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MeToo war eine Reaktion auf den investigativen «New York Times»-Artikel vom 5. Oktober 2017 über Harvey Weinstein. : twitter montage watson.de

1 Jahr nach MeToo: 9 Hashtags, die auch heute noch weiterleben

Julia Dombrowsky / watson.de



Vor fast einem Jahr, am 15. Oktober 2017, schickte Schauspielerin Alyssa Milano diesen Tweet in die Welt: 

Er war eine Reaktion auf den investigativen «New York Times»-Artikel vom 5. Oktober 2017 über Harvey Weinstein. Unter dem Begriff #MeToo sollten alle Opfer sexueller Belästigungen oder Übergriffe in die Öffentlichkeit treten. Damit war eine Bewegung geboren.

«Gerade gefunden. Ich bin der links. Ein paar Jahre seit Beginn der nächtlichen Missbräuche.»

Doch die Diskussion um unangemessenes Verhalten und strukturelle Diskriminierung bis hin zu offener Gewalt ist auch ein Jahr später nicht zu Ende. Im Gegenteil: Wann beginnt eigentlich Benachteiligung? Wie können Missbrauchsopfer unterstützt werden und wie bietet man Tätern Einhalt? Die Debatte darüber ist auch heute noch in sozialen Netzwerken lebendig.

Wir haben gesammelt, welche 9 Hashtags rund um #MeToo verwendet werden und (leider) weiter relevant sind.

#WeToo

Mit «WeToo» soll Solidarität mit «MeToo»-Betroffenen ausgedrückt werden. Ein Hashtag also für alle, die bislang selbst von sexuellen Belästigungen verschont geblieben sind, die Problematik jedoch anerkennen und Opfern den Rücken stärken wollen.

«Wenn du das liest und sexuell missbraucht wurdest, wisse, dass ich hinter dir stehe und an dich glaube. Du bist nicht allein und mehr wert als das. Es war nicht deine Schuld.»

#MeTwo

Unter dem Motto «MeTwo» sammelten Menschen (meist mit Migrationshintergrund) vor einigen Monaten Anekdoten aus ihrem Alltag, die zeigen, dass Rassismus leider immer noch allgegenwärtig ist. Von blöden Kommentaren à la «Und wo kommst du wirklich her? Ja, aber deine Eltern? Ja, aber ich meine ursprüng-lich?» bis hin zu üblen Beleidigungen – hier ist leider alles dabei.

Unter #MeTwo teilen Hunderte ihre Rassismuserfahrungen

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Video: lia haubner

#WhyIDidntReport

Zahlreiche Opfer von sexueller Gewalt gehen nicht zur Polizei. Frauen zeigen die Täter nicht oder viel zu spät an – aus guten Gründen, wie sie unter #WhyIDidntReport erzählen. Viele Frauen wollen dem Täter nicht «schaden», haben Angst vor Schuldzuweisungen und demütigenden Fragen durch die Polizei. Sie reden sich ihren Fall als «nicht so schlimm» klein oder hören das sogar aus ihrem Umfeld. 

Häufig begegnet Missbrauchsopfern der Vorwurf, wenn sie erst Jahre später an die Öffentlichkeit gehen, müssten sie ja Lügner sein. Psychologen wissen aber schon lange: Opfer brauchen oft lange, um sich traumatischen Ereignissen zu stellen. Wer sich schon immer fragte, warum, sollte mal #WhyIDidntReport eingeben.

#IBelieveYou

Viele Opfer von sexueller Gewalt trauen sich mit ihren Geschichten nicht an die Öffentlichkeit, aus Angst vor zwei Reaktionen: 1. Sie werden für Lügner gehalten 2. Die Schuld wird bei Ihnen gesucht.

«Die erste Reaktion sollte simpel sein: Ich glaube dir.»

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Video: YouTube/Alberta Association of Sexual Assault Services

Das Gegenteil von Victim-Blaming ist wohl der Hashtag #IBelieveYou oder auch #IBelieveSurvivors, der Betroffenen zeigen soll: Erstmal glaube ich dir. Und NICHT: Was hattest du an? Wie betrunken warst du? Erkläre dich gefälligst!

«Die drei mächtigsten Wörter, die ein Opfer hören muss, sind: ‹Ich glaube dir›.» (Im Gegensatz zu: «Übertreibe mal nicht!»)

#TimesUp

Was nützt das ganze Gerede, wenn sich nichts ändert? Genau das ist der Hintergrund des Hashtags #TimesUp. Wer diesen nutzt, möchte damit zeigen: Es reicht jetzt. Sexuelle Gewalt und Diskriminierung muss langfristig ausgehebelt werden, Straftäter juristisch belangt – beginnen wir am Arbeitsplatz.

Auf der US-Website timesupnow finden Betroffene spezialisierte Arbeitsrechts-Anwälte. Bei den diesjährigen Golden Globes trugen einige Stars sogar Times-Up-T-Shirts, um auf die Missstände in der Filmindustrie aufmerksam zu machen.

Jessica Chastain mit «TimesUp»-T-Shirt.

