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Motorradfahrer auf der Furka Passstrasse am Samstag, 14. Juli 2018. Die Furka Passstrasse erlebt zur Zeit Hochbetrieb mit vielen Fahrradfahrern, Motorradfahrern, Reisecars, Wohnmobilen und allen arten von Autos. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Laute Töfffahrer sind der Lärmliga ein Dorn im Auge.  symbolBild: KEYSTONE

Zank um Töfflärm: Jetzt sollen Lärmblitzkästen Töff-Rowdies zur Räson bringen ⚡️

Stell dir vor: Es blitzt, wenn dein Töff zu laut ist. Der Bund unterstützt neue Massnahmen gegen «Töff-Machos». Doch nun wird Kritik laut. 



Mitte August im aargauischen «Boowald». Beamte der Kantonspolizei Aargau haben sich auf der beliebten Motorradstrecke zwischen St.Urban und Vordemwald positioniert. Ziel des Einsatzes: Motorradfahrer stoppen, die unnötig Lärm verursachen. Damit reagiert die Polizei auf Klagen von Bewohnern aus den umliegenden Gemeinden.

Dass diese durchaus berechtigt sind, zeigt sich am Ende des Einsatzes. Die Kantonspolizei verzeigt an diesem Tag elf Töfffahrer und zwei Autolenker, wie sie in der Medienmitteilung schreibt. «Mehrheitlich haben diese die Bergstrecke grundlos mehrmals befahren und dabei mit hohen Motorendrehzahlen unnötigen Lärm verursacht.»

Genau solche Töff- und Autofahrer sind dem Rechtsanwalt Peter Ettler ein Dorn im Auge. Als Präsident der Lärmliga Schweiz setzt er sich dafür ein, dass auf Schweizer Strassen mehr Ruhe einkehrt. Oder wie er es ausdrückt: Für weniger «Machogehabe». Damit meint er aufröhrende Motoren, das Betätigen der Auspuffklappe.

«Gegen Machos kommt man nur mit Gutzureden nicht an.»

Peter Ettler, Präsident Lärmliga Schweiz

Ettler hat auch eine genaue Vorstellung davon, wie man den Töff- und Autofahrern die Lust am Krachmachen nehmen kann: Mit speziellen Radarfallen, die den Lärm mit Mikrofonen messen, wie er gegenüber SRF ausführt. «Dann könnte man entsprechende Übeltäter mit solchen festen oder mobilen Stationen sehr einfach überführen.» 

Derzeit müssen sich Polizisten auf ihr Gehör verlassen. Empfinden sie ein Motorrad als zu laut, wird der Test im Strassenverkehrsamt angeordnet. Ein Töff darf in der Schweiz nicht lauter als 78 Dezibel sein.

«Gegen Machos kommt man nur mit Gutzureden nicht an», führt Ettler von der Lärmliga gegenüber watson weiter aus. Wer mit dem Motor röhre und damit die Bewohner störe, müsse konsequent bestraft werden. Dafür wäre ein Lärmblitzer das richtige Instrument, ist Ettler überzeugt. «Und würde erst noch Geld in die Staatskassen spülen.»  

«Ein solches Messsystem würde die Suche nach unerlaubt frisierten Motorrädern erleichtern.»

Thomas Rohrbach, ASTRA-Sprecher

Dass auch der Bundesrat einem solchen System nicht abgeneigt wäre, offenbarte das Gremium in seiner Antwort auf einen früheren Vorstoss der SP-Nationalrätin Silva Semadeni. Darin schreibt der Bundesrat, dass man es begrüssen würde, wenn Kantone Messmethoden entwickeln würden, «mit denen übermässige Lärmemissionen messtechnisch erfasst und gegebenenfalls geahndet werden könnten».

Auch Thomas Rohrbach, Sprecher des Bundesamts für Strassen (ASTRA), findet die Idee gut. «Ein solches Messsystem würde die Suche nach unerlaubt frisierten Motorrädern erleichtern», sagt er, führt aber an, dass er vorher noch nie von einem Lärmblitzkasten gehört habe.

Kein Wunder: Selbst der Initiant von der Lärmliga hat keine Kenntnisse von einem Lärmblitzkasten im In- oder Ausland. Ettler verweist aber auf ein Lärm-Messsystem, das in gewissen Regionen in Deutschland eingesetzt wird. Dieses misst die Lautstärke der vorbeifahrenden Motorräder. Sind diese zu laut, droht als Strafe aber lediglich ein böses, rotes Smiley. Dieses wird ein paar Meter weiter auf einer Anzeigetafel angezeigt. Ist das Fahrzeug leise, so lacht dem Fahrer ein grünes Smiley entgegen.

«Wenn es nicht tönt, habe ich das Gefühl, ich sitze auf einem Fahrrad.»

Roger Uhr, Präsident des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrerverbands

Ein rein mahnendes System findet Roger Uhr, Präsident des Schweizerischen Auto- und Motorradfahrerverbands (SAM) sympathisch. Im Gegensatz zum Lärmblitzkasten, in dem er vor allem eine weitere Möglichkeit sieht, um Strassenverkehrsteilnehmern noch mehr Geld aus der Tasche zu ziehen. 

«Statt zu sanktionieren, ist es viel sinnvoller, miteinander zu sprechen. Aufeinander Rücksicht zu nehmen», sagt Uhr, und gibt offen zu: Er fahre gerne mit Motorensound – doch nur ausserhalb von Siedlungen. Uhr schwärmt vom Feeling. Und sagt: «Wenn es nicht tönt, habe ich das Gefühl, ich sitze auf einem Fahrrad.» 

Roger Uhr ist überzeugt, dass sich die meisten Motorradfahrer Mühe geben, in der Nähe von Häusern nicht zu viel Krach zu machen. Eine allgemeine Verurteilung aller Motorradfahrer empfindet er als unfair.

Bild

Die Plakatkampagne der Kantonspolizei St. Gallen. bild: Kantonspolizei St. Gallen

Seine Aussage wird bestätigt von einem Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Hanspeter Krüsi: «Die meisten Motorradfahrer verhalten sich vorbildlich.» Nur einzelne seien Ursache des Problems. Krüsi plädiert dafür, «dass die Bevölkerung bei einem lauteren Motorrad ab und zu ein Auge zudrückt und die Motorradfahrer ihrerseits Rücksicht nehmen». Darauf zielt auch die Plakatkampagne ab, welche die Kantonspolizei St. Gallen lanciert hat. Die Botschaft: «Profis fahren leise».

58 Menschen auf einem Motorrad – ja, du hast richtig gelesen

Video: srf

Skurrile Strassenverkehrsregeln dieser Welt

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Skurrile Strassenverkehrsregeln dieser Welt
quelle: watson
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