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Viktor Orbán zu Besuch in Moskau und China: «Russen sind entschlossener»

Russian President Vladimir Putin, right, and Hungarian Prime Minister Viktor Orban arrive to make press statements after their talks in the Kremlin in Moscow, Russia, Friday, July 5, 2024. Hungarian P ...
Ungarns Regierungschef Viktor Orbán besuchte den russischen Präsidenten Wladimir Putin.Bild: keystone

Viktor Orbán zu Besuch in Moskau und China: «Russen sind entschlossener»

Er selbst wähnt sich auf einer «Friedensmission», muss jedoch harte Kritik einstecken: Nach seinem Besuch bei Putin in Moskau erklärt sich Ungarns Regierungschef Viktor Orbán.
08.07.2024, 16:32
Simon Cleven / t-online
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Ein Artikel von
t-online

Der ungarische Regierungschef Viktor Orbán hat vor einer weiteren Eskalation der Kämpfe in der Ukraine gewarnt. «Glauben Sie mir: Die nächsten zwei, drei Monate werden viel brutaler sein als wir denken», sagte Orbán in einem Interview mit der «Bild» und anderen Axel-Springer-Medien in Budapest. «Es gibt mehr Waffen und die Russen sind entschlossener. Die Energie der Konfrontation, die Zahl der Toten, die Zahl der Opfer wird also brutaler sein als in den vergangenen sieben Monaten.»

Orbán war in der vergangenen Woche nach Kiew und Moskau gereist. Sein Treffen mit Russlands Staatschef Wladimir Putin wenige Tage nach der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft durch Ungarn stiess in der EU auf scharfe Kritik. Ungarn hatte am 1. Juli die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Der ungarische Ministerpräsident war jedoch ohne Mandat der EU nach Moskau gereist. Am Montag traf Orbán, der sich auf einer selbst erklärten «Friedensmission» befindet, zudem zu einem Besuch in China ein.

epa11466300 Chinese President Xi Jinping (R) meets with Hungary's Prime Minister Viktor Orban at the Diaoyutai State Guesthouse in Beijing, China, 08 July 2024. EPA/XINHUA / Li Xueren CHINA OUT / ...
Am Montag traf Orban das chinesische Staatsoberhaupt Xi Jinping.Bild: keystone

«Der Krieg fällt nicht vom Himmel»

Die Kritik an seiner Reise nach Moskau wies Orbán zurück und rückte in dem Interview seinen Besuch in einen Zusammenhang mit der ungarischen Ratspräsidentschaft. «Es wäre Heuchelei, sich nicht mit der Frage zu beschäftigen, wie wir den Krieg beenden können», erklärte der ungarische Regierungschef. Es sei «primitiv» anzunehmen, dass die EU wegen seiner Reise nach Moskau nicht mit einer Stimme spreche.

Dabei kritisierte Orbán, dass «viele europäische Politiker» mit Blick auf den Krieg «sofort eine hundertprozentige Lösung wollen». Die aber gebe es nicht. Zunächst müssten die Kriegsparteien und mögliche Vermittler auch einen Frieden wollen. «Der Krieg fällt nicht vom Himmel», führte Orbán aus. «Der Krieg ist das Ergebnis der Entscheidung bestimmter Menschen. Deshalb müssen wir diese Führer der Welt finden.»

«Mein Ziel ist Frieden und Waffenstillstand»

Während China einen «Friedensplan» habe, hätten die USA eine «Kriegspolitik». Europa kopiere derweil schlicht die US-Position, so Orbán. Der Ungar bekräftigte seine Forderung nach Friedensverhandlungen. Jetzt sei der richtige Zeitpunkt, um «von der Kriegspolitik zu einer Friedenspolitik» zu kommen. «Ich streite nicht darüber, wer Recht hat und wer nicht. Denn mein Ziel ist Frieden und Waffenstillstand», fügte er hinzu.

Tatsächlich hat China Anfang 2023 einen sogenannten Friedensplan vorgestellt, der jedoch weitestgehend die russische Position übernimmt. Die Teilnahme an der Mitte Juni von der Ukraine in der Schweiz anberaumten Friedenskonferenz sagte China jedoch kurzfristig ab.

Einen Angriff Russlands auf Nato-Mitgliedstaaten hält Orbán nach eigener Aussage für ausgeschlossen. «Die Nato anzugreifen ist – nicht nur für Russland, sondern für irgendjemanden auf der Welt – völlig unmöglich, weil die Nato die bei weitem stärkste Militärgemeinschaft ist», sagte der ungarische Regierungschef. «Kein ernsthafter Mensch kann davon sprechen, dass Russland die Absicht hat, die Nato anzugreifen.»

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58 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Chuchichäschtli
08.07.2024 16:41registriert März 2022
Unter dem Schutz der Nato kann er ja gut grosse Töne spucken, so wie es man ja seit jeher von ihm gewöhnt ist.
Und der Krieg ist das Ergebnis eines bestimmten (Menschen), dies mit Unterstützung seiner ihm hörigen Speichellecker wie halt auch Orban einer ist.
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Chris_A
08.07.2024 17:07registriert Mai 2021
Der posaunt einfach die Erzählung von Putin raus. Leute wie Orban sind Teil der Problems, nicht der Lösung.
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Garp
08.07.2024 16:50registriert August 2018
Der einzige der, einen Krieg beschlossen hat, ist Putin! Er hat sich verrechnet! Die Russenköbnen diesen Krieg jederzeit beenden, indem sie alle Truppen zurückziehen.
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