#NoWomanEver

«Freu dich doch!», «Ist doch nur flirten» – wer sich das schon anhören musste, weil er sich über sexistische Sprüche aufgeregt hat, weiss, was für ein Quatsch das ist. Damit aber auch noch beim Letzten einsickert, WIE quatschig das ist, wurde #NoWomanEver 2016 ins Leben gerufen. Unter diesem Hashtag beschreiben Frauen bis heute, wie absurd es wäre, wenn sie sich über Anzüglichkeiten und blöde Sprüche auch noch freuen würden. Wirklich witzig!

#survivorculture

Studien ergeben schon seit Jahren: Wer sexuelle Übergriffe oder Gewalt als Opfer erlebt, wird häufiger selbst Täter, als Menschen, die gewaltfrei aufwachsen. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, müssen Opfer sich auch mit ihren Traumata auseinandersetzen – das meint der Hashtag #survivorculture.

«Verstehe die Mechanismen deiner Familiengeschichte. Welche toxischen Eigenarten wiederholst du?»

Unter dem Schlagwort werden die Missbrauchsereignisse von früher geteilt, aber auch Anekdoten davon, wie es gelang, einen Weg aus der Trauer und Wut zu finden. 

Die Geschichte eines «Überlebenden»

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Video: YouTube/Survivor Culture

#NoMeansNo

Viele haben sich über die Einführung des gegenseitigen Einverständnisses zum Sex in Schweden lustig gemacht, aber so ein Gesetz wäre vermutlich überhaupt nicht nötig gewesen, wenn klar wäre: «Nein» heisst «Nein». Weiss doch jeder? Nee, leider nicht. Sonst würde es bei der Diskussion um Vergewaltigungen vor Gericht und am Stammtisch nicht immer auch darum gehen, dass es (angeblich) unterschiedliche Auffassungen davon gab, was gewünscht war.

«Nein» heißt «Nein». «Stop» heisst «Nein». Sich wegdrehen heisst «Nein». «Ich will nicht» heisst «Nein». Dich wegdrücken heisst «Nein».« Lass mich in Ruhe» heisst «Nein». Bewusstlos-Sein heisst «Nein»...

Unter dem Hashtag #NoMeansNo erinnern Twitter-User daher daran, wann man lieber KEINEN Sex initiieren sollte: Wenn der andere unter Drogen oder bewusstlos ist, zum Beispiel (Hallo, Mr. Cosby), eine finanzielle/berufliche Abhängigkeit besteht (Hallo, Mr. Weinstein) oder der andere – selbst wenn höflich lächelnd – sagt, dass er heute nicht möchte (gilt auch in Beziehungen!).

#aufschrei

Ein Hashtag, der 2013 breite gesellschaftliche Diskussionen ausgelöst hat. Unter dem Sammelbegriff «aufschrei» teilten Frauen online mit, wie ihnen Sexismus im Alltag begegnet – und tun das bis heute. Und manch ein Twitter-Nutzer war schockiert zu erfahren, dass Übergriffe, Beleidigungen und Benachteiligungen eben nicht nur «den anderen» passierte, sondern auch Verwandten und Freundinnen aus seiner Timeline.

Kleine Anekdote aus der Welt der sexuellen Belästigung.

Die Initiatorinnen Anne Wizorek, Jasna Strick und Nicole von Horst mussten nach ihrer «Erfindung» allerdings auch mit Drohbriefen und Hasskommentaren leben (wie sie bei VICE erzählten) – nur ein weiterer Beweis dafür, dass all diese Twitter-Diskussionen weiter bitter nötig sind...

Welchen Hashtag haben wir vergessen? Schreib' es uns in die Kommentare.

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25Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Simon Probst 05.10.2018 10:14
    Highlight Highlight Nr. 10: #mgtow
  • DerRabe 05.10.2018 09:24
    Highlight Highlight Ganz ehrlich: Was soll das ganze? Ich musste lauthals loslachen, als ich die Erklärung zu #TimesUp gelesen habe. Man möchte also damit zeigen, dass das Gerede nichts bringt und Taten folgen sollen. Aha, und dazu nutzt man wiederum einen Twitter-Hashtag, tut also ebenfalls nichts und redet/schreibt nur.
    Genau aus diesem grund finde ich das Ganze ja so lächerlich!
    Hört auf einfach nur zu twittern und euch dabei einzubilden, die Welt zu verändern. Zeit die Schweine an! Lasst euch in die Politik wählen und verschärft die Gesetze. Gründet Hilfswerke!
    Alles tolle Dinge, die man tun könnte...
    • Geophage 05.10.2018 13:13
      Highlight Highlight @DerRabe

