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Das wichtigste politische Projekt seiner Karriere: Bundesrat Alain Berset hofft auf ein Ja zur Rentenreform am 24. September 2017. 
Das wichtigste politische Projekt seiner Karriere: Bundesrat Alain Berset hofft auf ein Ja zur Rentenreform am 24. September 2017. Bild: KEYSTONE

Migros vs. Coop, Bauern vs. SVP: Die fünf überraschendsten Battles der Renten-Schlacht

Das Schlachtfeld ist abgesteckt – das Gefecht um die Reform der Altersvorsorge kann starten. Dabei heisst es nicht einfach rechts gegen links: Unsere Grafik zeigt, zu welchen ungewöhnlichen Koalitionen es im heissen Abstimmungssommer kommt und wie gespalten Parteien und Verbände sind.
28.06.2017, 08:5015.08.2017, 11:26

Mit einer Medienkonferenz eröffnete Sozialminister Alain Berset am Dienstag die heisse Phase des Abstimmungskampfs. Die wichtigsten Parteien, Verbände und Gewerkschaften haben ihre Parolen zur Rentenreform bereits gefasst. Auf den ersten Blick scheinen Befürworter aus einer Allianz von Mitte-links-Parteien und Gewerkschaften einer Gegnerschaft aus rechtsbürgerlichen Parteien und Wirtschaftsverbänden gegenüberzustehen.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich: die Rentenreform wirbelt die politischen Lager kräftig durcheinander. So kämpft etwa die FDP an der Seite der kommunistischen Partei der Arbeit. Wir präsentieren die fünf interessantesten Konfliktlinien.

Gelb unterlegt sind Abweichler und Überraschungsgäste in beiden Lagern.
Gelb unterlegt sind Abweichler und Überraschungsgäste in beiden Lagern.grafik: watson

Die Sozialdemokraten im Streit mit der Juso

In einer Urabstimmung sprachen sich neun von zehn SP-Mitgliedern für ein Ja zur Reform aus – 39 Prozent der Genossen hatten daran teilgenommen. Die Juso lehnt die Vorlage trotz des klaren Votums ab. Sie stört sich an der Erhöhung des Rentenalters der Frauen und der Senkung des Umwandlungssatzes in der zweiten Säule. Doch nicht einmal die Jungsozialisten sind geschlossen – die Sektion Basel-Land hat sich für ein Ja ausgesprochen. Störfeuer gegen die Reform kommt auch von den kleinen Linksaussen-Parteien SolidaritéS und PdA (Partei der Arbeit).

Der Kommentar zur Reform von watson-Politredaktor Peter Blunschi 

Röstigraben bei den Wirtschaftsverbänden

Die grossen Dachverbände der Wirtschaft sind in ihrer Ablehnung der Reform geeint: Economiesuisse, Gewerbe- und Arbeitgeberverband haben die Nein-Parole beschlossen. Doch in der Romandie stossen Alain Bersets Pläne auch in Wirtschaftskreisen auf Sympathie. Die «Fédération des Entreprises Romandes», mit 27'000 Firmen und 80 Fachverbänden der grösste Arbeitgeberverband der Westschweiz, sagt Ja, ebenso der einflussreiche Waadtländer Unternehmerverband «Centre patronal».

Migros vs. Coop

Das Projekt «Altersvorsorge 2020» spaltet auch die beiden Grossverteiler. Die Migros ist laut Blick der Meinung, dass die Lösung verschiedene «sozialpolitische Anliegen aufnimmt, welche in der Migros-Gemeinschaft seit vielen Jahren gelebt werden». Coop hingegen schliesst sich der Nein-Parole des Arbeitgeberverbands an, dem der Detailhändler als Mitglied angehört.

Gewerkschafter gegen Gewerkschafter

Trotz aus Arbeitnehmersicht umstrittener Kompromisse wie der Erhöhung des Rentenalters für Frauen und der Senkung des Umwandlungssatzes befürworten die grossen Gewerkschaften wie Unia und VPOD gemeinsam mit dem Schweizerischen Gewerkschaftsbund die Reform. Doch auch bei den Arbeitnehmern gibt es Abweichler: Die Dachverbände der Gewerkschaften in Genf und der Waadt, CGAS und USV*, sowie mehrere VPOD-Sektionen in der Romandie bekämpfen die Reform.

Bauern vs. SVP

Die SVP gibt sich gerne als engste politische Verbündete der Landwirtschaft. Doch während die Partei die Rentenreform im Parlament heftig bekämpfte, gab der Bauernverband die Ja-Parole heraus: Die Reform berücksichtige «gesamthaft betrachtet die Interessen der Bauernfamilien».

* In einer früheren Version des Artikels wurde die CGAS fälschlicherweise als Einzelgewerkschaft beschrieben. Es handelt sich dabei aber um den kantonalen Dachverband der Genfer Gewerkschaften.

So sähen Berset & Co. als heutige Teenies aus

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Teenie-Bundesräte
quelle: dachverband schweizer jugendparlamente dsj / dachverband schweizer jugendparlamente dsj
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43 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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scoot
28.06.2017 10:21registriert Februar 2015
Und genau weil man sich in allen Politischen Lagern uneins ist, ist dies wahrscheinlich das beste was man (im Bereich Rentenreform) machen kann. Der beste Kompromiss ist immer noch der mit dem niemand richtig glücklich ist
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Kopold
28.06.2017 10:17registriert Juli 2014
Als junger Linksliberaler, der aber beruflich Pensionskassenwissen hat ist es für mich ziemlich schwierig.

Einerseits ist es sehr schwer zu dieser Vorlage ja zu sagen. Sie macht zu wenig, und ein Paar Dinge falsch. Und sowieso aus U30 Perspektive nicht gerade gerecht.

Andererseits ist die Alternative, nein zu sagen, noch viel schlimmer. Wir rasen mit Vollgas auf die Klippe zu. Die Reform macht zwar die Kurve noch nicht, geht aber vom Gas.

Die Diskussion muss nachher sowieso sofort weitergeführt werden.
Aber ein nein können wir uns nicht leisten.
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Domimar
28.06.2017 10:52registriert August 2016
Wenn man die Alterspyramide der Schweiz anschaut, dann wird schnell klar, dass die AHV ab 2030 Engpässe haben kann.
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/bevoelkerung.assetdetail.267692.html
Aber ich bin der Meinung, es muss doch möglich sein, diese ca. 20 Jahre Unterdeckung übergangsweise zu finanzieren, ohne Renteneinbussen oder Rentenaltererhöhungen? Ich meine, hey, wir sind die Schweiz? Was bringt all der Wohlstand, wenn das nicht möglich ist. Dann muss man halt mal an anderer Stelle sparen, z.B. beim Verwaltungsapparat.
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