Schweiz
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Regierungsraetin Silvia Steiner an einer Medienkonferenz zur Vernehmlassung zum neuen Zuercher Lehrplan 21, in Zuerich, am Freitag, 15. April 2016. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Die Zürcher Bildungsdirektorin Silvia Steiner präsidiert die Erziehungsdirektorenkonferenz. Bild: KEYSTONE

«Politische Manipulation wäre nicht akzeptabel» – EDK-Chefin Steiner zum Kriegstheater



Die Theateraufführung im Rahmen eines «Kurses in heimatlicher Sprache und Kultur» (HSK-Kurs) in Uttwil TG gibt zu reden. In einem vom «SonntagsBlick» veröffentlichen Video sieht man Schüler mit Spielzeug-Gewehren in den Armen, andere Kinder spielen Leichen, die dann von türkischen Flaggen zugedeckt werden. Dargestellt wird die Schlacht von Gallipoli zwischen dem osmanischen Reich und den Alliierten während des 1. Weltkriegs.

Kritiker sprechen von Propaganda im Namen der Regierung von Präsident Erdogan – und verweisen auf die Rolle der türkischen Botschaft, welche die HSK-Lehrpersonen bezahlt und den Lerninhalt bestimmt. Gemäss den rechtlichen Grundlagen unterstützen die Kantone die HSK-Kurse mit organisatorischen Massnahmen. Diese müssen im Gegenzug die «politische und religiöse Neutralität» beachten. Zweifelhaft, ob diese Bedingung in Uttwil erfüllt worden ist.

Die Zürcher CVP-Regierungsrätin Silvia Steiner ist als Präsidentin der Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) die oberste Bildungspolitikerin des Landes. Gegenüber watson äussert sie sich zum Fall Uttwil. Grundsätzlich gelte, dass die Kantone die Aufsicht über die HSK-Kurse autonom regeln, sagt Steiner. Die EDK könne aber auf Wunsch der Kantone als Vermittlerin auftreten.

«Kurse müssen politisch und religiös neutral sein»

Steiner will nach der Theateraufführung in Uttwil reagieren. Als EDK-Präsidentin werde sie den aktuellen Fall zum Anlass nehmen, den HSK-Unterricht in der EDK erneut zu thematisieren: «Unser Ziel ist klar: Die HSK-Kurse, die neben dem Schulunterricht angeboten werden und von den Kindern freiwillig besucht werden können, müssen politisch und religiös neutral sein.»

Sie kenne die Einzelheiten des Falles in Uttwil nicht, weshalb sie diesen nicht kommentieren könne. «Falls aber eine politische Manipulation der Schülerinnen und Schüler festgestellt würde, wäre das nicht akzeptabel», fügt sie an.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen der HSK-Kurse unterscheiden sich je nach Kanton sehr stark. Während manche Kantone den Anbieter solcher Kursen strenge Regeln vorschreiben, ist in anderen Kantonen keine Akkreditierung nötig, um HSK-Kurse anbieten zu können. Das soll gemäss Steiner auch so bleiben: «Eine Vereinheitlichung der Vorschriften sehe ich im Moment nicht als notwendig.» Die Regelung liege in der Verantwortung der einzelnen Kantone.

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Video: watson/Knackeboul, Lya Saxer

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    Alle Leser-Kommentare
  • Joe Smith 08.05.2018 15:28
    Highlight Highlight Tragisch, wie ein Journalist dem anderen abschreibt, aber sich keiner die Mühe nimmt, wirklich zu recherchieren. Die Schlacht von Gallipoli ist für die Türkei _DER_ Gründungsmythos, nicht unähnlich der Schlacht von Morgarten oder dem Meuchelmord von Tell bei uns. Diese Schlacht wird in der Türkei seit Jahrzehnten gefeiert und nachgespielt, lange, bevor Erdogan die politische Bühne betrat. Ich mag Kriegsspiele auch nicht (zurückhaltend ausgedrückt), aber man sollte sie trotzdem im korrekten Kontext sehen und nicht am falschen Objekt die islamophobe Empörung bewirtschaften.
    • Rabbi Jussuf 09.05.2018 10:12
      Highlight Highlight Das hatten wir mit den Serben schon mal und der Schlacht am Amselfeld.

      So wie jetzt Gallipoli genutzt wird, ist es absolut nationalistisch, verdeckt erst noch den Armeniergenozid und wird islamisch verbrämt.
      Das hat nichts zu suchen in Europa und schon gar nicht mit kleinen Kindern!
  • Rabbi Jussuf 07.05.2018 23:25
    Highlight Highlight Hätte man alles schon lange wissen können. Aber nein, uns in der heilen Schweiz passiert das nicht!
    Dabei war die Sache mit der Kriegsdarstellung generalstabsmässig aufgezogen und betrifft alle türkischen Gemeinden.

    Aber lieber laisser-faire und sich nachher wundern, dass so etwas in der Schweiz passiert!
  • Elsässer 07.05.2018 22:51
    Highlight Highlight Nachhilfeunterricht
    Weshalb we4den nicht andere Schlachten nachgespielt? Das Osmanische Reich stand im 1.Weltkrieg auf der Verliererseite. Es verlor mehr als die Hälfte seines Staatsgebietes. Unzählige Schlachten gingen unrühmlich verloren. Die Kämpfe in Gallipoli sind eine seltene Ausnahme.
    Zudem, im 1.Weltkrieg kamen etwas über 700‘000 türkische Soldaten um, weiter über die Hälfte durch Hunger und Seuchen. Die Zwangs-Umsiedlung der Armenier kostete bis zu 1.5 Millionen Menschen das Leben.
    Die Schweizer LehrerInnen haben hier Gelegenheit, die Fakten ins rwchte Licht zu rücken.
    • Rabbi Jussuf 08.05.2018 09:20
      Highlight Highlight Bei der Gallipoli Sache geht es anscheinend darum, den Genozid an den Armeniern zu überspielen.
  • Walter Sahli 07.05.2018 21:14
    Highlight Highlight Krieg ist immer politisch! Somit ist die neutrale Darstellung davon fast unmöglich.
  • Jein 07.05.2018 19:39
    Highlight Highlight Die Botschaft eines Staates, welcher seit Jahren durch nationalistisch-religiöse Indoktrinierung der heimischen und im Exil lebenden Bevölkerung glänzt und der alternativen Geschichtsschreibung nicht abgeneigt ist, soll ein Theaterstück über eine ohnehin schon umstrittene Materie sponsern ohne dass die religiöse und politische Neutralität geschädigt wird?

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