Eltern von Kellnerin Cyane P. weisen Moretti-Aussagen zurück
Jessica Moretti, die zusammen mit ihrem Mann Jacques Moretti die Unglücksbar Le Constellation in Crans-Montana betrieb, hatte gegenüber der Staatsanwaltschaft gesagt, dass Kellnerin Cyane P. «eine kleine Schwester» für sie gewesen sei. Sie hätten ein enges Verhältnis gehabt. P., die mit einem Koch aus einem der anderen Lokale der Morettis liiert war, habe auch Weihnachten mit ihnen verbracht.
Diese Aussagen stossen der Familie der ums Leben gekommenen jungen Französin sauer auf – denn sie haben laut den Angehörigen nichts mit der Realität zu tun. Über ihre Anwältin lassen diese mitteilen, dass sie «zutiefst betrübt über bestimmte Erklärungen, die in der Presse gemacht wurden, insbesondere über die angebliche Art der Beziehung zwischen Cyane und dem Ehepaar Moretti» sind, wie der Blick berichtet.
Das Verhältnis zwischen der 24-Jährigen und den Morettis sei rein professionell gewesen, sie hätten sich beispielsweise nie geduzt. Das würden Chatnachrichten, die – unter anderem noch am Tag des Brandes – ausgetauscht wurden, klar belegen.
Mehr noch: P. soll den Umgang der Morettis mit dem Mitarbeitenden kritisch gesehen haben. Sich selbst habe sich «ausgenutzt» gefühlt, zudem äusserte «sie Unverständnis über den aus ihrer Sicht bestehenden Mangel an Empathie und Verständnis seitens der Arbeitgeber», wie es weiter heisst.
P. musste laut den Angehörigen ständig arbeiten, ihre Tage sollen «unendlich» lang gewesen sein, sie haben am selben Tag in mehreren der Betriebe der Morettis gearbeitet. Sie habe sich erst kürzlich der Familie anvertraut und von einer «tiefen Erschöpfung» gesprochen. P. habe bereits ein Arbeitsgericht wegen der aus ihrer Sicht misslichen Zustände eingeschaltet.
Der Kanton Wallis ermittelte 2022 gegen die Morettis wegen womöglich schlechter Arbeitsbedingungen. Nach mehreren Meldungen von Mitarbeitenden schickte das Arbeitsinspektorat Kontrolleure in die Lokale der Betreiber. Was dabei herauskam, ist nicht bekannt.
Die junge Kellnerin spielte beim Brand in der Silvesternacht mutmasslich eine verhängnisvolle Rolle. Auf Bildern und Videos war zu sehen, wie die Decke durch mit Sprühkerzen bestückte Flaschen Feuer fing – getragen von der jungen Frau, die auf den Schultern einer weiteren Person sass. P. hatte laut der Darstellung ihrer Familie am Silvesterabend im Erdgeschoss arbeiten sollen. Auf Anordnung von Inhaberin Jessica Moretti habe sie aber aufgrund vieler Bestellungen im Untergeschoss ausgeholfen.
Jacques Moretti gab zu Protokoll , er habe er P. zusammen mit anderen Personen nach dem Brand hinter einer verschlossenen Tür leblos aufgefunden. Trotz Wiederbelebungsmassnahmen kam die Hilfe für die junge Frau zu spät.
Die Anwältin und die Familie äusserten sich in einer früheren Stellungnahme bereits zum Unglück und dem Schicksal ihrer Tochter. Diese sei ebenfalls Opfer und ohne Verantwortung für das Geschehene: «Wären die Brandschutzvorschriften eingehalten worden, wäre es schlichtweg nicht zu einem Brand gekommen», so die Anwältin. P. sei nie über die gefährlich entflammbare Decke informiert worden und habe auch keine Sicherheits-Schulung erhalten.
(con)
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