DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ein Bauer mit dem Traktor unterwegs auf's Feld am Dienstag 3. September 2013 auf der Ahornalp. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Landwirte können heute einen Teil ihrer Benzin- und Dieselkosten zurückverlangen. Bild: KEYSTONE

Fertig mit Billig-Benzin? Tank-Privileg für Bauern soll fallen

Wenn Bauern ihre Fahrzeuge tanken, zahlen sie für den Liter 60 Rappen weniger als andere Autofahrer. Damit soll Schluss sein, finden die Jungen Grünliberalen. Ihnen schwebt stattdessen eine Prämie für E-Traktore vor.



Den Schweizer Bauern weht derzeit ein rauer Wind entgegen. Geht es nach der Steuerverwaltung des Bundes, sollen die Landwirte ihre Wohnhäuser künftig nicht mehr zu vergünstigten Tarifen versteuern dürfen. Entsprechende Pläne machte der Tages-Anzeiger Anfang Woche publik.

Nun gerät bereits das nächste Bauern-Privileg unter Beschuss: Die Jungen Grünliberalen fordern, dass den Landwirten die Benzin-Vergünstigungen gestrichen werden. «Die Schweizer Bevölkerung zahlt derzeit Millionen an Subventionen für billigen Diesel in der Landwirtschaft», kritisiert Pascal Vuichard, Chef der Jungpartei. Aus finanz- und klimapolitischer Sicht sei das ein «fataler Fehlanreiz».

66 Millionen Vergünstigungen pro Jahr

Der Liter Benzin oder Diesel kostet einen Bauern rund 60 Rappen weniger als einen gewöhnlichen Verkehrsteilnehmer. Zwar tanken die Landwirte zum vollen Preis – sie können aber den Mineralölsteuerzuschlag und einen Teil der Mineralölsteuer bei der Oberzolldirektion des Bundes zurückverlangen.

Je nach Grösse des Betriebes haben sie eine bestimmte Menge vergünstigten Treibstoffs zugute. Insgesamt erhielten die Bauern letztes Jahr 66 Millionen Franken auf diesem Weg zurück, wie es beim Eidgenössischen Finanzdepartement auf Anfrage von watson heisst. 

Das Tank-Privileg sei nicht mehr zeitgemäss, argumentiert Vuichard. Solange die Bauern Treibstoffe vergünstigt beziehen könnten, hätten sie keine Motivation, auf umweltfreundliche Elektro-Traktoren umzusteigen. «Dabei produzieren bereits heute viele Bauern auf ihrem Hof Solarstrom, den sie direkt vor Ort nutzen können.»

Pascal Vuichard, Co-Praesident Junge Gruenliberale Partei, spricht an einer Medienkonferenz, am Donnerstag, 31. Maerz 2016, in Bern. Die Jungen Gruenliberalen gruenden eine eigene Jungpartei. (KEYSTONE/ Peter Schneider)

JGLP-Präsident Pascal Vuichard. Bild: KEYSTONE

Prämie für E-Traktoren?

Die Junge GLP schlägt deshalb vor, die Benzin-Verbilligungen durch eine Art Prämie für E-Traktore zu ersetzen. «Die frei werdenden 66 Millionen könnten eingesetzt werden, um umweltfreundliche Technologien zu fördern.»

Die Idee kommt auch bei der Mutterpartei gut an. Nationalrätin Kathrin Bertschy prüft, einen entsprechenden Vorstoss im Parlament einzureichen, wie sie zu watson sagt. Sie war es auch, die die Debatte über die Steuerprivilegien der Bauern bei den Wohnhäusern ins Rollen gebracht hatte.

Für Sandra Helfenstein, Sprecherin des Schweizerischen Bauernverbands, ist es unverständlich, «warum man im Moment so auf die Landwirtschaft schiesst». Sie betont, dass «das heute bereits unterdurchschnittliche Einkommen der Bauernfamilien weiter sinken» würde, setzte sich die Idee aus der GLP-Küche durch.

Sandra Helfenstein, links, Medienchefin Schweizerischer Bauernverband (SBV), unterhaelt sich mit Francis Egger, Leiter Wirtschaft und Politik und Martin Pidoux, Projektleiter Agrarpolitik (AP) 2014-17, von rechts, vor der Medienkonferenz zur Agrarpolitik des Bundes am Dienstag, 28. Juni 2011 in Bern. Diese AP sei als Allheilmittel ungeeignet. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Bauernverbands-Sprecherin Sandra Helfenstein (l.) ärgert sich über die neuerliche Attacke aus der Politik. Bild: KEYSTONE

«Kein Privileg»

Helfenberger will die Vergünstigung der Treibstoffe nicht als «Privileg» verstanden wissen. Schliesslich werde der Mineralölsteuerzuschlag erhoben, um damit den Bau von Nationalstrassen zu finanzieren. «Die Bauern nehmen diese Strassen jedoch nicht in Anspruch, wenn sie auf den Feldern herumfahren.»

Und wenn Landwirte privat mit ihrem Auto unterwegs seien, zahlten sie den vollen Benzinpreis – zumal sie nur so viel vergünstigte Treibstoffe zugute haben, wie ein Bauernhof der entsprechenden Grösse im Normalfall verbraucht. Die Verbandssprecherin verweist weiter darauf, dass es hierzulande aktuell noch gar keine Elektro-Traktoren zu kaufen gebe. «So kann man den Kauf auch nicht fördern.»

Tatsächlich präsentierte der Traktor-Hersteller John Deere erst Anfang Jahr seinen ersten E-Traktor, der deutsche Konzern Fendt will im kommenden Jahr ein erstes Modell auf den Markt bringen. Die Hersteller versprechen eine Reduktion des CO2-Ausstosses, auch die Betriebskosten sollen dank der Technologie sinken. Zudem sollen keine Abgase und Ölrückstände mehr in die Ackerböden gelangen, wie die Zeitung «Schweizer Bauer» berichtete.

Der E-Traktor Sesam von John Deere, Elektro-Traktor, Elektromobilität

Ein erstes Modell des E-Traktors des Herstellers John Deere. john deere

Zumindest in der Leserschaft der Agrarzeitung scheint die Technologie auf Interesse zu stossen. In einer nicht-repräsentativen Online-Umfrage gaben zwei Drittel der Teilnehmer an, dass sie sich einen E-Traktor auf ihrem Betrieb vorstellen können.

Wir sind Bio-Weltmeister und das sind unsere Bestwerte

Video: srf

Pilotprojekt: Bauern stellen Flüchtlinge ein

Das könnte dich auch interessieren:

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Schweiz sagt JA zum Abkommen mit Indonesien

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Chur, Wien, Stockholm: In halb Europa wurde gegen die Corona-Massnahmen protestiert

Am Samstag kam es in verschiedenen Ländern Europas zu Demonstrationen gegen die jeweiligen Corona-Massnahmen. In Chur nahmen mehr als 4000 Personen am Protest teil.

In Chur haben am Samstag über 4000 Personen gegen die Behördenanordnungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie demonstriert. Kundgebungen dieser Art fanden bereits in anderen Schweizer Städten statt, aber mit geringerer Teilnahme.

Aufgerufen zum Protestmarsch für eine verhältnismässige Corona-Massnahmenpolitik hatte der Verein «Stiller Protest». Die Demonstration wurde von der Churer Stadtpolizei unter Auflagen bewilligt. Bedingung für die Durchführung der Kundgebung war unter anderem …

Artikel lesen
Link zum Artikel