Schweiz
International

Schweiz hat beste ÖV-Qualität Europas – Preise liegen nur im Mittelfeld

Die Qualität stimmt, bei den Preisen gibt's allerdings noch Luft nach unten.
Die Qualität stimmt, bei den Preisen gibt's allerdings noch Luft nach unten.bild: keystone

Schweiz hat beste ÖV-Qualität Europas – bei den Preisen sieht's etwas anders aus

20.01.2025, 11:0020.01.2025, 14:42

Die Preise für Reisen mit dem öffentlichen Verkehr in der Schweiz liegen gemäss einer Studie im europäischen Mittelfeld. Schweizer Seniorinnen und Geschäftsreisende hingegen bezahlen eher viel. Dafür ist das ÖV-Angebot in der Schweiz besser als in anderen europäischen Ländern.

Für die Studie verglich das Forschungsbüro Infras im Auftrag des Informationsdiensts für den öffentlichen Verkehr (Litra) die Preise und die Qualität in sieben europäischen Ländern: Grossbritannien, Frankreich, Deutschland, Niederlande, Schweiz, Italien und Österreich.

Teuer für Senioren

Demnach lagen die ÖV-Preise für tägliche Fahrten innerhalb einer Stadt für Erwachsene in der Schweiz im letzten Jahr im unteren Mittelfeld. Billiger waren nur Italien und Österreich.

Senioren hingegen bezahlten in der Schweiz für tägliche Fahrten innerhalb einer Stadt hinter Deutschland am zweitmeisten und Jugendliche am drittmeisten hinter Grossbritannien und den Niederlanden. Im Gegensatz zu anderen Ländern stiegen in der Schweiz die Preise für diese Fahrten in den letzten zehn Jahren für alle Reisenden.

Preise für Agglomerations-Reisen stiegen

Für wöchentliche Fahrten innerhalb eines Metropolitanraumes bezahlten Schweizer Erwachsene und Jugendliche am zweitmeisten, nur Grossbritannien ist teurer. Senioren reisten im Vergleich mit den anderen Ländern sogar am teuersten. Bei den Preisen für tägliche Reisen innerhalb der Metroplitanräume für Erwachsene und Jugendliche lag die Schweiz im oberen Mittelfeld, jeweils hinter Grossbritannien und den Niederlanden.

Fahrten innerhalb eines Metropolitanraums, Erwachsene, tägliche (l.) und wöchentliche (r.) Fahrten, ÖV-Prise 2024, kaufkraftbereinigt.
Fahrten innerhalb eines Metropolitanraums, Erwachsene, tägliche (l.) und wöchentliche (r.) Fahrten, ÖV-Prise 2024, kaufkraftbereinigt.bild: litra, infras

Aber nur in der Schweiz gingen diese Ticketpreise in den letzten zehn Jahren noch weiter nach oben. In Deutschland und Österreich sanken die Kosten in den vergangenen zehn Jahren mit der Einführung des Deutschland- respektive des Klimatickets sogar signifikant.

Billig von der Stadt aufs Land

Eher billig waren in der Schweiz hingegen unregelmässige Reisen von der Stadt aufs Land. Hier bezahlten die Erwachsenen hinter den Niederlanden am zweitwenigsten, die Preise für Senioren und Jugendliche lagen im Mittelfeld.

Fahrten von der Stadt aufs Land, ÖV-Preise 2024, kaufkraftbereinigt.
Fahrten von der Stadt aufs Land, ÖV-Preise 2024, kaufkraftbereinigt.grafik: litra, infras

Auch tägliche Reisen zwischen Städten waren in der Schweiz für Erwachsene und Jugendliche etwa so teuer wie der Durchschnitt der sieben Länder: Für Erwachsene waren diese Fahrten in Frankreich, Österreich und Italien billiger, für Jugendliche in Italien und Österreich.

Fahrten zwischen zwei Städten, Jugendliche, ÖV-Prise 2024, kaufkraftbereinigt.
Fahrten zwischen zwei Städten, Jugendliche, ÖV-Prise 2024, kaufkraftbereinigt.grafik: litra, infras

Teuer war die Schweiz hingegen für Geschäftsreisende, die unregelmässig zwischen Städten unterwegs sind: Sie bezahlten hierzulande am meisten von allen verglichenen europäischen Ländern.

Mehrheitlich gute Preis-Leistung

Ebenfalls untersucht wurde das Leistungsangebot des öffentlichen Verkehrs: Dazu gehörte die Pünktlichkeit, die Anzahl Kilometer Züge im Vergleich zur Bevölkerung (Angebotsdichte), die Länge des Schienennetzes im Vergleich zur Fläche des Landes (Netzdichte) und die durchschnittliche Geschwindigkeit des Fernverkehrs.

Ausser bei der Geschwindigkeit schnitt die Schweiz bei allen Kategorien am besten ab. Bei der Pünktlichkeit lag die Niederlande nur leicht zurück, bei der Netzdichte konnte Deutschland mehr oder weniger mithalten. Bei der Geschwindigkeit im Fernverkehr siegte Frankreich vor Italien und Deutschland. Zusammengerechnet habe die Schweiz damit mehr als doppelt so viele Punkte wie die anderen Länder erreicht, hiess es in der Studie.

Im Bereich der Angebotsqualität punktet der Schweizer ÖV vor allem mit einer hohen Netz- und Angebotsdichte sowie einer herausragenden Pünktlichkeit.
Im Bereich der Angebotsqualität punktet der Schweizer ÖV vor allem mit einer hohen Netz- und Angebotsdichte sowie einer herausragenden Pünktlichkeit.BILD: INTRA, INFRAS

Vergleiche man die beiden Untersuchungen, so ergebe sich für Fahrten für Erwachsene zwischen Städten und von der Stadt aufs Land ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis in der Schweiz. (pre/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
So soll der Bahnhof Stadelhofen ab 2035 umgebaut werden
1 / 9
So soll der Bahnhof Stadelhofen ab 2035 umgebaut werden

Bis 2035 soll der Bahnhof Zürich Stadelhofen komplett umgebaut werden. Das Bahnhofsgebäude soll beispielsweise Aufbauten auf den Seitenflügeln erhalten.

Auf Facebook teilenAuf X teilen
«Ich hasse Leute, die andere Leute nicht aus dem Zug aussteigen lassen»
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Sie musste im Sommer Tiere notschlachten – dann trat diese Bäuerin den Grünen bei
Die Tiere von Bio-Bäuerin Corinne Röthlisberger litten unter dem Hitzesommer. Nach dem Sommer trat sie den Grünen bei. Damit ist sie nicht die einzige.
Ungefähr eine halbe Stunde dauert der Weg, den die Kühe von Corinne Röthlisberger diesen Sommer gehen mussten. Er führt zu einem Hang direkt am Rand eines Walds. Hier fanden die Tiere noch saftiges Gras, während die Wiese in Stallnähe mehr an eine Steppenlandschaft erinnerte als an das Toggenburg, wo Corinne ihren Bio-Hof mit 16 Kühen betreibt.
Zur Story