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Viola Amherd (katholisch, kinderlos) und Elisabeth Schneider-Schneiter (reformiert, mit schulpflichtigen Kindern). Bild: keystone/watson (bearbeitung)

Zwei Frauen, zwei Welten: CVP-Bundesratskandidatinnen mit unterschiedlichen Lebensweisen

othmar von matt / Schweiz am wochenende



Die eine Frau, Elisabeth Schneider-Schneiter (54), ist verheiratet, Mutter von zwei Kindern, die noch zur Schule gehen. Manuel (16) und Julia (18) besuchen beide das Gymnasium. Die Bauerntochter, die sich zur Juristin ausbilden liess und die Handelskammer beider Basel präsidiert, bringt Familie (und Kinder), Beruf und Politik unter einen Hut. Und die Baselbieter Nationalrätin ist reformiert.

Die CVP Bundesratskandidatin Elisabeth Schneider-Schneiter anlaesslich der CVP Delegiertenversammlung vom Samstag, 20. Oktober 2018 in der Messe Luzern. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Elisabeth Schneider-Schneiter Bild: KEYSTONE

Die andere Frau, Viola Amherd (56), ist seit je Single, hat keine Kinder, lebt mit ihrer Schwester und deren Kind in einem Frauenhaushalt. Sie und ihre Schwester hatten ihre demente Mutter gepflegt. Die Oberwalliser KMU-Tochter – die Eltern führten eine Elektrounternehmung – schafft es ebenso, ihre ungewöhnliche Patchwork-Familie, den Beruf als Anwältin und Notarin und die Politik unter einen Hut zu bringen. Sie ist katholisch.

Viola Amherd, conseiller nationale valaisanne PDC, parle lors d'une conference de presse lconcernant l'election complementaire au Conseil federal ce jeudi 8 novembre 2018 a Brigue. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Viola Amherd Bild: KEYSTONE

Schneider-Schneiter und Amherd haben Wahlchancen – und ganz unterschiedliche Lebensentwürfe. Auch wenn sie beide Bundesrats-Kandidatinnen sind für die CVP. Schneider-Schneiter wäre das erste reformierte CVP-Mitglied der Landesregierung überhaupt. Und sie wäre die erste Frau im Bundesrat, die ein noch nicht volljähriges Kind hat. Amherd ihrerseits würde als Bundesrätin Aufsehen erregen, weil sie in einer ungewöhnlichen Frauen-Patchwork-Familie lebt, die auf den ersten Blick gar nicht zur traditionellen Familien-Partei CVP zu passen scheint.

Viola Amherd Bundesrat Kandidatin?

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Video: srf

Die Tradition der CVP

Nur auf den ersten Blick allerdings. Die CVP hat eine lange Tradition mit unverheirateten und kinderlosen Frauen, die hohe politische Weihen erlangten. Etwa Josi Meier (1926–2006), 1991 als erste Frau Ständerats-Präsidentin. Oder Judith Stamm (84), Nationalrätin von 1983 bis 1999, Bundesratskandidatin 1986. Und Rosmarie Dormann (71), Nationalrätin von 1987 bis 2003. Was auffällt: Vor allem Meier und Stamm setzten sich, wie Amherd heute, für Jugendschutz und Gleichberechtigung ein. Amherd bezeichnet sich als Feministin.

Die Praesidentin der Expertengruppe

Josi Meier 1999 in Bern. Bild: KEYSTONE

Dass Meier, Stamm und sie selbst aus dem Kanton Luzern stammten, sei kein Zufall, sagt Dormann. «Hätte ich eine Familie mit Kindern gehabt, wäre ich bestimmt nicht gewählt worden», erzählt sie. «Ich hörte oft im Volk, ‹Sie macht jedenfalls keine Familie kaputt›. So dachte man damals noch im Luzernischen.»

ARCHIVE - JUDITH STAMM, SCHWEIZER JURISTIN, CVP-POLITKERIN DER ERSTEN STUNDE UND EHEMALIGE NATIONALRATSPRAESIDENTIN FEIERT AM 25. FEBRUAR 2014 IHREN 80. GEBURTSTAG. DAZU STELLEN WIR IHNEN DIESES BILD ZUR VERFUEGUNG --- Nationalraetin Judith Stamm (CVP) bespricht sich am 31. Mai 1994 waehrend einer Debatte im Nationalratssaal im Bundeshaus mit Bundesrat Otto Stich. (KEYSTONE/Str)

Judith Stamm bespricht sich am 31. Mai 1994 während einer Debatte im Nationalratssaal im Bundeshaus mit Bundesrat Otto Stich. Bild: KEYSTONE

Judith Stamm, für viele eine Frauen-Ikone der Schweizer Politik, sagt: «Viola Amherd ist eine von uns. Sie ist eine der starken Frauen, von denen es in der CVP viele gibt.» Stamm lernte die Oberwalliserin kennen, als sie von ihr nach Aproz eingeladen wurde, zum Eringer-Kuh-Lampffinale.

