DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
FILE - In this Feb. 11, 2014, file photo, made with an extreme wide-angle lens, Jeff Holland takes a picture of some of the 300,000 computer-controlled mirrors that reflect sunlight to boilers that sit on 459-foot towers at the Ivanpah Solar Electric Generating site in Primm, Nev. The largest solar power plant of its type in the world, promoted as a turning point in green energy, isn’t producing the expected energy and one of the reasons is as basic as it gets: The sun isn’t shining as often as expected. (AP Photo/Chris Carlson, File)

Das Solarthermiekraftwerk Ivanpah in der Mojave-Wüste ist das weltgrösste seiner Art. Bild: Chris Carlson/AP/KEYSTONE

Kalifornien schafft das «Solarwunder» – was die Schweiz daraus lernen kann

Während in der Schweiz über die Energiewende gestritten wird, hat Kalifornien bei den erneuerbaren Energien einen Meilenstein erreicht: An einem Märztag wurde erstmals mehr als 50 Prozent des Stromverbrauchs durch Solarenergie gedeckt.



US-Präsident Donald Trump liebt die Kohle. Ende März hob er den «Clean Power Plan» seines Vorgängers Barack Obama auf, in Anwesenheit von Grubenarbeitern. Trump will ihre Jobs retten, dabei spricht die Realität in den USA längst gegen den Kohleabbau und für das billigere Fracking-Erdgas – und die erneuerbaren Energien. An der US-Westküste erleben sie einen Boom.

In Kalifornien, dem bevölkerungstärksten Bundesstaat, wurde im letzten Monat ein denkwürdiger Meilenstein registriert. Am 11. März lieferte die Solarenergie während einiger Stunden mehr als die Hälfte des gesamten Stromverbrauchs. Verantwortlich waren thermische und photovoltaische Kraftwerke wie auch Privathaushalte, teilte die unabhängige Energieinformationsbehörde (EIA) mit.

Bild

Die Enwicklung auf dem kalifornischen Strommarkt am 11. März. grafik: eia

Die Rahmenbedingungen begünstigten diesen «Rekord». Es war ein Samstag, und im milden Frühling wird in Kalifornien weniger Strom benötigt als in anderen Jahreszeiten, weshalb «konventionelle» Kraftwerke weniger gefordert sind. Die Solarstrom-Schwemme sorgte zudem dafür, dass der Marktpreis während dieses «Peaks» in den negativen Bereich gelangte. Lieferanten hätten also theoretisch für die Abnahme ihres Stroms zahlen müssen, statt selber bezahlt zu werden.

Von der Krise zum Boom

Die Entwicklung ist beeindruckend. Noch vor 15 Jahren spielte die Solarenergie in Kalifornien praktisch keine Rolle. Der Staat sorgte durch eine hartnäckige Energiekrise für Schlagzeilen. Unter dem republikanischen Gouverneur Arnold Schwarzenegger begann die Förderung der Sonnenenergie mit Subventionen und Steuererleichterungen.

Und ein Ende ist nicht in Sicht. Bis 2030 soll 50 Prozent des Bedarfs durch «grünen» Strom aus erneuerbaren Quellen gedeckt werden. Nicht nur an einzelnen Tagen, sondern permanent.

Kann man Kalifornien mit der Schweiz vergleichen, wo am 21. Mai über die Energiestrategie 2050 abgestimmt wird? Auf den ersten Blick sieht man vor allem die Unterschiede. Im «Golden State» scheint an bis zu 300 Tagen pro Jahr die Sonne, während sie in der Schweiz oft durch Wolken sowie im Herbst und Winter durch Nebel verdeckt wird.

In Kalifornien hat es viel Platz, dort entstanden einige der grössten Solarkraftwerke der Welt. Gleichzeitig ist Kalifornien auch die sechstgrösste Volkswirtschaft der Welt und damit in Sachen Stromverbrauch alles andere als ein «Nonvaleur». Im Silicon Valley und in anderen Wirtschaftszentren ist man auf eine gute und verlässliche Stromversorgung angewiesen.

Schweiz hinkt hinterher

Die Befürworter der Energiestrategie erkennen durchaus eine Vorbildrolle für die Schweiz. «Kalifornien zeigt, dass ein rascher Ausbau der Solarenergie möglich ist und dass hohe Anteile Solarstrom für das Stromsystem kein Problem darstellen», meint Felix Nipkow von der Schweizerischen Energie-Stiftung (SES). Und kontert damit ein Argument der Gegenseite, wonach der unregelmässig erzeugte Solarstrom die Netze belaste.

ZUR SDA-REPORTAGE UEBER DIE GRUENE VOLKSINITIATIVE STELLEN WIR IHNEN AM DIENSTAG 16. AUGUST 2016 FOLGENDES THEMENBILD ZUR VERFUEGUNG. - Eine der flaechenmaessig groessten Solarstrom Anlagen der Schweiz wird am Montag, 8. Maerz 2010, auf dem Flachdach des Migros Zentrums

Installation von Solarzellen auf dem Dach des Einkaufszentrums «Länderpark» in Stans NW. Bild: KEYSTONE

Die Photovoltaik habe auch in der Schweiz vor 15 Jahren kaum eine Rolle gespielt, «aber wir sind beim Ausbau verlangsamt unterwegs». Einer der Gründe ist die lange Warteliste für Gelder aus der kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV). Dieser Topf soll mit der ES 2050 erheblich stärker gefüllt werden. Die Gegner warnen vor einem «Subventionsregime». Sie kritisieren auch die Solarenergie an sich. Neben der schwankenden Produktion sei das Potenzial in der Schweiz zu gering.

