Schweiz
Energie

Ex-Finanzdirektor: «Kantone sind Aufgabe nicht gerecht geworden»

Ex-Finanzdirektor zu Energie-Krise: «Kantone sind Aufgabe nicht gerecht geworden»

17.10.2022, 08:5017.10.2022, 08:50
Das AKW Beznau darf Kühlwasser künftig nur noch in die Aare leiten, wenn deren Temperatur unter 25 Grad liegt. (Archivbild)
Bild: KEYSTONE

Ex-Finanzverwaltungsdirektor Peter Siegenthaler kritisiert die Aufsicht über die Energieunternehmen: «Die heutigen Eigentümer, und das sind weitestgehend die Kantone beziehungsweise ihre Politiker, sind ihrer Aufgabe als Eigentümer nicht voll gerecht geworden.»

Es sei zu wenig Klarheit darüber geschaffen worden, was die eigentliche Aufgabe der Unternehmen sei. Ginge es nur um Gewinnmaximierung, bräuchte es den Staat nicht. «Wenn es aber um die Versorgungssicherheit geht, hätte man genauer hinschauen müssen», sagte der Berner Jurist, in dessen Amtszeit die Swissair- und die UBS-Krise fielen, im Interview mit den «Tamedia»-Zeitungen.

Die wichtigste Aufgabe sei nun die Klärung der Eignerstrategie bei den Energieunternehmen. «Die beteiligten Kantone als Aktionäre müssen sich zusammensetzen und klären, was sie von ihrer Unternehmung wollen», sagte Siegenthaler. Doch auch der Bund müsse überlegen, ob die systemrelevanten Teile der Stromproduzenten strenger reguliert werden sollten.

Dass der Bund nun auch im Energiesektor mit einem Rettungsschirm einspringen müsse, sei störend. «Was mir auffällt, ist eine Häufung der staatlichen Rettungsaktionen», so Siegenthaler. Solche habe es zwar schon in der Vergangenheit gegeben, etwa bei der Uhrenindustrie. Seit der Jahrtausendwende jage aber eine Aktion die andere. «Da fragt man sich schon, ob die Hemmungen verloren gegangen sind.» (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
9 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9
Die Crack-Pfeife im Kinderzimmer: Wie Tiktok süchtig macht
Was Opium und Rauchen einst waren, sind soziale Medien heute. Tiktok betäubt viele und macht abhängig – nicht zufällig, sondern systematisch. Dennoch gibt es wichtige Unterschiede.
Religion war für Karl Marx im 19. Jahrhundert das Opium des Volkes: ein vermeintlicher Trostspender mit schwerwiegenden Folgen. Sie betäubt die Sinne, verstellt den Blick auf die gesellschaftliche Realität und lähmt den Willen der Proletarier, gegen ihr irdisches Leid aufzubegehren. Denn dieses ist gottgewollt – die Erlösung wartete nicht hier, sondern im Paradies.
Zur Story