Elisabeth Schneider-Schneiter will in den Bundesrat:

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Video: srf

Wenn sie von starken CVP-Frauen spricht, meint Stamm nicht nur ledige und kinderlose Frauen wie sie. Sie erwähnt auch Brigitte Hauser-Süess, seit 30 Jahren Amherds Sparringpartnerin und heute Koordinatorin ihrer Medienanfragen. «Als Präsidentin der CVP-Frauen fädelte sie 1999 von langer Hand ein, dass für die Ersatzwahl von Arnold Koller nur Frauen und für jene von Flavio Cotti nur Männer antraten», erzählt Stamm. «Das war eine Leistung, weil es viel Überzeugungskraft brauchte.» Hauser-Süess war später Kommunikationschefin von Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) und Beraterin von Doris Leuthard.

Bundesraetin  Eveline Widmer-Schlumpf, links, und Kommunikationschefin Brigitte Hauser, rechts, nach der Kommunikation des Ruecktritts von Widmer-Schlumpf aus dem Bundesrat am Mittwoch, 28. Oktober 2015, in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Brigitte Hauser Süess mit Ex-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf 2015.  Bild: KEYSTONE

Stamm denkt auch an Frauen wie die Alt-Nationalrätinnen Ruth Grossenbacher und Rosmarie Zapfl und an Bundesrätin Doris Leuthard. «Die verschiedenen Beispiele von CVP-Frauen in der Politik beweisen, dass die Partei eine grosse Spannbreite hat.» Dazu gehören auch Frauen wie Elisabeth Schneider-Schneiter, die eine neue CVP verkörpert. «Sie würde die Öffnung der Partei nach aussen dokumentieren», sagt Historiker Urs Altermatt, der Herausgeber des neuen Bundesrats-Lexikons.

Der unerwartete Anruf

Brigitte Müller-Kaderli, Präsidentin der CVP Baselland, erinnert sich an ihren ersten persönlichen Kontakt mit Schneider-Schneiter, als ob es gestern gewesen wäre. Müller zügelte 2015 vom Aargau ins Baselbiet. Gleichzeitig wagte sie als reformierte Politikerin den Tabubruch: Sie trat aus der EVP aus und schloss sich der katholischen CVP an.

Brigitte Mueller-Kaderli, Praesidentin CVP BL, links, Nationalraetin Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-BL, Mitte, und Anton Lauber Regierungsrat CVP-BL, posieren waehrend einer Parteiversammlung der CVP Basel-Landschaft, am Donnerstag 18. Oktober 2018, in Zwingen. Nationalraetin Elisabeth Schneider-Schneiter, kuendigt ihre Bundesratskandidatur an. (KEYSTONE/Anthony Anex)

Brigitte Müller-Kaderli, Präsidentin CVP BL (links) Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter, CVP-BL (Mitte) und Anton Lauber Regierungsrat CVP-BL. Bild: KEYSTONE

Schon Anfang 2017 fragte die Findungskommission der Kantonalpartei Müller-Kaderli an, ob sie nicht als Präsidentin kandidieren wolle. Sie rang stark mit sich und war nahe an einer Absage, als sie einen Anruf von Schneider-Schneiter erhielt. «Du überlegst dir abzusagen, weil du reformiert bist», sagte die Nationalrätin, und fügte hinzu: «Die Konfession ist bei uns kein Thema mehr. Ich bin selber reformiert.»

Doris Leuthard – ihre Karriere im Rückblick:

Müller-Kaderli war perplex. Schneider-Schneiter habe ihr damit «den Wind aus den Segeln genommen», sagt sie. An der Nationalrätin schätzt sie den «offenen Geist». Schneider-Schneiter habe Energie, sei «kreativ und innovativ». Trage jemand etwas an sie heran, prüfe sie diese Themen sehr genau.

Schneider-Schneiters Grosseltern hatten es aber nicht gerade einfach, als sie als Reformierte ins katholische Hofstetten SO zogen. «Meine Grossmutter betrieb neben dem Bauernhof eine Pflanzlandgärtnerei», erzählte sie der «Basler Zeitung». «Die Leute vom Dorf kamen erst nachts, um ihre Setzlinge zu kaufen. Keiner wollte bei den ‹Reformierten› gesehen werden.»

