DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Schulen sind in der Schweiz weiterhin meist im Präsenzunterricht.
Die Schulen sind in der Schweiz weiterhin meist im Präsenzunterricht. Bild: keystone

Der R-Wert ist erstmals seit November unter 0,8 – doch zum Jubeln gibt es keinen Grund

Auf den ersten Blick sieht es aktuell nach einer Entspannung der Corona-Lage aus – und die Auswirkungen des Lockdowns stehen erst bevor. Doch schauen wir in fünf Punkten etwas genauer hin, wie sich die Sache momentan entwickelt.
22.01.2021, 19:1609.03.2021, 10:36
Reto Fehr
Folgen

Seit Montag sind wir wieder im Lockdown. Obwohl die täglichen Neuinfektionen schon seit rund zwei Wochen abnehmen. Aber die Angst vor den Corona-Mutationen ist gross.

Basel-Stadt mausert sich momentan beispielsweise zum Vorzeigekanton. Kantonsarzt Thomas Steffen sagte im Interview mit watson, dass er die aktuellen Massnahmen für «völlig in Ordnung» hält. Er will keine Angst schüren, glaubt aber, dass die Schweiz noch einen langen Weg vor sich hat.

Kurzfristig zeigen sich bekanntlich die Auswirkungen von Massnahmen jeweils erst rund zwei Wochen später. Die aktuellen Veränderungen haben also noch nichts mit dem verhängten Lockdown vor fünf Tagen zu tun.

Also alles doch übertrieben? Schauen wir auf den aktuellen Stand der Dinge.

>> Coronavirus: Alle News im Liveticker

Wie verbreitet sind die Virus-Varianten?

Beginnen wir mit den Virus-Varianten aus Grossbritannien (B.1.1.7) und Südafrika (B1.351), welche der Hauptgrund für die aktuell stärkeren Massnahmen sind. Diese Virus-Varianten verbreiten sich weiterhin in der Schweiz.

Die Mutationen zu finden, ist nicht immer möglich. In der Schweiz werden rund ein Drittel aller Fälle auf die Mutante geprüft. Daher ist die Dunkelziffer wohl gross. Trotzdem gilt festzuhalten: Die Entwicklung der Kurve ist nicht erfreulich:

Der aktuellste Stand sind die 582 Mutationen in der Schweiz und Liechtenstein. Die Gesamtzahl steigt also momentan steil nach oben. Doch wie sieht es mit den täglichen Fallzahlen aus?

Fallzahlen gehen langsamer runter

Seit Mitte November registrierte die Schweiz täglich zwischen 4000 bis 6000 neue Fälle. Der Trend zeigte ab Ende Dezember leicht gegen unten und nahm dann um den 7. Januar deutlich ab. Der befürchtete Anstieg nach den Festtagen konnte verhindert werden. Seither geht die Abnahme weiter, allerdings langsamer. Zudem ist für die letzten Tage noch mit Nachmeldungen zu rechnen.

Um die verlangsamte Veränderung noch deutlicher aufzuzeigen, haben wir in der folgenden Grafik die täglichen Fallzahlen mit dem Wert von sieben Tagen zuvor verglichen. Am 9. Januar betrugen die Fallzahlen also 62% von denjenigen am 2. Januar. Am 16. Januar 79% von einer Woche zuvor. Auch in den letzten Tagen nahm die Zahl weiter ab – und Nachmeldungen sind für die letzten Tage noch zu erwarten:

Was macht die Positivitätsrate?

Die Positivitätsrate nahm in den letzten Tagen kontinuierlich ab. Am 21. Januar standen wir bei 7,8 Prozent. So tief war dieser Wert seit dem 8. Oktober nicht mehr. Heute lag sie mit 8,1 Prozent knapp drüber. Zur Erinnerung: Die WHO gibt einen Wert von 5 Prozent oder tiefer vor. Liegt die Positivitätsrate höher, ist mit einer erhöhten Dunkelziffer zu rechnen. Aktuell bewegen wir uns also in die richtige Richtung.

Auffallend ist auch, dass die Positivitätsrate über die Ferienzeit ab dem 28. Detember bis am 6. Januar deutlich anstieg und sich jetzt wieder senkt. Dies deutet darauf hin, dass in jener Zeit mehr Fälle nicht entdeckt wurden als aktuell und darum womöglich auch die stärkere Abnahme der Fallzahlen innert sieben Tagen (siehe Punkt 2).

Was machen die R-Werte?

Der aktuellste Schweizer R-Wert vom 12. Januar liegt bei 0,79. Damit liegt er wieder unter der vom Bundesrat angestrebten Schwelle von 0,8. Ein R-Wert unter 0,8 bedeutet, dass sich die Fallzahlen alle zwei Wochen halbieren. Letztmals lag dieser Wert am 12. November unter der magischen Grenze (0,78).