      Als ob einen 280 Zeichen so vereinnahmen würden, dass man all die von Ihnen angesprochnen Dinge nicht auch noch tuen könnte. Ausserdem kann man die Taten ja ohnehin mit eben diesem Hashtag versehen.
  • ciaociao 05.10.2018 08:01
    Highlight Highlight zu metwo:
    was genau ist schlimm daran wenn ich aus neugierde herausfinden möchte, aus welchem land oder welcher region jemandes nachname stammt? Ich finde das spannend und interessiere mich riesig für unterschiedliche kulturen & sprachen.
    • Geophage 05.10.2018 09:01
      Highlight Highlight @hueberstoebler

      https://forebears.io/de/surnames
    • R. Peter 05.10.2018 10:50
      Highlight Highlight eBart,der Blitz gilt nicht dem Ausflug über Blocher. Es ist ebenfalls nichts schlimmes daran, weder bei Blocher noch bei einem Meier oder sonst wem. Ich werde selber häufiger mal nach meiner Herkunft und der meines Namens gefragt - ich freue mich über das Interesse und gebe Auskunft...
    • MrNiceGuy 05.10.2018 11:22
      Highlight Highlight habe dasselbe Problem, oft wird suggeriert dass man Rassist sei, dabei ist es einfach wirklich nur spannend!
    Weitere Antworten anzeigen
  • pamayer 05.10.2018 07:47
    Highlight Highlight #menuseyourbrain

  • stadtzuercher 05.10.2018 06:37
    Highlight Highlight Erstaunlich. Ihr habt den offensichtlichsten vergessen.
    #hetoo
  • R. Peter 05.10.2018 05:41
    Highlight Highlight 3&4, Thema ist nicht, dasses unglaubwürdig ist, sich spät gegen frühere Täter zu richten, sondern dass dann kaum mehr was bewiesen werden kann. Das führt zu Schlammschlachten in den Medien, die niemandem helfen. Es geht nicht um unglaubwürdig weil zu spät, sondern um Schutz vor Willkür! „Nur“ weil jemand was behauptet, soll niemand durch den Schlamm gezogen werden (Kachelmann, Zuger Sexaffäre, Richteranwärter, etc.)

    Ja, das ist Medien-, keine Opferkritik! Nehmt bei konkreten Berichten acht, was und ob ihr schreibt, statt hirnlos über Hashtags zu berichten. Ihr seid in der Verantwortung!
    • Geophage 05.10.2018 08:55
      Highlight Highlight @R. Oeter

      Obwohl es keine Opferkritik sein sollte ist es eben genau das geworden.
    • Dr. Unwichtig 05.10.2018 10:42
      Highlight Highlight "Es gilt die Unschuldsvermutung" (bis die Schuld bewiesen ist). Es ist gefährlich, diesen Grundsatz unserer Rechtssprechung undifferenziert wegzuwischen. Opfern ist mit Respekt zu begegnen. Was ihnen widerfahren ist, sollte weder relativiert, noch unbegründet in Zweifel gezogen werden. Die Grundsätze eines Rechtsstaats sollten aber auch beim Umgang mit Beschuldigten eingehalten werden. Eine "Opferkritik" kann ich beim besten Willen nicht erkennen.
    • R. Peter 05.10.2018 10:43
      Highlight Highlight Brot, äh nein?

      Die Kritik ist NICHT: dass Opfer sich spät wehren.

      Die Kritik IST: dass, wann und wie Medien darüber berichten.

      Opferkritik ist wenn überhaupt, die Art sich mittels Hashtag zu wehren. Was tatsächlich keinem rechtsstaatlichen Standard (Selbstjustiz) entspricht, allerdings nur wegen der Medien, die darauf anspringen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • jjjj 05.10.2018 04:36
    Highlight Highlight #gnueghashtags
    • Geophage 05.10.2018 09:09
      Highlight Highlight @jjjj

      Waren Sie anwesend, als Sie den Artikel gelesen haben?
  • Geophage 04.10.2018 23:50
    Highlight Highlight Wie sind Menschen drauf die in solchen Diskussionen Drohbriefe und Hasskommentare versenden? Selbst wenn es euch nervt, fühlt ihr euch etwa angegriffen? Ich werde es nie verstehen.
    • Geophage 05.10.2018 10:22
      Highlight Highlight Die Blitzer können es mir bestimmt erklären.
  • Toni.Stark 04.10.2018 23:28
    Highlight Highlight #vorverurteilerweilfrausichrächenwollte
    • Geophage 05.10.2018 08:50
      Highlight Highlight @Toni.Stark

      Was genau möchten Sie damit bezwecken? Den Frauen denen etwas schlimmes widerfahren ist ein schlechtes Gewissen machen? Potentiellen Lügnerinnen wird es völlig egal sein, weil sie ja selbst wissen dass sie lügen.
    • R. Peter 05.10.2018 10:46
      Highlight Highlight Er bringt das Problem des öffentlichen Schauprozesses in den Medien auf den Punkt. Gerichtliche Entscheidung werden in solchen “Verfahren“ zweitrangig bis irrelevant.
    • Geophage 05.10.2018 11:35
      Highlight Highlight @R. Peter

      Unfug. Wenn diese Anschuldigungen komplett aus der Luft gegriffen wären, gäbe es gar keine Prozesse und ohnehin sind es nur sehr wenige Schauprozesse. Der Grössteteil der Frauen sind keine Superstars und auch die Männer welche beschuldigt werden nicht.

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