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Landwirte können heute einen Teil ihrer Benzin- und Dieselkosten zurückverlangen.
Landwirte können heute einen Teil ihrer Benzin- und Dieselkosten zurückverlangen.Bild: KEYSTONE

Fertig mit Billig-Benzin? Tank-Privileg für Bauern soll fallen

Wenn Bauern ihre Fahrzeuge tanken, zahlen sie für den Liter 60 Rappen weniger als andere Autofahrer. Damit soll Schluss sein, finden die Jungen Grünliberalen. Ihnen schwebt stattdessen eine Prämie für E-Traktore vor.
13.10.2017, 09:2513.10.2017, 19:39

Den Schweizer Bauern weht derzeit ein rauer Wind entgegen. Geht es nach der Steuerverwaltung des Bundes, sollen die Landwirte ihre Wohnhäuser künftig nicht mehr zu vergünstigten Tarifen versteuern dürfen. Entsprechende Pläne machte der Tages-Anzeiger Anfang Woche publik.

Nun gerät bereits das nächste Bauern-Privileg unter Beschuss: Die Jungen Grünliberalen fordern, dass den Landwirten die Benzin-Vergünstigungen gestrichen werden. «Die Schweizer Bevölkerung zahlt derzeit Millionen an Subventionen für billigen Diesel in der Landwirtschaft», kritisiert Pascal Vuichard, Chef der Jungpartei. Aus finanz- und klimapolitischer Sicht sei das ein «fataler Fehlanreiz».

66 Millionen Vergünstigungen pro Jahr

Der Liter Benzin oder Diesel kostet einen Bauern rund 60 Rappen weniger als einen gewöhnlichen Verkehrsteilnehmer. Zwar tanken die Landwirte zum vollen Preis – sie können aber den Mineralölsteuerzuschlag und einen Teil der Mineralölsteuer bei der Oberzolldirektion des Bundes zurückverlangen.

Je nach Grösse des Betriebes haben sie eine bestimmte Menge vergünstigten Treibstoffs zugute. Insgesamt erhielten die Bauern letztes Jahr 66 Millionen Franken auf diesem Weg zurück, wie es beim Eidgenössischen Finanzdepartement auf Anfrage von watson heisst. 

Das Tank-Privileg sei nicht mehr zeitgemäss, argumentiert Vuichard. Solange die Bauern Treibstoffe vergünstigt beziehen könnten, hätten sie keine Motivation, auf umweltfreundliche Elektro-Traktoren umzusteigen. «Dabei produzieren bereits heute viele Bauern auf ihrem Hof Solarstrom, den sie direkt vor Ort nutzen können.»

JGLP-Präsident Pascal Vuichard.
JGLP-Präsident Pascal Vuichard.Bild: KEYSTONE

Prämie für E-Traktoren?

Die Junge GLP schlägt deshalb vor, die Benzin-Verbilligungen durch eine Art Prämie für E-Traktore zu ersetzen. «Die frei werdenden 66 Millionen könnten eingesetzt werden, um umweltfreundliche Technologien zu fördern.»

Die Idee kommt auch bei der Mutterpartei gut an. Nationalrätin Kathrin Bertschy prüft, einen entsprechenden Vorstoss im Parlament einzureichen, wie sie zu watson sagt. Sie war es auch, die die Debatte über die Steuerprivilegien der Bauern bei den Wohnhäusern ins Rollen gebracht hatte.

Für Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizerischen Bauernverbands, ist es unverständlich, «warum man im Moment so auf die Landwirtschaft schiesst». Sie betont, dass «das heute bereits unterdurchschnittliche Einkommen der Bauernfamilien weiter sinken» würde, setzte sich die Idee aus der GLP-Küche durch.

Bauernverbands-Sprecherin Sandra Helfenstein (l.) ärgert sich über die neuerliche Attacke aus der Politik.
Bauernverbands-Sprecherin Sandra Helfenstein (l.) ärgert sich über die neuerliche Attacke aus der Politik.Bild: KEYSTONE

«Kein Privileg»

Helfenberger will die Vergünstigung der Treibstoffe nicht als «Privileg» verstanden wissen. Schliesslich werde der Mineralölsteuerzuschlag erhoben, um damit den Bau von Nationalstrassen zu finanzieren. «Die Bauern nehmen diese Strassen jedoch nicht in Anspruch, wenn sie auf den Feldern herumfahren.»

Und wenn Landwirte privat mit ihrem Auto unterwegs seien, zahlten sie den vollen Benzinpreis – zumal sie nur so viel vergünstigte Treibstoffe zugute haben, wie ein Bauernhof der entsprechenden Grösse im Normalfall verbraucht. Die Verbandssprecherin verweist weiter darauf, dass es hierzulande aktuell noch gar keine Elektro-Traktoren zu kaufen gebe. «So kann man den Kauf auch nicht fördern.»

Tatsächlich präsentierte der Traktor-Hersteller John Deere erst Anfang Jahr seinen ersten E-Traktor, der deutsche Konzern Fendt will im kommenden Jahr ein erstes Modell auf den Markt bringen. Die Hersteller versprechen eine Reduktion des CO2-Ausstosses, auch die Betriebskosten sollen dank der Technologie sinken. Zudem sollen keine Abgase und Ölrückstände mehr in die Ackerböden gelangen, wie die Zeitung «Schweizer Bauer» berichtete.

Ein erstes Modell des E-Traktors des Herstellers John Deere.
Ein erstes Modell des E-Traktors des Herstellers John Deere.john deere

Zumindest in der Leserschaft der Agrarzeitung scheint die Technologie auf Interesse zu stossen. In einer nicht-repräsentativen Online-Umfrage gaben zwei Drittel der Teilnehmer an, dass sie sich einen E-Traktor auf ihrem Betrieb vorstellen können.

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134 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Suchlicht
13.10.2017 10:34registriert August 2015
Interessante Aussage von Helfenberger, dass der Zuschlag für die Strassen sei und Traktoren diese nicht nutzen würden. In der Realität treffe ich aber bis in die grossen Städte hinein dauernd Traktoren an, die irgendwelche Baumaschinen oder Güter transportieren und damit die Transportbranche konkurrenzieren, jedoch den Treibstoff subventioniert haben und keine strengen Auflagen zur Ruhezeit etc. befolgen müssen.

Dafür mit Tempo 30 und Bagger hinten drauf den Verkehr stauen, weil weder Motorfahrzeug noch E-Bike den Zug überholen können 😡
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Menel
13.10.2017 10:10registriert Februar 2015
Willkommen in der freien Marktwirtschaft, die von euren Vertretern so heiss und innig propagiert wird.
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Stichelei
13.10.2017 10:05registriert Oktober 2015
Die Aussagen von Bauernverbandssprecherin Helfenstein wären zum Lachen, wenn sie nicht so grotesk wären:
«warum man im Moment so auf die Landwirtschaft schiesst» - nachdem das CH-Volk den Bauern einen Joker in die Verfassung gelegt hat. Und noch schöner: «Die Bauern nehmen diese Strassen nicht in Anspruch...» - nach dieser Auslegung zahlt auch kein Skigebiet Mineralölsteuer für die Pistenfahrzeuge. Auf jeden Fall bin ich noch keinem solchen Gerät auf der Autobahn begegnet.
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