Bundesrat beschlossenen Massnahmen einen Wendepunkt in der Krise dar. Bisher habe die Gesundheit Priorität gehabt. Nun rücke die wirtschaftliche Erholung ins Zentrum. Die bürgerlichen Parteien, die Wirtschaft und eine Mehrheit der Deutschschweizer Kantone hätten aufs Tempo gedrückt. Bundesrat Alain Berset habe sich der rechten Mehrheit im Bundesrat beugen müssen. Positiv sei, dass die Landesregierung nicht dem Druck von Gewerkschaften nachgegeben habe, die gegen die Wiederaufnahme des Schulunterrichts waren.

(jaw/sda)

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Simonetta Sommarugas Rendezvous mit der Realität

Die Bundesrats-PK vom 29. April im Video:

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Woichbinistvorne 01.05.2020 07:19
    Highlight Highlight Sommaruga kopiert mal wieder Merkel mit den Händen. :-)
  • D.R. 30.04.2020 15:01
    Highlight Highlight Unsere Regierung macht einen super Job, jeder Schritt wurde gut erklärt und die Logik dahinter ist immer Zielorientiert. Das gleiche kann man von einigen Wirtschaftsverbänden nicht behaupten. Im speziellen vom GastroSuisse habe ich noch nicht viel gehört das wirklich Sinn ergibt. Als Gastronom sehe ich die Öffnung am 11. Mai als zu früh und ich bin bei weitem nicht der Einzige aus unserer Branche der das so sieht. Je nach Grösse und Infrastruktur eines Betriebes wird es nicht möglich sein die Auflagen zu erfüllen und gleichzeitig wirtschaftlich zu arbeiten. Danke GastroSuisse
  • Turicum04 30.04.2020 09:10
    Highlight Highlight Ein Skandalurteil für die Wirtschaft! Im Marxismus wäre dies nie passiert. Der Leidtragende ist der Mensch (mit Ausnahme vielleicht der Kapitalisten). Solidarisieren wir uns bei den nächsten Wahlen.
    • PC Principal 30.04.2020 11:52
      Highlight Highlight Wenn man einfach jeden in den Gulag schicken der erkrankt dann gibt es kein Problem. Nordkorea hat noch immer keinen einzigen Coronafall.
    • PaLve! 30.04.2020 15:38
      Highlight Highlight Das hat überhaupt keinen Zusammenhang.
      Schweden und Weissrussland sind die einzigen europäischen Länder, die aus der Reihe tanzen.
      Schweden hat ne linke Regierung und Lukaschenko macht auch halbwegs linke Politik
  • Theageti 30.04.2020 08:55
    Highlight Highlight Kann gut kommen, muss es nicht.
    Kann böse werden, muss es nicht.

    Time will tell.

    Abwarten und Hygieneempfehlungen befolgen. In einigen Wochen wissen wir mehr :)
  • Gurgelhals 30.04.2020 08:42
    Highlight Highlight Es gibt wohl kein deutlicheres Warnsignal als wenn es bei der NZZ vor von himmelhoch jauchzendem Pathos plötzlich nur so trieft... 😐
    • Pakart 30.04.2020 10:02
      Highlight Highlight Genau mein Gedanke.
    • K1aerer 30.04.2020 16:46
      Highlight Highlight Stimmt nur die Linken haben immer Recht...
  • Honolulu1 30.04.2020 07:33
    Highlight Highlight Im Tessin werden die über 65jährigen immer noch massiv diskriminiert. Dürfen morgen nur zwischen 8 und 10 einkaufen. Jetzt denkt man in Bellinzona nach, den älteren Mitmenschen den zugang zu Beizen und Restaurants ganz zu verwehren....Spinnen die jetzt total?

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