Hälfte des Verbrauchs möglich

Für Felix Nipkow, den SES-Projektleiter für erneuerbare Energien, ist dies «doppelter Unsinn». Das Potenzial sei im Gegenteil enorm: «Alleine auf Dächern und Fassaden könnten wir die Hälfte des Stromverbrauchs erzeugen – ohne denkmalgeschützte Gebäude und nur dort, wo es sich lohnt.» Die Schweiz müsse aber nur jenen Drittel des Verbrauchs ersetzen, der aus den AKW komme. Neben Photovoltaik könnten Wind- und Wasserkraft, Biomasse oder Geothermie dazu beitragen.

Solarstrom werde auch nicht unregelmässig, sondern immer tagsüber erzeugt, wenn der Verbrauch hoch sei. «Wenn es bewölkt ist, profitiert die Wasserkraft, die flexibel einspringen kann und damit wieder rentabel wird», sagt Nipkow. Die Wasserkraft leide heute, «weil zu viel alte Kohle- und Atomkraftwerke in ganz Europa weiterlaufen und die Preise dauerhaft drücken».

Batterien und Solarziegel

Bei der Speicherung des Solarstroms werden ebenfalls laufend Fortschritte erzielt. Der Tesla-Konzern von Elon Musk verkauft Batterien für Privathaushalte, mit denen der Solarstrom gespeichert werden kann. Bald will Musk zudem Solar-Ziegel anbieten. Das Potenzial ist aus Sicht von SES-Projektleiter Nipkow vorhanden: «Selber erzeugter Strom vom eigenen Dach ist billiger als aus dem Netz bezogener, weil man dafür keine Netzentgelte bezahlen muss.»

Längste Staumauer der Schweiz

1 / 11
Längste Staumauer der Schweiz in Linthal GL eingeweiht
quelle: axpo
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Aus Systemsicht sei dies aber nicht notwendig. «Dank der vielen Speicher, die in Form von Stauseen in den Alpen zur Verfügung stehen, müssen wir mit dem Ausbau der Solarenergie nicht auf neue Technologien warten.» Ein Problem, das die Gegner der Energiestrategie besonders hervorheben, muss auch für Nipkow gelöst werden: Wie kann der Solarstrom vom Sommer in den Winter gespeichert werden? In der kalten Jahreszeit ist der Bedarf bekanntlich besonders hoch.

Neue Technologien

Doch Lösungen sind in Sicht, in Form von sogenannten Power-to-X-Technologien. «Strom kann in Gas oder Wärme umgewandelt werden und so über längere Zeit gespeichert werden.» Im Winter stehe diese Energie zum Beispiel für Mobilität oder Heizung zur Verfügung. «Es gibt in der Schweiz vielversprechende Forschungs- und Pilotprojekte dazu», sagt Felix Nipkow.

Kalifornien und die Schweiz mögen nur bedingt vergleichbar sein. Aber vom rasanten Fortschritt bei der Solarenergie kann sich die Schweiz einiges abschauen.

Solarenergie

Der «bewährte Energiemix» ist wie eine gedruckte Zeitung – ein Auslaufmodell

Link zum Artikel

Du glaubst immer noch nicht an Wind- und Sonnenenergie? Die neuesten Entwicklungen sollten dich eines Besseren belehren!

Link zum Artikel

So wenig Solarpanels braucht es, um mit deren Energie jeden Tag zur Arbeit zu fahren

Link zum Artikel

ETH-Professor: «Man müsste halt ein Tal mit Solaranlagen zupflastern»

Link zum Artikel

Dieser ETH-Professor mag keine Subventionen. Die Energiewende ist für ihn trotzdem kein Luxus – sondern ein glänzendes Geschäft

Link zum Artikel

Elon Musk ist «Iron Man»: Brauchen wir wieder einen Übermenschen, der uns vor dem Untergang bewahrt?

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Donald Trump will im August wieder ins Weisse Haus einziehen

Der Ex-Präsident ist überzeugt, dass im Bundesstaat Arizona der angebliche Wahlbetrug endgültig aufgedeckt wird.

Maggie Haberman ist eine der bekanntesten Politjournalistinnen in den USA. Vor der «New York Times» arbeitete sie für die Boulevard-Zeitung «New York Post». Damals berichtete sie regelmässig über Trump und seinen Clan. Daher gilt sie als eine der am besten informierten Journalisten in Sachen Trump.

Kürzlich hat Haberman folgenden Tweet veröffentlicht: «Trump hat einigen Leuten erzählt, dass er bis August wieder im Präsidenten-Amt sein werde.»

Die gleiche These verbreitet auch Sidney Powell, die …

Artikel lesen
Link zum Artikel