Schweiz
Gesundheit

Die SRF-Arena zu Prämien und Gesundheitskosten

Die «Arena»-Gäste: (v.l.n.r.) Sebastian Frehner, Thomas Heiniger, Ruth Humbel und Barbara Gysi.
Die «Arena»-Gäste: (v.l.n.r.) Sebastian Frehner, Thomas Heiniger, Ruth Humbel und Barbara Gysi.bild: screenshot/srf

Die Gesundheitskosten-«Arena» macht Kopfweh – und nur einer hat das Gegenmittel

Wer kann die steigenden Gesundheitskosten stoppen? Diese Frage diskutierten die «Arena»-Gäste zusammen mit Moderator Jonas Projer. Eine Antwort darauf gefunden haben nicht die Politiker – sondern ein «Arena»-Zuschauer. 
02.02.2019, 01:1503.02.2019, 10:17

«1550 Franken bezahle ich pro Monat für die ganze Familie an die Krankenkasse. Und das ist nur die Grundversicherung», eröffnet Moderator Jonas Projer die «Arena» zum leidigen Thema «Steigende Gesundheitskosten».

Müssen die Kosten sinken? Oder sind so hoch, weil wir einfach eine Spitzenmedizin erhalten? Diese Fragen wirft Projer in die Runde – und erhält darauf die wildesten Antworten.

Aber zuerst zu den Fakten. Der eingeladene Experte, Gesundheitsökonom Tilman Slembeck bringt das Problem auf den Punkt: «Die Wirtschaft ist in den letzten zehn Jahren um ein bis zwei Prozent gewachsen. Das Gesundheitssystem aber um ganze vier Prozent», so Slembeck. Da müsse man sich schon fragen, wo das genau hinführt und ob man einfach so weitermachen kann, wie bisher.

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Dass es Reformen braucht, darüber sind sich die «Arena»-Gäste einig. Wer aber schuld an den explodierenden Gesundheitskosten ist und wie man sie eindämmen kann, darüber scheiden sich die Geister.

«Die Spitäler sind die grossen Kostenspieler» poltert der Basler SVP-Nationalrat Sebastian Frehner gleich zu Anfang der Sendung. «In ganz Schweden gibt es gleich viele Spitäler wie im Kanton Bern. Aber Schweden ist 75 Mal grösser.»

Verringere man die Anzahl Schweizer Spitäler, würden auch die Gesundheitskosten sinken, ist sich Frehner sicher. Barbara Gysi, SP-Nationalrätin sieht das Problem an einem anderen Ort. «Es kann nicht sein, dass die Leute für die teuren Pharmaunternehmen aufkommen müssen.» Und Thomas Heiniger, Zürcher Regierungsrat und Präsident der Gesundheitsdirektoren Konferenz meint ganz trocken: «Wir sind selbst schuld an den steigenden Kosten.»

Vorschläge, wie mit den hohen Kosten umzugehen sei, hagelt es wie wild. Zum Teil mit einer solchen Verbissenheit, dass Arena-Dompteur Projer seine Gäste kaum mehr im Zaum halten kann. Oder wie das kleine Mädchen im Screening-Raum am Tisch nebenan haarscharf beobachtet: «Aber diä redäd ja alli ganz durenand!»

Die erste halbe Stunde hilft nicht dabei, den Gesundheitszustand des Zuschauers zu verbessern. Im Gegenteil. Die Gäste diskutieren derart verworren und kompliziert, dass manch einer schon erste Anzeichen von pulsierenden Kopfschmerzen spüren könnte. Es geht um die Gesundheitskostenaufteilung zwischen Bund und Kantonen, um Prämienverbilligungen und den Unterschied zwischen Sozial- und Gesundheitspolitik.