Wie bei den Fallzahlen ist allerdings auch hier eine Verlangsamung der Abnahme in den letzten Tagen festzustellen. Schon am 2. Januar wurde der R-Wert nämlich auf 0,83 geschätzt. Nochmals sieben Tage zuvor (26.12.) stand er noch bei 0,97 und damit nur knapp unter dem kritischen Wert von 1,00.

In einzelnen Kantonen sieht die Lage nicht so rosig aus. So liegt der R-Wert in Obwalden (1,06) und Genf (1,07), derzeit über 1,00. Vor der letzten Aktualisierung lagen auch noch Uri und Schaffhausen drüber, diese zwei Kantone wurden jetzt aber nach unten korrigiert.

In den Kantonen St.Gallen (0,79), Zürich (0,78), Zug (0,76), Solothurn, Schwyz (beide 0,75), Basel-Stadt (0,73), Glarus, Tessin (beide 0,70), Thurgau (0,69) und Appenzell-Ausserrhoden (0,67) befindet sich der Wert unter 0,8. Auch hier verlangsamte sich die Abnahme in den letzten Tagen allerdings vielerorts.

So war es im 1. Lockdown

Am 16. März ging die Schweiz bekanntlich in den ersten Lockdown. Vergleichen kann man die Situation damals aus verschiedenen Gründen (Anzahl Tests, keine Mutante, etc.) nicht mit heute. Aber zur Erinnerung noch einmal aufgezeigt, wie und wann sich der Lockdown auf die Fallzahlen auswirkte.

Die zwei Wochen, nach welchen mit Auswirkungen der aktuellen Massnahmen gerechnet werden kann, werden wir am 1. Februar erreichen. Bis dahin gilt: Es geht in die richtige Richtung, allerdings nahm das Tempo zuletzt ab. Hoffentlich nicht, weil eine erneute Wende bevorsteht.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

19 Ideen, was du in der Coronavirus-Quarantäne tun könntest

1 / 17
19 Ideen, was du in der Coronavirus-Quarantäne tun könntest
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

So sieht das Coronavirus wirklich aus

Video: watson

Abonniere unseren Newsletter

112 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Toerpe Zwerg
22.01.2021 16:18registriert Februar 2014
"Der befürchtete Anstieg nach den Festtagen konnte verhindert werden."

Da wurde nichts "verhindert" (womit denn? durch die Massnahmen vom Dezember, welche gemäss wissenschaftlicher Task Force niemals ausreichen werden?). Der Anstieg fand einfach nicht statt. Die Prognosen waren falsch.
627149
Melden
Zum Kommentar
avatar
pali2
22.01.2021 16:46registriert September 2015
So, und jetzt freuen wir uns doch einfach mal kurz darüber, dass die Situation bei uns momentan recht gut aussieht. Und dies ohne harten Lockdown mit Ausgangssperren und ohne Schulschliessungen. Man muss doch nicht immer alles schlecht machen!
47525
Melden
Zum Kommentar
avatar
Dave1974
22.01.2021 15:53registriert April 2020
"Die Mutationen zu finden, ist nicht immer möglich. In der Schweiz werden rund ein Drittel aller Fälle auf die Mutante geprüft."
Sprich auf B.1.1.7, oder?

Dann ein Tweet, mit 582 Ansteckungen mit Mutationen.

Das hat man gestern schon mal mit einer Tickerschlagzeile versucht, aber immerhin im Tickertext klargestellt, dass nur ein Teil der Mutationen als B.1.1.7 und B1.351 identifiziert werden konnten und andere noch nicht zugeordnet werden konnten.
Der Tickertext ist natürlich schon getaucht.

Kann man nicht einfach Klartext schreiben?
So riecht es wirklich nach absichtlichem Irreführen.
28423
Melden
Zum Kommentar
112
Krankenkasse wechseln kann sich lohnen – so hätte man über 30'000 Franken sparen können
Mit geschicktem Wechseln der Krankenkasse hätten Versicherte in den letzten zehn Jahren über 30'000 Franken sparen können. Dies zeigt eine Analyse des Vergleichsdienstes Comparis.

Mit dem erwarteten Prämienschock im Herbst wird die Frage wieder aktuell: Was bringt ein Wechsel der Krankenkasse? Unter Umständen sehr viel, so die Antwort von Comparis. In einer am Donnerstag vorgestellten Studie hat der Online-Vergleichsdienst das Sparpotenzial in den grössten Kantonshauptorten über die letzten zehn Jahre analysiert. Das Resultat: Zwischen 2012 und 2022 hätten sich Versicherte mit geschicktem Wechseln einen Kleinwagen zusammensparen können.

Zur Story