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Künftig soll der Konsument einfacher sehen, was in den Globuli drin ist.
Künftig soll der Konsument einfacher sehen, was in den Globuli drin ist.Bild: DPA Zentralbild

Schaben und Hundekot in Globuli: Bessere Deklaration von homöopathischen Mitteln verlangt

«Abenteuerliche» Inhaltsstoffe, die nur auf lateinisch deklariert sind: Die deutsche CDU will strengere Regeln für homöopathische Präparate. Auch in der Schweiz gibt es Globuli mit Küchenschaben und Rattengift zu kaufen.
28.07.2017, 05:3828.07.2017, 12:02

Weisst du, was eine «Blatta orientalis» ist? Und worum es sich bei «Excrementum caninum» handelt? Beide kommen als Inhaltsstoffe in gewissen homöopathischen Heilmitteln vor. Hinter dem ersten Begriff verbirgt sich die Gemeine Küchenschabe, hinter dem zweiten nichts anderes als Hundekot.

Geht es nach der deutschen CDU, der Partei von Bundeskanzlerin Angela Merkel, soll sich dies den Konsumenten in Deutschland künftig auf den ersten Blick erschliessen. Die Partei verlangt eine «klare und verständliche Kennzeichnung homöopathischer Mittel», wie sie in Pressemitteilung schreibt, die sie Anfang Woche veröffentlicht hat.

Deutsche Bezeichnungen auch in der Schweiz nicht Pflicht

Konsumenten erwarteten heute in allen Lebensbereichen verständliche Informationen – vom Frühstück bis zum Mietvertrag, lässt sich die Konsumentenschutz-Verantwortliche der CDU-Bundestagsfraktion, Mechthild Heil, zitieren. Dass homöopathische Mittel heute oft nur auf Latein angeschrieben seien, sei «nicht zeitgemäss», so die Politikerin, die sich bereits früher öffentlich an den «abenteuerlichen» Inhaltsstoffen solcher Produkte gestört hat.

Auch in der Schweiz müssen die Inhaltsstoffe homöopathischer Produkte lediglich mit den Namen angeschrieben sein, die in der homöopathischen oder anthroposophischen Fachliteratur gebräuchlich sind. Vorschriften für Übersetzungen ins Deutsche gebe es nicht, sagt Lukas Jaggi, Sprecher des Schweizerischen Heilmittelinstituts Swissmedic, auf Anfrage.

«Wenn auf einem Fläschchen mit Globuli ‹Excrementum caninum› draufsteht, weiss vielleicht ein gebildeter Lateiner, dass es sich um Hundescheissdreck handelt.»
Beda Stadler, Immunologe

Immunologe Beda Stadler ist einer der profiliertesten Kritiker der Komplementärmedizin in der Schweiz. Er sagt: «Neben Hundekot ist beispielsweise auch Rattengift ein beliebtes Mittelchen in der Homöopathie.» Die sei insofern kein Problem, als dass die meisten Präparate so weit verdünnt seien, «dass kein Molekül von der Ausgangssubstanz mehr erhalten ist».

Beda Stadler ist ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern.
Beda Stadler ist ehemaliger Direktor des Instituts für Immunologie der Universität Bern.Bild: KEYSTONE

Dennoch würde Stadler eine schärfere Deklarationspflicht auch in der Schweiz befürworten: «Wenn auf einem Fläschchen mit Globuli ‹Excrementum caninum› draufsteht, weiss vielleicht ein gebildeter Lateiner, dass es sich um Hundescheissdreck handelt. Es wäre jedoch wichtig, dass jeder Normalbürger versteht, was er da zu sich nimmt.» Wären die Konsumenten darüber im Bild, «wäre der Homöopathie-Hype in Kürze tot», ist er überzeugt.

«Dem Konsumenten nützt es nichts, wenn er ‹Sturmhut› liest.»
Beatrice Soldat-Braun, Co-Präsidentin des Homöopathie-Verbands Schweiz

Beatrice Soldat-Braun, Co-Präsidentin des Homöopathie-Verbands Schweiz, widerspricht vehement: «Würden homöopathische Heilmittel auf Deutsch angeschrieben, stiftete dies nur Verwirrung», argumentiert sie. Im homöopathischen Arzneimittelbuch seien die Inhaltsstoffe in lateinischer Sprache aufgeführt. Würde plötzlich mit Übersetzungen gearbeitet, könnte dies in den Apotheken und Drogerien zu Missverständnissen führen.

