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Warum die Luzerner Tatort-Kommissarin Notunterkünfte schliessen will



Man kennt sie als die toughe Ermittlerin von Luzern: Delia Mayer, Schweizer Tatort-Kommissarin steht normalerweise vor der Linse, um einen Mord aufzuklären und Verbrecher einzubuchten. Doch in ihrem neusten Video geht es um was ganz anderes:

Mayer steht unter der Dusche, geniesst den warmen Wasserstrahl, einen Moment der Ruhe und Intimität. Dieser wird abrupt von Schauspielkollege Michael Neuenschwander unterbrochen, der den Duschvorhang beiseite schiebt und sich mit Werkzeugen an der Badewanne zu Schaffen macht. Mayer wickelt sich verstört in ein Badetuch und steigt aus der Dusche. Dabei muss sie über den auf dem WC sitzenden Zürcher Rapper Skor steigen und sich an einer zähneputzenden Mutter mit Kind vorbeidrücken. Dann werden die Sätze eingeblendet: «Passiert nicht dir. Aber hier. In Zürcher Notunterkünften gibt es keine Privatsphäre.» 

Nebst dem kurzen Clip mit Mayer, Neuenschwander und Skor gibt es zwei weitere Videos, in denen die Schauspieler Sarah Spale («Wilder»), Gilles Tschudi und Mona Petri darauf aufmerksam machen, dass es in Notunterkünften keine Bewegungsfreiheit gibt oder Kinder nachts ausgeschafft werden. Ihre Forderung lautet: «Notunterkünfte müssen geschlossen werden.»

Hinter der Aktion steckt ein loser Zusammenschluss engagierter Privatpersonen, die sich für dieses Projekt zusammengefunden haben. In ihrem «dringenden Aufruf», der seit Donnerstagmorgen online ist, sammeln sie Unterschriften, um «den Handlungsdruck auf die zuständigen Politiker im Zürcher Regierungs- und Kantonsrat zu erhöhen», wie sie schreiben. In Notunterkünften würden Grundrechte verletzt, heisst es im Aufruf. 

«Ich tue das aus einer privaten Notwendigkeit. Gerade auch, weil ich weiss, dass ich als Schweizerin und als Schauspielerin in den Genuss von grossen Privilegien komme.»

Delia Mayer, Schauspielerin

Delia Mayer weiss um die Probleme der Menschen in Notunterkünften. Seit längerem engagiert sie sich persönlich in der Containersiedlung in Adliswil. In der Regel besucht sie die Bewohner einmal wöchentlich, unterstützt sie bei bürokratischen Anliegen, bringt Essen, das Grossverteiler spenden oder unterstützt und organisiert, wo es gerade nötig ist. «Ich tue das aus einer privaten Notwendigkeit. Gerade auch, weil ich weiss, dass ich als Schweizerin und als Künstlerin in den Genuss von grossen Privilegien komme.»

Und gerade weil eben die Schweiz eine Luxusinsel ist, findet es Mayer umso unerträglicher, dass hier Männer, Frauen und Kinder in solchen Unterkünften leben müssen. Teilweise unter der Erde, isoliert, allein und unter ständiger Kontrolle. Dies nur wenige Kilometer von urbanen Zentren entfernt, ohne dass die meisten Bürger davon Kenntnis haben.

«Auch wenn es sich um abgewiesene Asylsuchende handelt: Diese Menschen bleiben oftmals jahrelang in der Schweiz, haben Verwandte oder Familie hier und können nicht vor oder zurück. Sie verharren so in einer Zwischenwelt, die ich als nicht zumutbar empfinde. Hier geht es um die Wahrung von Grundrechten, für die wir einstehen müssen», sagt sie. Deshalb fordere sie eine menschenwürdige Unterbringung der Betroffenen in den Gemeinden und nicht in Kollektivunterkünften.

(sar)

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