Alois Gratwohl, Professor an der Universitaet Basel, links, diskutiert am Dienstag, 5. August 2003 in Bern mit Nationalraetin Rosmarie Dormann, CVP-LU, ueber die Ethik der Forschung an embryonalen Stammzellen. (KEYSTONE/Alessandro della Valle)

Rosmarie Dormann Bild: KEYSTONE

Das ist längst Makulatur. Werde Schneider-Schneiter die erste reformierte CVP-Bundesrätin und die erste Bundesrätin überhaupt mit einem noch nicht volljährigen Jugendlichen, «kann das beides positiv sein für die CVP», sagt Rosmarie Dormann. Und zu einer Bundesrätin Amherd als Single-Frau ohne Kinder sagt sie: «Als Alleinstehende hätte sie die nötige Zeit, ohne dass jemand deswegen zu kurz kommen müsste.» (Schweiz am Wochenende)

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    Alle Leser-Kommentare
  • rodolofo 11.11.2018 10:38
    Highlight Highlight Schneider-Schneiters offensichtliche Nähe zum "Big Business" ist mir suspekt.
    Das riecht irgendwie schon von weitem nach Korruption.
    Viola Amherd ist mir mit ihrer eigenwilligen Bodenständigkeit (die Exzentriker vom Land grüssen mit ihrem hinterhältigen Humor und ihrer Bauernschläue...) wesentlich sympathischer.
    Aber beide Kandidatinnen sind Frauen.
    Und das ist schon mal sehr gut!
    • flying kid 11.11.2018 13:39
      Highlight Highlight Wäre ja noch schöner, wenn eine KandidatIN keine Frau wäre 😂
    • rodolofo 12.11.2018 07:54
      Highlight Highlight @ flying kid
      Willst Du mit Deiner Bemerkung suggerieren, dass ich nicht wüsste, dass Kandidatinnen Frauen seien?
      Ich habe doch geschrieben, dass beide Kandidatinnen Frauen seien!
      2 Kandidatinnen = 2 Frauen
  • _kokolorix 11.11.2018 10:01
    Highlight Highlight Bei Männern fragt sich noch nicht mal jemand ob die sich neben der Ehefrau noch eine Geliebte leisten, und es erträgt schlecht erzogene, kriminelle Söhne ohne kritische Stimmen...
  • DaAlex 11.11.2018 09:31
    Highlight Highlight Wow, Watson tut wieder mal gut daran, den gesellschaftlichen Sexismus abzubilden ohne ihn zu hinterfragen. Warum werden hier “Lebensentwürfe” - aka hat sie Kinder oder nicht - von Frauen und nicht auch von Männern durchleuchtet? Und die letzte Aussage von Rosmarie Dormann bringt ja den Sexismus unverschleiert auf den Punkt: Bei Männern kümmerts uns einen Dreck, ob sie Kinder haben da diese der Job der Frau sind - bei Frauen aber muss man die gravierenden Folgen für die Familie in einem Zeitungsartikel diskutieren! Schämt euch, einfach nur erbärmlich...
  • Schneider Alex 11.11.2018 09:12
    Highlight Highlight Schneider-Schneiter in den Bundesrat?
    Basler Politiker/-innen werden in Bundesbern doch nicht ernst genommen. Sie dienen höchstens als humoristische Beilage. Umgekehrt interessiert sich Basel auch mehr für die europäische Integration und eine gute Nachbarschaft zu Baden(D) und dem Elsass (F). Keine Chance für Schneider-Schneiter!
  • pun 11.11.2018 09:10
    Highlight Highlight Das ist alles ganz spannend, aber wofür stehen die beiden Kandidatinnen? Wir haben mit Cassis schonmal die Katze im Sack gekauft, die jetzt im Bundesrat macht, was sie will. Das sollten wir nicht nochmal tun.
  • Saaba 11.11.2018 08:58
    Highlight Highlight Wieviele männliche Bundesräte mit noch minderjährigen Kindern gab es wohl schon? War das bei diesen Vätern je ein Wahlkriterium?
  • Wyerli 11.11.2018 08:44
    Highlight Highlight Ich als Walliser muss da gleich mal intervenieren! „Summi“ heisst nicht „in der Summe“ sonder eher manche. Also manche in der CVP Partei ;)!
  • #Technium# 11.11.2018 06:39
    Highlight Highlight Warum genau ist die einte Kandidatin kinderlos? Wäre interessant die Hintergründe zu erfahren.
    • spyro 11.11.2018 07:30
      Highlight Highlight Warum genau ist das von Relevanz? Interessant wäre es, mehr über die Denkweise, Einstellung, Ansichten usw. zu erfahren, nicht aber die Hintergründe zur Kinderlosigkeit. Vielleicht verstehe ich Ihren Kommentar falsch, doch scheint es, als würden Sie etwas Negatives zu interpretieren versuchen?
    • Aerohead 11.11.2018 07:47
      Highlight Highlight Sie offenbaren eine Weltsicht von gestern. Es geht heute einfach niemanden mehr etwas an, weshalb eine Frau kinderlos blieb.
    • Sünneli31 11.11.2018 07:54
      Highlight Highlight Und warum genau sollte das irgendjemanden ausser ihr selber etwas angehen??
    Weitere Antworten anzeigen
  • Heinz Dietsche (1) 11.11.2018 06:13
    Highlight Highlight Theaterlis
    • DieFeuerlilie 11.11.2018 11:26
      Highlight Highlight Aha.
      Und was genau soll mir dieser recht kindlich anmutende ‘Kommentar‘ sagen?

      Tipp: ganze Sätze erleichtern das Verständnis.

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