Auf die «abenteuerlichen» Inhaltsstoffe angesprochen, winkt Soldat-Braun ab: «Ich kenne über hundert Homöopathen in der Schweiz. Keiner davon hat je Hundekot verschrieben.» Meist werde mit Pflanzen oder Mineralien gearbeitet. «Dem Konsumenten nützt es nichts, wenn er ‹Sturmhut› liest. Er weiss dann genauso wenig, dass es sich um eine der giftigsten Pflanzen der Schweiz handelt, wie wenn er den lateinischen Namen ‹Aconitum› vor sich hat.»

Der Einsatz solch giftiger Pflanzen sei sicher, sagt die Homöopathin mit Praxis im Ausserrhodischen Teufen weiter. «Alle gefährlichen Stoffe sind so weit verdünnt, dass sie völlig unbedenklich sind.» Auf die Kritik der Gegner, dass dadurch auch die Wirkung verfliege, erwidert sie: «Wir erleben in der Praxis, dass homöopathische Mittel Beschwerden lindern können. Das ist die Hauptsache.»

Schaben-Präparate offiziell erlaubt

Die Amerikanische Grossschabe.
Die Amerikanische Grossschabe.wikipedia.de/ Preiselbeere

Fakt ist: Die alternative Medizin geniesst in der Schweizer Bevölkerung heute grossen Rückhalt. 2009 stimmten zwei Drittel der Stimmbürger einer Verfassungsbestimmung zu, die zum Ziel hatte, die Komplementärmedizin besser ins Gesundheitssystem zu integrieren. Eine Folge davon ist, dass solche Behandlungen seit 2012 von der obligatorischen Krankenkasse übernommen werden. Erst vor Monatsfrist hat der Bundesrat diese Regelung unbefristet verlängert.

Im Vergleich zu klassischen Arzneimitteln durchlaufen komplementärmedizinische Präparate in der Regel ein vereinfachtes Zulassungsverfahren. In den meisten Fällen sei es also nicht nötig, klinische Studien oder Tierstudien einzureichen, erläutert Swissmedic-Sprecher Jaggi.

In der Liste der in der Schweiz zugelassenen homöopathischen und anthroposophischen Arzneimittel befinden sich über zehn Präparate, die aus der Gemeinen Küchenschabe («Blatta orientalis») oder der Amerikanischen Grossschabe («Blatta americana») hergestellt sind. Auch das von Stadler erwähnte Rattengift («Arsenicum album») befindet sich auf der Liste. Heilmittel aus Hundekot sucht man in den zugelassenen Globuli und Tropfen hingegen vergeblich.

So funktioniert Homöopathie
Die Homöopathie geht auf den deutschen Arzt Samuel Hahnemann (1755 - 1843) zurück. Zur Herstellung der homöopathischen Arzneimittel werden die Grundsubstanzen einer sogenannten Potenzierung (Verdünnung) unterzogen. Sie werden also wiederholt mit Wasser oder Ethanol verschüttelt oder mit Milchzucker verrieben. 

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58 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Bits_and_More
28.07.2017 10:06registriert Oktober 2016
Darf ich einen Homöopathen mit einem Glas Wasser bezahlen, in welches ich eine 10er Note getunkt habe?
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seventhinkingsteps
28.07.2017 08:53registriert April 2015
Globuli sollten ja eigentlich unter Lebensmittel fallen, viel mehr wie Tic-Tac bringen sie ja nicht

Zutaten: Zucker

100g beinhalten:

Fett: 0g
Eiweiss: 0g
Vitamin A: 0mg
Vitamin B: 0mg
Kohlenhydrate: 100g, davon Zucker: 100g
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Lady Shorley
28.07.2017 09:58registriert November 2016
Ich fände es sinvoller, wenn auch komplementärmedizinische Arzeneien das gleiche Zulassungsverfahren wie Pharmaprodukte durchlaufen müssten. Wenn die Wirksamkeit nicht bestätigt wird, darf das Mitteln nicht als medizinisches Produkt verkauft werden und wird von den Krankenkassen nicht übernommen.
Lebensmittel mit Gesundheits-Benefit dürfen ja auch nicht "regt die Darmtätigkeit an" deklarieren, sondern müssen "kann die Darmtätigkeit anregen" draufschreiben. So könnte man doch die nicht-wirksamen Mittel trotzdem verkaufen, und wer dran glaub, der darf das auch weiterhin.
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