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Vorne weg prescht die SP. Wegen einer Klage der Partei, hat das Bundesgericht vergangene Woche den Kanton Luzern gerügt. Dieser senkte unrechtmässig die Einkommensobergrenze für Prämienverbilligung auf 54'000 Franken pro Jahr. Jetzt muss Luzern nicht nur Rückzahlungen in Millionenhöhe tätigen, sondern die Grenze wieder nach oben verschieben.

Doch damit ist noch nicht genug. «Wir schauen nun auch den restlichen Kantonen auf die Finger», droht der Luzerner SP-Mann David Roth. Leiden tue vor allem der Mittelstand. «Es kann nicht sein, dass eine Mutter ihr Instrument verkaufen muss, um Prämiengelder zurückzuzahlen.»

SVP-Frehner schüttelt den Kopf. Es sei völlig falsch auf die Kantone loszugehen, meint er zu Roth gewandt und erhält dabei Rückendeckung von Heiniger der meint: «Die Kantone geben wesentlich mehr aus als noch 2005. Sie sparen nicht Kosten auf dem Buckel des Mittelstandes.»

So geht es im Zickzack weiter, bis sich Erika Ziltener Präsidentin vom Dachverband der Schweizerischen Patientenstellen einschaltet und zynisch bemerkt: «Wir bewegen uns hier auf einer Flughöhe, die den Versicherten nichts mehr angeht.»

In ihrer flammenden Rede, während der sie Moderator Projer händeringend versucht zu unterbrechen, ruft Ziltener zum Spenden auf. Die Patientenstelle habe einen Fonds, der es Menschen aus dem Mittelstand ermögliche, trotz Schulden bei der alten Krankenkasse zu einer neuen zu wechseln.

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Die Lösung für das Problem der steigenden Gesundheitskosten ist das jedoch auch nicht. Projer wendet sich hoffnungsvoll an CVP-Nationalrätin Ruth Humbel. Ihre Partei will mit einer Initiative zur Kostenbremsung die Kosten eindämmen. Die CVP will, dass der Bund eingreift, wenn die Gesundheitskosten auf längere Zeit mehr steigen als die Löhne. Doch Humbel hat Mühe, den Vorschlag den «Arena»-Gästen schmackhaft zu machen.

«Es braucht einen gewissen Druck durch den Bund, damit die Effizienz im Gesundheitswesen gesteigert wird», beginnt Humbel holprig. Ohne Erfolg. Sogar Projer hat Mühe, den Ausführungen der Nationalrätin zu folgen. Und Heiniger meint nur trocken: «Frau Humbel, das hat niemand verstanden.»

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Knapp vor Schluss muss sogar Moderator Projer ein leises Ziehen im Hinterkopf verspürt haben. Er drückt den Reset-Knopf und zwingt die ganze «Arena»-Runde zu drei Schweigesekunden. Dann wendet sich Projer endlich an den Mann, der der ganzen in die theoretische Irre geleitete Diskussion neuen Antrieb verleit.

Reto Zillig, Physiotherapeut, sieht die steigenden Gesundheitskosten aus den Augen eines Praktikers: Die Anspruchshaltungen würden immer höher werden, so der Therapeut. «Ich bin nun seit 30 Jahren auf dem Beruf und ich sehe, dass die Grenzen zwischen Fitness, Wellness und medizinischer Behandlung immer mehr verwischen.» Das sei der Grund, warum die Kosten steigen und steigen.

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Der Zürcher Regierungsrat Heiniger nickt nachdenklich und wendet sich Zillig zu: «Wie kann man in ihren Augen dieses Problem denn lösen?» Zilligs Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen: «Es braucht eine Grundsatzdiskussion in der Gesellschaft, die definiert was Gesundheit und was Krankheit ist.»

Dem pflichtet auch Gesundheitsökonom Slembek in seinem Schlusssatz bei. «Was bisher fehlt ist die ethische Diskussion. Was können und was wollen wir uns wirklich alles leisten?»

Vielleicht ein Thema für eine nächste, weniger Kopfschmerzen heraufbeschwörende «Arena»?

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